Astrid Schmitt (56) würde über sich selbst wohl kaum sagen, dass sie eine Rebellin ist. Aber als solche könnte die gelernte Metzgermeisterin und Gründerin eines Catering-Unternehmens in Bad Kissingen durchaus durchgehen. Erst vor wenigen Jahren wurden Frauen als Mitglied beim Bad Kissinger Lions Club überhaupt zugelassen – und nun wurde Astrid Schmitt zur ersten Präsidentin gewählt.
Schon als Metzgermeisterin in einer Männerdomäne
Astrid Schmitt: „Ich kenne es seit Jahren, dass Frauen anders wahrgenommen werden. Schließlich bin ich als Metzgermeisterin auch in eine Männerdomäne eingebrochen.“ Dass einige Männer sehr skeptisch waren, als beschlossen wurde, Frauen in den Lions Club aufzunehmen, „finde ich schade, aber inzwischen sagen alle im Club, dass Frauen eine Bereicherung sind, da sie andere Fähigkeiten besitzen.“
Und auf die möchte sie im Jahr ihrer Amtszeit nun auch Gewicht legen. So stellt sie das Thema Achtsamkeit in den Fokus, „achtsam mit der Umwelt, mit Mitmenschen und mit sich selbst umzugehen“. Können Männer dabei von Frauen lernen? „Ja, sicher – so wie wir viel von Männern lernen können.“
Für die Lions muss man vorgeschlagen werden
Einfach so allerdings können Männer wie Frauen nicht in den Club eintreten. Man muss dafür vorgeschlagen werden und ein Aufnahmeverfahren durchlaufen. „Natürlich kann sich grundsätzlich jeder sozial engagieren, aber die Clubmitgliedschaft selbst ist an diese Voraussetzung geknüpft“, so die 56-Jährige.
Die Mitgliedschaft in Bad Kissingen liege bei „etwa um die 20 Euro pro Monat“, sagt Astrid Schmitt. Die Lions engagieren sich unter dem Motto „we serve“ (wir dienen) und „helfen ehrenamtlich dort, wo Unterstützung gebraucht wird – weltweit und vor allem vor Ort“, so Astrid Schmitt. Über 1,4 Millionen Mitglieder in 208 Ländern engagieren sich im Lionsclub seit über 100 Jahren.
Viele ehrenamtliche Clubs nur für Frauen
Auf Entscheidungen von Männern, ob Frauen in ehrenamtlich ausgerichteten Clubs zugelassen werden oder nicht, muss heutzutage keine Frau mehr warten. Denn: Es gibt viele Clubs, die nur für Frauen sind – und das Gleiche tun wie die Männerbündnisse, nämlich Netzwerke knüpfen und Gutes tun.
Wie beispielsweise Zonta. Katja Weber-Khan ist die Präsidentin des Frauenclubs in Bad Kissingen-Schweinfurt. Derzeit treffen sich dort 33 Frauen. Die 54-Jährige ist Geschäftsführerin von vier Subway-Restaurants in Bad Neustadt/Saale, Schweinfurt und Bamberg. Sie hat auch schon als kommunale Gleichstellungsbeauftragte in Osnabrück gearbeitet.
Engagement fürs Schweinfurter Frauenhaus
Die Schwerpunkte von Zonta? „Frauen helfen Frauen“, sagt sie kurz und bündig. Weil nun auch Männer zugelassen sind, erweitert sie auf „Menschen helfen Frauen“. So sind die Zonta-Mitglieder beim Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen und Mädchen“ in der Schweinfurter Fußgängerzone mit einem Infostand aktiv; sie unterstützen unter anderem das Schweinfurter Frauenhaus; sie verleihen Preise für Studentinnen der MINT-Fächer oder helfen bei der Vernetzung.
„Vernetzung ist das A und O“, sagt Katja Weber-Khan. „Und Sichtbarkeit. Frauen sind nicht dümmer als Männer und müssen daher nicht extra gefördert werden. Was Frauen brauchen, ist die Sichtbarkeit ihrer Leistungen.“
"Unser Spendenschwein freut sich über alles"
Wer darf Mitglied werden? „Früher hieß es ,berufstätige Frauen in Führungspositionen‘. Das ist heute nicht mehr so eng. Wir freuen uns über engagierte Frauen.“ Muss man ein Scheckbuch mitnehmen? „Unser Spendenschwein freut sich über alles.“ Wie teuer ist die Mitgliedschaft? 222 Euro im Jahr.
