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Im Solereservoir
Kissinger Literatursalon startet mit Lesung im Wohnzimmer
Kurgarten und Arkadenbau um 1842
Kurgarten und Arkadenbau um 1842. // Repro: Sigismund von Dobschütz
Mary Shelley (1797-1851)
Die britische Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851) auf einem erstmals 1840 ausgestellten Gemälde des Malers Richard Rothwell. // Repro: Sigismund von Dobschütz
Die britische Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851) auf einem erstmals 1840 ausgestellten Gemälde des Malers Richard Rothwell.
Die britische Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851) auf einem erstmals 1840 ausgestellten Gemälde des Malers Richard Rothwell. // Repro: Sigismund von Dobschütz
Sigismund  von Dobschütz
Sigismund von Dobschütz // 
Signet des Fränkischen Tags von Saale-Zeitung
Bad Kissingen – Von Mary Shelley bis Musik: Die neue Veranstaltungsreihe im Solereservoir in Bad Kissingen beginnt mit einem spannenden Abend. Was alles geboten wird.

Schon in den Vorjahren gab es gelegentlich Veranstaltungen in dem von Simone und Raymund Müller in mehrjähriger Arbeit zum modernen Eigenheim umgebauten historischen Solereservoir aus dem Jahr 1851 an der Salinenstraße. Doch im kommenden Sommerhalbjahr veranstaltet das Ehepaar, unterstützt von der Volkshochschule Bad Kissingen-Hammelburg und dem Bad Kissinger Seniorenbeirat, von April bis Oktober erstmals eine ganze Veranstaltungsreihe.

Zur Premiere empfangen Müllers am Freitag, 17. April, um 19 Uhr die Besucher zur ersten öffentlichen Wohnzimmer-Lesung Bad Kissingens – ganz im Stil klassischer „literarischer Salons“ – in ihrem privaten Wohnzimmer. Literaturkritiker Sigismund von Dobschütz liest Auszüge aus Mary Shelleys 1845 veröffentlichtem und 2017/2018 zeitgleich in zwei Übersetzungen erschienenem Reisebericht „Streifzüge durch Deutschland und Italien“, in dem die britische Schriftstellerin auch von ihrem vierwöchigen Aufenthalt in Bad Kissingen (1842) erzählt.

Sigismund von Dobschütz
Sigismund von Dobschütz // Archiv

Der Reinerlös dieses Abends (Eintritt 10 Euro) geht jeweils zur Hälfte an den Hilfsverein Kidro sowie an die Versteckten Engel der Kissinger Tafel. Wegen der begrenzten Sitzplatzzahl wird um vorherige verbindliche Anmeldung gebeten.

Es gibt wohl kaum jemanden, der den weltberühmten Roman „Frankenstein“, im Jahr 1818 noch anonym veröffentlicht, oder eine der Verfilmungen nicht kennt. Aber nur wenige kennen dessen erst später berühmt gewordene Autorin, die britische Schriftstellerin Mary Shelley (1797 bis 1851).

Streifzüge durch Deutschland
Titelbild des Reiseberichts „Streifzüge durch Deutschland“ der britischen Schriftstellerin Mary Shelley, auf Deutsch erschienen 2018 im Morio Verlag. // Morio Verlag

Knapp 25 Jahre nach „Frankenstein“ machte sich die bereits in jungen Jahren verwitwete, inzwischen kränklich gewordene 45-Jährige im Juni 1842 gemeinsam mit ihrem Sohn Percy, seinem Studienfreund Alexander Andrew Knox und einem Dienstmädchen mittels Dampfer, Eisenbahn und Kutsche auf eine beschwerliche mehrmonatige Reise durch Europa.

Am 21. Juni 1842 traf die Reisegruppe in Bad Kissingen ein. Über ihren keineswegs immer befriedigenden Kuraufenthalt berichtet Mary Shelley in ihrem Reisebericht sehr ausführlich und kritisch. Sie schildert ihr Quartier, ihre Spaziergänge in und um Bad Kissingen, die medizinische Behandlung, das Kurleben zu damaliger Zeit und ihren Ausflug nach Bad Bocklet. Ergänzend zur Lesung wird Sigismund von Dobschütz als erfahrener Stadtführer einige Hinweise zur Situation Bad Kissingens im Jahr 1842 geben.

