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Hilfe für südafrikanische Kinder
Cape Classic: Melodien für mehr Menschlichkeit
Cape Classic
Das Ensemble mit (von links) Moritz Görg (Trompete), Stefan Baier (Cembalo, Orgel), Sängerin Katja Stuber (Sopran) und Karlheinz Busch (Violoncello). // Sigismund von Dobschütz
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Sopranistin Katja Stuber bei ihrem Solo „O Maria“ von Barbara Strozzi. // Sigismund von Dobschütz
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Moritz Görg faszinierte mit seiner ventillosen Naturtrompete. // Sigismund von Dobschütz
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Pianist Stefan Baier hatte extra für das Konzert sein Cembalo aus Regensburg mitgebracht. // Sigismund von Dobschütz
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Cellist Karlheinz Busch überraschte mit zwei Solo-Stücken von Bach. // Sigismund von Dobschütz
Bad Kissingen – Barockmusik aus Meisterhand und ein Herz für Kinder in Not: Beim Kammerkonzert in der Jakobuskirche berichtet Gründungsvorsitzende Gabi Zahn von einer Frau, die als Pflegemutter in Afrika arbeitet.

Unter dem Motto „Sopran im Barock“ hatte der Verein Cape Classic wieder einmal in die im Barock erbaute Bad Kissinger Jakobuskirche zu einem Kammerkonzert eingeladen. Nicht nur in der Zusammensetzung des Ensembles, sondern auch in Auswahl der Instrumente und der Musikstücke war Besonderes zu erleben. Auch diesmal floss der Reingewinn dieses Konzert in die Spendenkasse des vor über 20 Jahren gegründeten Bad Kissinger Wohltätigkeitsvereins zur Förderung von unterprivilegierten Township-Kindern in der südafrikanisichen Kapprovinz.

Als ein Beispiel der caritativen Vereinstätigkeit berichtete Gründungsvorsitzende Gabi Zahn in ihrer Begrüßung von Michelle Cornwait (54) im südafrikanischen Heidelberg (Westkap), die zunächst Pastorin werden wollte, sich dann aber zur Krankenschwester ausbilden ließ und sich vor einigen Jahren entschloss, als Pflege- und Adoptivmutter mittlerweile acht südafrikanischen Findelkindern ein sorgenfreies Heim zu geben.

Monatlich 280 Euro

„Man muss nicht reich sein, um ein Schicksal zu wenden“, zeigte Zahn an diesem Beispiel. „Man muss nur anfangen.“ Seit Anfang des Jahres unterstützt der Verein Cape Classic die Adoptivmutter bei ihrer aufopfernden Fürsorge mit monatlich 280 Euro. Zahn: „Nur ein kleiner Betrag für uns, aber eine ganze Welt für acht Kinder.“ Mit seiner finanziellen Unterstützung ermöglicht Cape Classic diesen acht Kindern familiäre Sicherheit, Zukunft und Beistand in einem Leben abseits ihrer extrem drogensüchtigen leiblichen Mütter.

In eine völlig andere Welt des Barock entführten dann die vier Musiker, die zuvor noch nie in dieser Besetzung konzertiert hatten, die Konzertbesucher in der Jakobuskirche. Sowohl im Zusammenspiel als auch in ihren jeweiligen Solo-Auftritten zeigten Sopranistin Katja Stuber und Trompeter Moritz Görg mit seiner ventillosen Naturtrompete ebenso wie Stefan Baier an Cembalo und Orgel sowie der schon aus früheren Cape-Classic-Konzerten bekannte Cellist Karlheinz Busch ihr meisterhaftes Können.

Die richtige Einstimmung bot das Ensemble mit zwei Werken von Alessandro Scarlatti (1660 bis 1725) und Alessandro Melani (1639 bis 1703). Allerdings verzichtete Stefan Baier, Professor für Orgel an der Regensburger Musikhochschule, wegen der räumlichen Entfernung zwischen Altarraum und rückwärtiger Empore auf das im Programm genannte Orgelspiel und spielte stattdessen zugunsten des harmonischeren Ensemble-Klangs auf seinem Cembalo, das er eigens für dieses Konzert aus Regensburg mitgebracht hatte. Gleich darauf demonstrierte er als Solist mit der „Passacaglia“ von Johann Caspar Ferdinand Fischer (1656 bis 1746) den authentischen Klang dieses für die Barockmusik typischen, aber heutzutage in Konzerten nur noch selten eingesetzten Tasteninstruments.

Zurückhaltende Cembalo-Klänge

Leider kam dieser zurückhaltende Cembalo-Klang ebenso wie das Violoncello im hohen Kirchenschiff beim Spiel des Ensembles nicht immer ausreichend zur Geltung, wurden beide Instrumente doch von den dominierenden Klängen der Trompete und des Soprangesangs leicht übertönt.

Beim zweiten Scarlatti-Stück begeisterten dafür Trompeter Moritz Görg und Sopranistin Katja Stuber mit einem melodiösen Dialog, der vom Publikum mit Bravo-Rufen und langem Applaus belohnt wurde.

Gelegenheit für sein ebenfalls begeisterndes Trompeten-Solo hatte Moritz Görg, der als Könner auf seinem Instrument Meisterkurse im In- und Ausland gibt, dann auf der Empore, von Stefan Baier diesmal an der Orgel begleitet, bei der fünfsätzigen „Suite of Ayres“ von Jeremiah Clarke (1674 bis 1707), die mit dem schwungvollen „Prince of Denmarks March“ endete.

Eine Demonstration der Klangfülle

Gewissermaßen „eingerahmt“ wurde Görgs Darbietung von zwei der insgesamt sechs für Cello-Solo komponierten Suiten von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Hier konnte Karlheinz Busch, Gründer und Manager des Bamberger Streichquartetts, den großen Tonumfang und die Klangfülle seines Instruments demonstrieren.

Sopranistin Katja Stuber, die vor 15 Jahren ihr Debüt bei den Bayreuther Festspielen gab, auch bei den Salzburger Festspielen auftrat und seit 2017 als Gesangsdozentin an der Regensburger Musikhochschule ihr Können weitergibt, hatte ihr Solo mit der 1655 von der italienischen Barockkomponistin Barbara Strozzi (1619 bis 1677) geschriebenen geistlichen Motette „O Maria“. Mit diesem frühen Barock-Solo neigte sich der Konzertabend allmählich seinem Ende zu, den das Ensemble nach über einer Stunde mit einem geistlichen Konzert für Sopran, Trompete, Cello und Cembalo von Johann Rosenmüller (1619 bis 1684) klangvoll abschloss.

Die nächsten Termine

Dieses Konzert wurde für die Produktion einer CD aufgenommen, die es spätestens beim nächsten Cape-Classic-Konzert zu kaufen gibt: Am 29. August 2026 lädt der Verein zu einem musikalischen „Familientreffen“ in die Jakobuskirche ein, wenn Mutter Laurence Forstner-Beaufils (Harfe) und Tochter Alexandra Forstner (Querflöte) beim Konzertabend „Harfe trifft Flöte“ gemeinsam musizieren.

Ein weiteres Konzert bietet Cape Classic im Rahmen des Festivals „Kissinger Winterzauber“ am 29. Dezember 2026 im Rossinisaal mit Erika le Roux (Klavier), Fritjof von Gagern (Violine) und Naoya Nishimura (Violoncello).

Spendenkonto: Cape Classic e.V., IBAN: DE31 7935 1010 0008 2097 02

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