Vanessa Werdin (44) aus Bamberg ist deutschlandweite Präsidentin des Frauenclubs „Ladies‘ Circle“. Über 1200 Frauen engagieren sich in 108 „Circles“ in der ganzen Bundesrepublik. Auch hier wechselt die Präsidentschaft jährlich.
„Wir bieten Frauen neben unserem ehrenamtlichen Engagement ein Netzwerk“, sagt sie. Warum das wichtig ist: „Viele berufliche und persönliche Chancen entstehen noch immer über Kontakte. Mit unserem Netzwerk schaffen wir einen Raum, in dem sich Frauen saustauschen, gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren können.“
Ladies' Circle: von der Mama bis zur Zahnärztin
Anders als beispielsweise bei den Rotariern können im Ladies‘ Circle durchaus drei Zahnärztinnen sitzen, bei den Rotariern ist jeder Beruf nur einmal vertreten. „Bei uns ist jede Frau willkommen, ob als Ärztin oder gerade in Elternzeit.“
Vanessa Werdin: „Bei uns bringt man sich ein. Wir streichen auch gern mal den Kindergarten.“ Daneben setzen sie Hilfe praktisch mit dem Projekt „Ein Teil mehr“ um. „Wir stehen vor Supermärkten und bitten darum, dass die Kunden und Kundinnen einfach ein Paket Nudeln oder ein Pfund Mehl mehr einkaufen.“ Diese Spenden gehen dann an die Tafel oder an Frauenhäuser.
Weihnachtspäckchen für Osteuropa
Daneben organisiert der Ladies‘ Circle eins der nach eigenen Angaben größten Projekte im deutschsprachigen Raum: den „Weihnachtspäckchen-Konvoi“. „Deutschlandweit werden rund 150.000 Weihnachtspäckchen für entlegene und ländliche Gegenden Osteuropas gepackt und selbst dorthin gefahren.“ Für 99 Euro im Jahr kann man bei Ladies‘ Circle Mitglied werden, die Mitgliedschaft wird ab 18 Jahren ermöglicht.
Die „Soroptimisten“, was übersetzt „Beste Schwestern“ heißt, gibt es seit 1921 weltweit, sie haben sogar einen Sitz im Europarat. Allein in Bamberg gibt es drei Clubs. Karoline Keßler-Wirth ist seit 2011 Mitglied bei „Soroptimist International Bamberg Kunigunde“.
Soroptimisten wollen Lebensbedingungen vor Frauen und Kinder verbessern
Die PR-Managerin (49) erzählt: „Wir setzen uns dafür ein, die Lebensbedingungen von Frauen und Kindern zu verbessern. " Projekte ihres Bamberger Clubs sind: "Wir finanzieren Nachhilfe über Lehramtsstudentinnen und -studenten, im Fokus stehen Kinder, die Unterstützung in Mathematik und Deutsch benötigen.“ Hier arbeiten die Soroptimisten eng mit den jeweiligen Lehrkräften von Grund- und Mittelschulen in Bamberg und dem Landkreis Bamberg zusammen.
Quali-Kurs mit "hervorragenden Ergebnissen"
„Daneben zahlen wir auch einen Quali-Kurs für Jugendliche, die uns von Lehrern empfohlen werden – mit einer hervorragenden Erfolgsquote“, sagt sie. Sie finanzieren unter anderem Schulgärten, Kurse zur Gewaltprävention, Sexualkundekurse, aber auch Musical-Fahrten für Kinder, die sonst eher nicht die Möglichkeit haben, kulturelle Stätten wie Theater zu besuchen.
Ihr Club hat rund 45 Mitglieder. Insgesamt haben die Soroptimisten 65.000 Mitglieder in 2900 Clubs in 118 Ländern. Die Frauen zahlen jährlich etwa 180 Euro.












