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Kabarett
Mit Humor gegen turbulente Zeiten
Christine Eixenberger
Christine Eixenberger // Klaus Werner
Bad Kissingen – Christine Eixenberger überzeugt mit „Volle Kontrolle“ im Kurtheater mit Wortwitz und Esprit.

Christine Eixenberger, TV-bekannte Künstlerin aus dem oberbayrischen Schliersee, lockte mit ihrem Programm „Volle Kontrolle“ rund 400 Gäste ins ehrwürdige Kurtheater. Mit Esprit, Wortwitz und clownesker Komik analysierte sie ihren Beziehungsstatus als facettenreiche Transformation vom „Ich zum Wir“, wobei sie ihren „Herz-Buben“ als grantelnden Stichwortgeber für einen „Abend mit ausschließlich positiven Nachrichten“ nutzte.

Dem Publikum gefiel ihre unbekümmerte Sichtweise, die nach dem Motto „Lieber drüber lachen als drüber nachdenken“ den normalen Wahnsinn im Visier hatte.

Beeindruckende Karriere

TV-Serien, humorvoller Bestandteil in Kabarett-Formaten und neuerdings Moderatorin der BR-Sendung „Nachsitzen“ – die Karriereleiter der studierten Grundschullehrerin ist beeindruckend und ebenso ihre Bühnenpräsenz, die mit sichtbarer Freude am Kontakt mit dem Publikum und authentischer Spontanität einhergeht. Dabei bevorzugt sie bei ihren Bühnenauftritten eher die „leichte Kost“ und mäandert zwischen kabarettistischer Ernsthaftigkeit und der Lockerheit von Comedy.

Tiefschürfendes wie „Unsere Wirtschaft lebt von dem, was man haben will, nicht von dem, was man braucht“ oder Anklagendes wie der frauenfeindliche Algorithmus in den sozialen Medien bleiben in den plakativen Ansätzen stecken, um dann in Sketchen und humorvollem Geplauder zu enden. Diese sind zwar lustig und werden mit urkomischer Körpersprache transportiert, aber es bleibt beim Kratzen an der Oberfläche von gesellschaftskritischen Themen oder politischer Inkompetenz.

Ihr Programm „Volle Kontrolle“ beschäftigt sich einerseits mit ihrer Herkunft vom Land, wo die Tageszeitung durch die Nachbarn ersetzt werden und wo die Grünen als „Dackel-Verbieter“ noch für Aufregung sorgen. Andererseits widmet sie ihrer Beziehung mit dem „Herz-Buben“ fast schon therapeutische Aufmerksamkeit, denn ihre Wohnung wird zur „Erstaufnahme-Einrichtung“ mit 50 Quadratmetern und der zwingenden Erfordernis: „Ausmisten – da findest du Sachen, von denen du nicht mehr weißt, warum du sie hast.“

Zwei-Tage-Woche

Mal wird es etwas prollig, wenn „ein warmer Wind durch ́s gemeinsame Dachgeschoss weht“ und damit die Zweisamkeit ihr anrüchiges Siegel bekommt, mal gibt der Herz-Bube das Stichwort „Prepper“, woraus Eixenberger zwar die toxische Männlichkeit als Stichwort aufnimmt, aber mit dem Hinweis auf den „Waldkindergarten“ als Prepper-Nachwuchs die Thematik ins Lächerliche zieht.

Der „Coach“ als Helfer in allen Lebenslagen führt sie zu einem Bewerbungsgespräch der Generation Z, das mit einem offenen Gespräch über die Zwei-Tage-Woche und einer „Take-Time“ als unbegrenzte Freizeit den Wunsch nach „Work-Life-Balance“ aufgreift, aber ohne die Hintergründe hierfür zu analysieren. Dann wieder sind es die Abhängigkeiten bei seltenen Erden oder bei Medikamenten, denen sie ein gehauchtes „China“ hinterherschickt und die Herstellung von Antibiotika im Thermomix empfiehlt oder den eigenen Forscherdrang mit der Elektrolyse von Nutella beweist: Wasserstoff, Sauerstoff, etwas Schokolade und reichlich Baukleber sind das Ergebnis.

Urlaub kann man sich sparen

Zügig und humorvoll geht es mit Stichworten wie den KI-generierten Urlaubfotos für die kommenden zehn Jahre weiter, so dass man sich die teuren Urlaubsreisen an Hotspots sparen kann, oder mit konfliktbehafteten Urlauben von Paaren, die zwar gemeinsam verreist waren, aber zwei unterschiedliche Erzählungen über ihr Paradies auf Zeit abliefern.

Ernst wurde es Eixenberger beim Thema „Stalking“, wobei man nicht wusste, ob sie authentische Erfahrungen kundtat oder die Thematik an sich bewertete – ergänzt um die Probleme einer Anzeige bei der Polizei, wobei sie wieder mit einem Sketch die ernsten Mundwinkel des Publikums in ein Lächeln verwandelte. Gleiches galt für die „Tradwifes“, die Online mit „Heim – Herd – Hüten“ für ein tradiertes Frauenbild stehen und wofür Klicks im Netz dann die Währung ist.

Alles ist Fake, möchte man meinen – doch nicht ihr Appell an die weiblichen Gäste, denen sie vor dem Hintergrund als „TV-Feuerwehr-Frau“ das Engagement in Rettungsdiensten, bei der Bergwacht oder der Feuerwehr ans Herz legte, „auch wenn die Klamotten für Männer gemacht wurden“. Den Gästen, die sich mit herzlichem Applaus bedankten, wünschte die Kabarettistin einen stärkeren Focus auf das Positive im Leben – „und das gelingt am besten, wenn man sich vor nix scheißt“.

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