0
Konzertreise inspiriert
Silk Street begeistert in Bad Kissingen
Silk Street in Bismarck’s Basement in Bad Kissingen
Silk Street in Bismarck’s Basement in Bad Kissingen. // Philipp Dippl
Silk Street in Bismarck’s Basement
Silk Street in Bismarck’s Basement in Bad Kissingen // Philipp Dippl
Silk Street in Bismarck’s Basement
Silk Street in Bismarck’s Basement in Bad Kissingen. // Philipp Dippl
Silk Street in Bismarck’s Basement
Silk Street in Bismarck’s Basement in Bad Kissingen. // Philipp Dippl
Silk Street in Bismarck’s Basement
Silk Street in Bismarck’s Basement in Bad Kissingen. // Philipp Dippl
Bad Kissingen – Silk Street kombiniert Jazz mit Pop, inspiriert von einer Konzertreise nach Tel Aviv. Die musikalische Vielfalt begeistert in Bad Kissingen.

Silk Street – eine persönliche Melange aus Jazz und Pop. So beschreibt sich die sechsköpfige Jazzcombo selbst. Und deren Markenzeichen ist die Sängerin Silke Straub, die mit ihrem klaren, präzisen und schnörkellosen Gesang den musikalischen Charakter der Band prägt. Mit feinem und leichten Jazz gaben die Musiker rund um Silke Straub nun ein Gastspiel im Bismarck’s Basement.

Silk Street zog es dabei zurück in die Heimat, so könnte man fast sagen. Denn Silke Straub ist selbst gebürtig aus Bad Kissingen. Die Liebe zum Jazz führte sie nach Nürnberg. An der Hochschule für Musik Nürnberg schloss sie das Studium Jazzgesang mit Auszeichnung ab. Ebenfalls hier fand Straub ihre Mitstreiter. Die fünf Musiker, die sie begleiten, stammen allesamt aus der Metropolregion Nürnberg.

Alles Eigenkompositionen

Sämtliche Stücke der Band sind Eigenkompositionen, wie Straub betont. Neben der Klarheit und der Einfachheit, die die Musik ausmacht, ist es insbesondere das Persönliche, welches jedes Stück einzigartig und unvergleichlich macht. Straub wird dabei zur Geschichtenerzählerin. Sie verarbeitet persönliche Gefühle und Erlebnisse in ihrer Musik, sie erzählt von Tiefgreifendem und Banalem und lässt dabei tief in ihr Innerstes blicken. Da sind Titel wie „I’ll Never Forget“ der von wichtigen Beziehungen im Laufe des Lebens erzählt, oder aber „Interludes of Bride Weather“, in dem es darum geht, dass es mal regnet und auch mal die Sonne scheint, sowohl in der Natur, als auch im Persönlichen. Ein Wechselspiel der Emotionen, verpackt in geradlinigen und schnörkellosen Jazz.

Aber da sind dann auch Stücke, wie „Dick is Slick“, in dem es um einen Mann aus New York geht, der in den Nächten die Jazzclubs der Stadt durchstreift und mit seiner charmanten und gewieften Art die Frauen um den Finger wickelt. Gerade in solchen Stücken zeigt Silke Straub ihr Talent als Erzählerin großer und kleiner Geschichten.

Ebenso zeigt sich hier, wie wichtig die Bandkollegen sind, die sich ansonsten meistens dezent im Hintergrund halten und den Gesang Straubs umrahmen und nach vorne heben. Doch in einem Moment löst sich alles auf, die Instrumente fallen in sich zusammen, der Rhythmus des Schlagzeugs geht ins ekstatische Solo über und findet in den schnellen, aggressiven Schlägen seinen Höhepunkt. Und schließlich kommen alle Instrumente wieder zusammen und nehmen in Harmonie den Klangteppich wieder auf. Eine Geschichte von Zusammenbruch und Chaos, aber auch von anschließender Wiederauferstehung und Harmonie. Großstadtflair der glitzernden Millionenmetropole in Musik verpackt.

Die Band, das sind Bernhard Pichl am Piano, Michael Schmolke an der Gitarre, Irene von Fritsch am Cello, Hendrik Gosmann am Kontrabass und Werner Treiber am Schlagzeug. Und dabei ist die Gruppe, die sich um die Diplom-Musikerin Silke Straub gruppiert hat, für eine Jazzcombo bereits ungewöhnlich groß. Dieser Umstand äußert sich schließlich in einem besonders facettenreichen Klangbild, in dem jedes Instrument seinen eigenen, besonderen Platz hat und an den richtigen Stellen mit eigenen Soli glänzen kann. Dies kommt dann gerade in jenen Stücken zum Tragen, die eher in der Popmusik angesiedelt sind.

Die aktuelle Weltlage aber geht ebenfalls nicht an Silk Street vorüber. Musikalisch nimmt die Band das Publikum mit nach Tel Aviv, wohin sie vor einigen Jahren eine Konzertreise unternehmen durften. Die Musik erzählt von der Lebensfreude in der quirligen Stadt, aber auch von der täglichen Angst und der Ungewissheit vor der Zukunft. In „The year better forgotten“ geht es um eine Zeit, die einfach nur zum Vergessen ist. Man fühlt sich unweigerlich an die Corona-Zeit erinnert. Und doch entsteht Hoffnung aus kleinen Alltagsdingen wie Muscheln sammeln am Strand, Glühwürmchen im Garten, Glasmurmeln, die über den Boden kullern. Vom ganz Großen und vom ganz Kleinen, von Philosophischem und Banalem, das sind die Wechselwirkungen in den Songs. Jedes Lied erzählt seine eigene Geschichte.

Doch neben all den vielen Geschichten, neben dem Philosophischen und dem großen Interpretationsspielraum, neben der Bedeutung, die man jedem Song beimessen könnte, am Ende ist es doch auch einfach schöne Musik, mit der Silk Street an diesem Abend das Publikum begeistern konnte.

Musik, die, vielleicht anders als ihre zahlreichen Geschichten, nicht kompliziert sein muss, sondern sich klar und eingängig präsentiert. Jazz von der poppigen, eingängigen Art. Nicht aufdringlich, nicht von musikalischen Experimenten geprägt, sondern subtil, verständlich, von den Musikern mit hohem technischen Talent, musikalischer Leidenschaft und in großer Harmonie dargeboten und dadurch mitreißend. Das Publikum, welches an diesem Abend so zahlreich wie lange nicht in den Bismarck’s Basement strömte, ließ sich von der Mischung aus Erzählungen und dem Zusammenspiel aus Jazz und Pop überzeugen. Das Gastspiel in der Heimat von Silke Straub wurde für Silk Street somit zum vollen Erfolg.

Das nächste Konzert im Bismarck’s Basement findet am Samstag, 15. November 2025, mit der Daniel Schulz Band statt.

Inhalt teilen
  • kopiert!