Philosophische Gesprächsrunde

Fortgesetzt wird die Veranstaltungsreihe am 15. Mai bei freiem Eintritt im kleinen Musoleum im Dachgeschoss des Solereservoirs mit einer philosophischen Gesprächsrunde: Der in Berlin praktizierende Arzt und Philosoph Olaf Meyer liest Passagen aus seinem Büchlein „Der Zauber des Lernens“ (2024), einer Sammlung philosophischer Reflexionen. Ihn begleitet der ebenfalls aus Berlin stammende, aber seit einigen Jahren in Bad Kissingen lebende renommierte Philosoph Dietrich Böhler, Ehrenvorsitzender des Hans-Jonas-Zentrums.

Vom 29. Mai bis 6. Juni wird es im Innenhof des Solereservoirs zum zweiten Mal ein Symposium mit Studierenden der Bischofsheimer Holzbildhauerschule mit dem Arbeitsmotto „Brunnengeist“ geben. Bei einer Vernissage am Samstag, 6. Juni, werden die jungen Künstler ihre während dieser Tage geschaffenen Werke der Öffentlichkeit präsentieren. Der Besuch dieser Ausstellung ist ebenfalls kostenfrei.

Am 12. Juni folgt eine Autorenlesung des Bad Kissinger Schriftstellers Matthias Soeder im Musoleum. Gemeinsam mit Sigismund von Dobschütz, der ausgewählte Texte aus Soeders während des Dreißigjährigen Krieges handelndem Roman „Tinte und Schwert“ (2026) lesen wird, wird Soeder von seiner Arbeit am Roman erzählen. Sicher ebenso spannend wird der Abend am 10. Juli im Stadtsaal mit dem Historiker Kai Lehmann, Museumsdirektor der Museen im Zweckverband Schmalkalden-Meiningen. Er wird sein Buch „Der Henker des Herzogs“ (2024) über das Leben des Scharfrichters Johann Jeremias Glaser (1653 bis 1725) vorstellen und über die Sozial- und Alltagsgeschichte der Zeit um 1700 berichten.

Etwas ganz anderes erwartet die Besucher dann am 15. August bei der ersten Bad Kissinger Kurzfilmnacht mit Werken der aus Oberthulba stammenden, aber in Berlin lebenden Filmemacherin Lea Friedrich zu den Themen Erkenntnis, Akzeptanz und Veränderung.

Einen ungewöhnlichen Gesangsabend erleben die Gäste am 9. Oktober im Musoleum, wenn der Bad Kissinger Singer-Songwriter und Jurist Michael Heppes seine neuen Lieder zur Gitarre vorträgt. Zurück in die bayerische Geschichte geht es am 16. Oktober mit der Biografie „Caroline. Bayerns erste Königin“ (2025), über deren turbulentes Leben der Autor Christian Sepp, Historiker und Wittelsbacher-Experte, Einblick geben wird. Noch nicht terminiert ist der Vortrag von Gerhard Wulz und Rainer Lös über das abenteuerliche Leben des Freiherrn Carl Leo Heußlein von Eußenheim (1838 bis 1870), dem letzten Nachkommen der Bauherren des Bad Kissinger Stadtschlosses und heutigen Rathauses. 

Der Auftakt-Termin

  • Sigismund von Dobschütz liest aus „Streifzüge durch Deutschland“ von Mary Shelley; Freitag, 17. April, 19 Uhr, Solereservoir, Salinenstraße 8, 97688 Bad Kissingen.
  • Tickets für 10 Euro nur an der Abendkasse; verbindliche Anmeldung erwünscht unter E-Mail: raymund.mueller@t-online.de, Telefon 0163/163 59 12.
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