Einen Dreispitz, eine wallende, weiße Perücke, ein fuchsbrauner, feiner Anzug, weiße Kniestrümpfe, die über das Beinkleid gezogen werden, schwarze Lederschuhe: Diese Dinge braucht Martin Korndörfer, um sich am Rakoczy-Fest in Georg Anton Boxberger (1679 – 1765) zu verwandeln. „Boxberger war in erster Linie Apotheker und hat auch eine beeindruckende politische Karriere gemacht. Er hat Bad Kissingen nach vorne gebracht in der damaligen Zeit“, sagt der 59-jährige Kissinger.
Martin Korndörfer übernimmt die Rolle von Erwin Back, der den Boxberger viele Jahre verkörpert und sich aus der Riege der Historischen Persönlichkeiten als Darsteller verabschiedet hat. Mit Spannung fiebert er auf das kommende Wochenende zu. „Ich freue mich sehr darauf, dass das Festwochenende losgeht“, sagt Korndörfer. Mit dem Rakoczy-Fest (26. bis 28 Juli) feiert Bad Kissingen die Wiederentdeckung der Rakoczy-Quelle sowie seine Vergangenheit als Bad in dem sich der europäische Adel und andere wichtige Persönlichkeiten im 19. Jahrhundert die Klinke in die Hand gaben.
Schauspielerfahrung in großen Produktionen
Erste schauspielerische Erfahrungen hat Martin Korndörfer in der Corona-Zeit gesammelt. Er wirkte als Komparse bei den Dreharbeiten für den Film „Sisi und Ich“ mit Sandra Hüller mit, für den auch einige Szenen in Bad Kissingen gedreht wurden. „Ich habe einen Kurgast gespielt, unter anderem am Bahnhof für eine Szene, in der Sissi mit dem Zug anreist. Hier in eine historische Rolle zu schlüpfen, kommt Rakoczy schon sehr nah“, meint er.
Darsteller seien Bad Kissingens Botschafter
Als er dann in der Zeitung gelesen hatte, dass die Staatsbad GmbH und der Rakoczy-Förderverein neue Darsteller für die Historischen Persönlichkeiten suchen, bewarb er sich kurzerhand. „Je mehr ich mich mit den historischen Personen beschäftigt hatte, umso größer wurde mein Interesse, selber eine Rolle zu spielen“, erzählt er. Es sei eine ehrenvolle Aufgabe. Die Darsteller sieht er als Botschafter Bad Kissingens, die für eine positive Außenwirkung weit über die Stadtgrenzen hinaus sorgen. „Rakoczy ist für die Gäste ein einmaliges Erlebnis. Bad Kissingen bleibt so im Gedächtnis vieler Menschen und das Rakoczy-Fest ist ein Türöffner für ein Wiederkommen“, sagt Korndörfer.
Gründer der Boxberger-Apotheke
Boxberger war Kissinger Bürger, gründete die erste Apotheker der Stadt, war Stadtrat und Bürgermeister. 1711 rief er die Boxberger Apotheke ins Leben, die es bis heute im Boxberger-Haus in der unteren Marktstraße gibt. Boxberger stammte aus Hammelburg. Aufgrund seiner beruflichen Verdienste erhielt er das Bürgerrecht und startete daraufhin seine politische Karriere. 1726 wurde er das erste Mal Bürgermeister.
Er regierte in einer für Bad Kissingen wichtigen Zeit. In Würzburg hatte Fürstbischof Friedrich Carl Graf von Schönborn das Sagen, der mit seinem Baumeister Balthasar Neumann Bad Kissingen förderte. Die Verlegung der Saale, die Wiederentdeckung der Rakoczy-Quelle, das Errichten des Kurgartens und des Kurhauses fiel in diese Zeit. „Es war eine rosige Zeit unter Schönborn, mit Boxberger und Neumann. Die drei bildeten ein Dreigestirn für Bad Kissingen. Boxberger hatte ein gutes Gespür für die Investitionen, die nötig waren damals."
Er erkannte die heilsame Kraft der Quelle
Boxberger war nicht nur an der Wiederentdeckung der Rakoczy-Quelle beteiligt, sondern er fertigte eine chemische Analyse des Wassers an. Damit erkannte und belegte er den medizinischen Wert der Heilquelle – ein wichtiger Grundstein für Bad Kissingens Aufstieg zu einem Weltbad. Eine Statue von Boxberger und Neumann im Rosengarten erinnert bis heute an das Wirken der Männer.
Eine neue Erfahrung für Korndörfer
In der Gruppe der Historischen Darsteller fühlt sich Martin Korndörfer gut aufgenommen. Obwohl erst seit einigen Monaten dabei, hat er schon einen Eindruck bekommen, wie viel Arbeit hinter dem Fest steckt und was für ein straffes Programm die Historischen an dem Festwochenende zu absolvieren haben. „Es steckt viel Arbeit im Detail dahinter, dass zum Beispiel beim Festball und der Gläserpolonaise alles perfekt ausschaut und funktioniert“, sagt er. Privat ist Martin Korndörfer gern aktiv und sportlich unterwegs, im Winter bei Skifahren, im Sommer auf seinem Mountainbike. Außerdem läuft er gern bei Wallfahrten mit. Ehrenamtlich hatte er bereits Erfahrungen etwa im Kindergartenverein und Schule seiner bereits erwachsenen Söhne. Ein Amt wie das auf dem Rakoczy-Fest übte er bisher allerdings noch nicht aus. „Es ist das erste Mal, dass ich so von der Öffentlichkeit beäugt werde“, sagt er.
Nervös macht ihn das jedoch nicht. Eine gewisse Anspannung hat ihn in den letzten Tagen vor dem Fest ergriffen, die komme aber insbesondere von der Vorfreude. Die Anspannung zeigt, wie ernst er seine Aufgabe nimmt. Martin Korndörfer stellt hohe Ansprüche an sich und sein Auftreten. „Auch dem Hundertsten Besucher, der einen auf dem Fest fotografiert, muss man das Gefühl geben, dass er der erste ist“, sagt er. Immer lächelnd, freundlich und professionell. Damit das Fest und sein Boxberger den Menschen in guter Erinnerung bleiben.












