Beim ersten „Rudelsingen“ in Bad Kissingen haben im ausverkauften Rossini-Saal fast 350 Besucherinnen und Besucher ein bisschen Ballermann-, ein bisschen Oktoberfest-Stimmung und viel Karaoke-Flair zelebriert. Das Phänomen des gemeinsamen Singens kennt man mittlerweile, dass aber wildfremde Menschen fast drei Stunden ausgelassen bekannte Hits aus den Charts der letzten 50 Jahre mitsingen und abfeiern, ist nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert.
Rudelsingen hat das lokale Wirtshaussingen perfektioniert und es von der geselligen Volksmusik mit Liederheften auf eine party-taugliche Ebene transformiert, die mit lustiger Moderation und Texten per Leinwand punktet und zahlreiche Teilnehmer anlockt. Bundesweit treten unter dem Label Rudelsingen verschiedene Künstler-Paare auf, die mit gängigen Hits für ausgelassene Stimmung und Wohlfühl-Atmosphäre sorgen.
Wenn die Besucher zu Hauptdarstellern werden
In Bad Kissingen war es das Team Odenwald mit Uli Wurschy, der animierte, moderierte, sang und die Gitarre zupfte, und dem mitsingenden Keyboarder Volker Becker. Das Duo und das ganze Setting waren aber nur die Rahmenbedingungen, denn die Hauptdarsteller waren die Besucher im bestuhlten Rossini-Saal, die mit Vorfreude und einem Stimmungsbarometer von bereits 50 Prozent auf die kommende Jam-Session warteten.
Dass der Stimmungspegel dann die Marke von über 100 Prozent erreichte, war angesichts dieser Voraussetzungen kein Wunder – und das bereits ab den ersten Takten von „Music was my first Love“ von John Miles. Treibende Kräfte für die bewegungsfreudige Stimmung waren nicht die Handvoll Männer, sondern Frauen jeglichen Alters. „80 bis 90 Prozent entspricht ungefähr dem Frauenanteil, den wir bei unseren Auftritten haben“, so Volker Becker.
Die Texte auf Leinwand mitlesen
Die Ausstattung für den Abend war einfach: Eine große Leinwand, auf der mittels Beamer und Powerpoint die Liedtexte präsentiert wurden, Keyboard, Mikro, Gitarren und vor allem der Laptop, über den der Abend von Uli Wurschy gesteuert wurde. Die Lieder mit den Texten seien vorprogrammiert, mal mit einem Beat oder anderen Instrumenten unterlegt, so Wurschy.
Andere Stücke entstehen nur durch das Zusammenspiel von Keyboard und Gitarre. Rund 400 bekannte Lieder von Klassik bis zu aktuellen Songs haben die beiden im Repertoire „und es kommen immer neue hinzu“. Für die Premiere in Bad Kissingen hatten sie 25 Lieder von der Klassik über deutsche Schlager oder Oldies bis hin zu internationalen Pop-Titeln ausgewählt.
Ein singendes Vorbild auf der Bühne
Ihr Credo: „Immer ein Stück von ABBA und eines von den Beatles“ befolgten sie mit „Mamma Mia“ und „Let it be“. Mal war es „Ich war noch niemals in New York“, das lauthals mitgesungen wurde, mal „Über den Wolken“, das für Gänsehaut-Feeling sorgte. Bei dem Evergreen „Time of my life“ teilte das Duo den Saal in einen Frauen- und Männerchor auf. Uli Wurschy war das singende Vorbild auf der Bühne. Er sorgte mit lustigen Übergängen für einen kurzweiligen Abend und steuerte gleichzeitig den Einsatz der Gäste mit wenigen Gesten bei Refrains oder Textzeilen.
Während die englischen Lieder wie „It‘s my life“, „Country Roads“ oder Y.M.C.A.“ mit viel Konzentration gesungen wurde, weil man den Text lesen und umsetzen musste, konnte man bei den deutschen Stücken wie „Sexy“, „Tage wie diese“ oder „Er gehört zu mir“ lauthals einsteigen. Kräftiges Mitklatschen gehörte ebenso dazu wie die Handy-Lampe als Feuerzeug-Ersatz oder das kollektive Bewegen der erhobenen Arme nach links und rechts.
Der richtige Ton ist egal
Wichtig ist den beiden, dass die Lieder bekannt sind und von jedem mitgesungen werden können. Ob man den richtigen Ton treffe, sei dabei zweitrangig. Wichtiger sei die Freude am Singen und dass die Gäste mit einem Lächeln nach Hause gehen. Das bestätigten unter anderem Andrea und Ulrike, die aus Dittelbrunn und Sand am Main dank Facebook nach Bad Kissingen gelockt wurden und einen Platz in der ersten Reihe ergattert hatten.
Antje und Reiner Hartmann aus Bad Kissingen kennen das Rudelsingen schon länger und nutzten deshalb die Chance zu einem Besuch in Bad Kissingen. Den beiden Musikern gefällt die ungezwungene Atmosphäre und vor allem: „Hauptsache keine Volksmusik.“
Aus dem Raum Würzburg kamen Anna Gößwein, Franziska Fiolka und Anja Stark angereist, die das Team Odenwald von der dortigen Posthalle kennen. Sie freuten sich nicht nur über das gemeinsame Singen, sondern auch darüber, dass sie im hinteren Bereich stehen durften. „Da können wir abtanzen“, so das Trio, das den Rossini-Saal bestaunte, aber die Stühle überflüssig fand.
Wer die nächste Chance zum „Rudelsingen“ nutzen möchte, der sollte sich schon mal Donnerstag, 4. März 2027, vormerken.



















