Etwa 250 bis 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter des Kreises, umliegender Kommunen und des Bezirks sind am Donnerstag, 20. Februar 2025, in den ehrwürdigen Rossini-Saal gekommen, um sich ein gutes neues Jahr zu wünschen. Eingeladen hatte die Stadt zusammen mit der Sparkasse und der VR-Bank als Sponsoren.
Kurze Begrüßung des Oberbürgermeisters
Oberbürgermeister Dirk Vogel begrüßt die Gäste im Google-Maps-Stil – von Nord nach Süd, beginnend mit den Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar (SPD) und Dorothee Bär (CSU), um am Ende die Menschen aus der Stadt willkommen zu heißen. Die musikalische Unterhaltung übernimmt das Bläserensemble des Jugendmusikkorps.
„Bad Kissingen gehört nicht zu den Sorgenkindern“, betont Vogel und verweist auf die Bautätigkeit der Stadt. Beispielsweise werde demnächst die größte Kita des Landkreises gebaut. „Damit werden wir die Kinderbetreuung in den Griff bekommen.“
Vogel nimmt die Erfolge der Stadt in den Fokus: das Klassikfestival Kissinger Sommer mit einer Auslastung von etwa 80 Prozent, mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen und den Bau des Sonnenhof-Hotels am Kurgarten. „Wir haben zwar kein Hallenbad mehr, sanieren aber das Terrassenbad.“ Zudem habe die Stadt in den vergangenen Jahren 1500 Menschen aus dem Ausland aufgenommen und integriert. Mit verschiedenen Infrastrukturmaßnahmen habe die Verwaltung „Bad Kissingen auf Kurs gebracht“.
Trotzdem mahnt Vogel: „Wir dürfen uns nicht ausruhen und zufrieden sein. Die Stärke von heute kann morgen eine Schwäche sein. Wir alle sind aufgefordert, die Rahmenbedingungen wahrzunehmen und Chancen zu ergreifen.“
Den Vortrag des Zukunftsforschers Daniel Dettling, Mitglied des Zukunftsinstituts und Inhaber des Instituts für Zukunftspolitik, kündigt Vogel als „Neujahrsimpuls“ an.
Der Zukunftsvortrag von Daniel Dettling
„Wir müssen keine Angst vor der Zukunft haben, Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir sollten aber allemal Respekt und Sorge haben.“ Nach mehreren Beispielen, etwa zu den Möglichkeiten und Grenzen etwas vorauszusagen, konstatiert er: „Es gibt Antworten und Lösungen, wir haben alle in der Hand.“
Die Deutschen seien „Weltmeister im Zukunftspessimismus“, so Dettling. Gleichzeitig sei es ebenso schlecht, zu optimistisch zu sein. „Sich nur vom Gefühl leiten zu lassen, führt nicht weiter.“ Im Stile von Selbsthilfe-Büchern und Motivations-Coaches wirft er Aussagen aus „Der Herr der Ringe“ („Wir müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen wollen, die uns gegeben ist.“) oder Winston Churchills „Never let a good crisis go to waste“ (deutsch: „Lass niemals eine Krise ungenutzt“) an die Leinwand.
Bilder vom Neujahrsempfang der Stadt Bad Kissingen
Gespickt mit dem einen oder anderen lustigen Einwurf kommt Dettling über Themen wie Megatrends und Altern auf die Aufgaben einer Stadt. „Eine Stadt muss Beziehungen bauen. Die wahren Baumeister einer Stadt sind die Menschen. Wo treffen sie sich, wo kommen sie in Kontakt, wie können wir Stadtentwicklung so gestalten, dass wir Beziehungen fördern?“ Das sei leichter in kleineren Städte. Daher sei es wenig verwunderlich: Sogar aus der Generation Z, also Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden, würden mehr als 70 Prozent lieber in einer ländlichen Gemeinde, in einer mittelgroßen Stadt oder in einem Vorort leben. „Wir könnten also sagen: Das Dorf schlägt die Großstadt.“
Die vier L: Lernen, Laufen, Leben, Lachen
Übertragen auf Bad Kissingen könnte die Vision oder das Ziel lauten, „Stadt der Langlebigkeit“ zu werden. Um das zu erreichen, gebe es eine einfache Formel: die „Vier L“ – Lernen, Laufen, Leben, Lachen.
Lernen: „Da geht es um Bildung, aber nicht nur darum. Letztlich geht es um die eigene Einstellung zur Zukunft“, so Dettling. Jeder technologische Fortschritt leiste einen Beitrag, um die Welt menschlicher zu machen, weil neue Berufe und Tätigkeiten entstünden, die Chancen böten. Daher sei es wichtig, neue Kompetenzen zu erlernen.
Laufen: „Bad Kissingen ist eine Fünf- bis Zehn-Minuten-Stadt. Alles Wichtige kann in dieser Zeit erreicht werden.“ Hier sollten auch ältere Menschen mitgenommen werden, um sie einzubinden. „Man kann Wettbewerbe starten, auch Rollatoren-Wettbewerbe, nicht nur Läufe und Marathons, um alle einzuschließen.“
Leben: „Ein Thema unserer Zeit ist die Einsamkeit, bei Älteren und Jüngeren.“ Menschen seien zwar vernetzt, aber dennoch einsam. Es sei wichtig, Orte zu schaffen, an denen Menschen miteinander sprechen können, etwa sogenannte Dritte Orte.
Lachen: „Lachen ist gesund und verlängert das Leben.“ Die Deutschen seien, so Dettling, humorvoller, als man landläufig denke: „96 Prozent lachen gerne zusammen mit anderen.“
Daniel Dettling rät Städten, zu allen vier „L“ Angebote zu schaffen, etwa Outdoor-Spielgeräte, Fitnessplätze im Freien, Plauderbänke, Lachyoga und mehr. Sein Fazit: „In der Zukunftsforschung nennen wir das Possibilismus: Eine bessere Zukunft ist möglich, aber sie ist kein Automatismus. Sie haben es in der Hand – und wir sollten möglichst früh anfangen!“
Gespräche und Austausch
Ganz im Sinne des Zukunftsforschers geht es nach dem Vortrag hinüber ins Kurgartencafé, wo Chili mit und ohne Fleisch sowie Getränke auf die Gäste warten. Bei einem Bier – alkoholfreies wird an diesem Abend nicht serviert –, einem Glas Wein oder einem Softdrink tauschen sich die Gäste aus. Ein großes Thema ist natürlich die anstehende Bundestagswahl mit ihren möglichen Auswirkungen auf die Zukunft.











































