Als am 24.Juli 1976 die Glocken der Heilig Kreuz Kirche in Hausen zum Abschiedsgeläut anstimmten, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Julius Kardinal Döpfner, der wohl berühmteste Sohn des heutigen Bad Kissinger Stadtteils, war im Alter von 63 Jahren verstorben. Durch sein bischöfliches Wirken war Döpfner zu einer der prägendsten Figuren des deutschen Katholizismus des 20.Jahrhunderts geworden, dessen Einfluss auch auf weltkirchliche Entwicklungen nicht unterschätzt werden darf.
Doch auch die Kritik an der katholischen Kirche im Zuge der Missbrauchsskandale ging an Döpfner nicht spurlos vorbei. Die Gutachter werfen ihm gravierende Pflichtverletzungen im Hinblick auf Aufklärung, Ahndung und Vertuschung vor.
Julius Döpfner erblickte als viertes von fünf Kindern am 26. August 1913 in Hausen das Licht der Welt. Sein Vater, Matthäus Döpfner, arbeitete zu dieser Zeit als Hausdiener in einem Bad Kissinger Hotel. Die Mutter, Maria Döpfner, weiß von entbehrungsreichen Jahren zu berichten, die geprägt waren von Krankheit und materieller Not. Am 11. November 1923 starb Döpfners Vater Matthäus im Alter von nur 47 Jahren.
Abitur als Jahrgangsbester
Der kleine Julius besuchte zunächst das Gymnasium in Münnerstadt, wechselte dann ans Bischöfliche Knabenseminar „Kilianeum“ in Würzburg und legte im Februar 1933 als Jahrgangsbester sein Abitur ab. Sein Studium absolvierte er in Würzburg und an der päpstlichen Universität „Gregoriana“ in Rom. Anschließend promovierte er über das Thema „Natur und Übernatur bei John Henry Newman“. Am Christkönigsfest, dem 29. Oktober 1939, empfing Döpfner die Priesterweihe.
Die ersten Jahre seines Priesterwirkens führten Julius Döpfner nach Schweinfurt, Gochsheim und Großwallstadt. 1944 wurde er Präfekt des Würzburger Kilianeums, im April 1946 Subregens des dortigen Priesterseminars.
Am 14. Oktober 1948 wurde er mit noch nicht einmal 35 Jahren in Würzburg als Nachfolger Matthias Ehrenfrieds zum jüngsten Bischof Europas geweiht. Seine Heimatgemeinde Hausen hatte beim Würzburger Goldschmied Josef Amberg einen Bischofsstab fertigen lassen, den sie Julius Döpfner zur Bischofsweihe schenkte.
Zum Wahlspruch seines Bischofswirkens erwählte er sich einen Vers aus dem 1. Korintherbrief: „Nos autem praedicamus Christum Crucifixum“ – „Wir aber predigen Christus den Gekreuzigten“ (1 Kor 1,23). Sein Anliegen blieb es, den Glauben in die moderne Welt hinein zu verkünden und Wege aufzuzeigen, wie auch der heutige Mensch Kraft und Hoffnung aus dem Glaubensgut schöpfen konnte.
48 Kirchen wiederhergestellt
Der junge Bischof sah nicht nur die geistige Not seiner Diözesanen, sondern auch die materielle, insbesondere den Mangel an menschenwürdigen Wohnungen. So rief er 1949 das „St.-Bruno-Werk“ ins Leben. Oft zitiert wird in diesem Zusammenhang sein programmatischer Satz: „Wohnungsbau ist Dombau, Wohnungssorge ist Seelsorge und damit Herzensangelegenheit eures Bischofs.“ Doch auch dem „Haus Gottes“ widmete der junge Bischof seine Aufmerksamkeit. In der Zeit seines Wirkens wurden 48 Kirchen wiederhergestellt und 43 neu errichtet.
Schmerzliche Erfahrungen machte Julius Döpfner beim sogenannten „Fall Ochsenfurt“. Zur Einweihung der dortigen Zuckerfabrik im Juni 1953 war vereinbart worden, dass Döpfner das Segensgebet sprechen sollte, da es sich um eine überwiegend katholische Gegend handelte. Als er kurz vor Beginn des Festaktes erfuhr, dass auch der protestantische Dekan sich am liturgischen Akt beteiligen würde, weigerte sich Döpfner und drohte mit der sofortigen Abfahrt, worauf die Segnung – wie zunächst vereinbart – doch nur von Döpfner durchgeführt wurde.
Döpfner: „Die schwerste Prüfung meiner fränkischen Jahre“
Die Wellen dieses Ereignisses schlugen durch die ganze Republik. Sogar Bundeskanzler Adenauer schickte einen Ministerialdirigenten zur Unterredung nach Würzburg. Döpfner selbst bezeichnete die damaligen Vorgänge später als „die schwerste Prüfung meiner fränkischen Jahre“.
Wie sehr ihn die Sache auch innerlich beschäftigte, zeigt ein Versöhnungsbrief, den er im August 1953 an den evangelischen Dekan sandte. Darin schrieb er: „Sie wissen aus meinen Erklärungen, dass mir an dem bitteren Tag von Ochsenfurt eine Kränkung der evangelischen Christen, der evangelischen Kirche und damit auch ihrer Person völlig fernlag.“
Besondere Erwähnung muss noch die Sorge des Bischofs um das thüringische Dekanat Meiningen finden, welches 1957 immerhin an die 30000 Katholiken zählte.
Am 17. Januar 1957 ernannte Papst Pius XII. Julius Döpfner zum Bischof von Berlin. Pastoraler Höhepunkt seines dortigen Wirkens war der Katholikentag 1958 unter dem Leitwort: „Unsere Sorge der Mensch – unser Heil der Herr“. Letztmals war es damals rund 60.000 Katholiken aus dem Gebiet der DDR möglich, an diesem Ereignis teilzunehmen. In seiner Schlussansprache rief Döpfner den Gläubigen zu: „Wir gehen auseinander und bleiben doch zusammen ... Wir... gehören zusammen im Herzen Christi, aus dem uns das Heil geflossen.“ Am 15. Dezember 1958 kreierte Papst Johannes XIII. Julius Döpfner zum damals jüngsten Kardinal der Weltkirche.
Döpfner scheute nie den Konflikt mit dem DDR-Regime. Er prangerte unerschrocken die Erschwernisse an, die den Gläubigen seitens des Staates auferlegt wurden. Bereits im Mai 1958 wurde dem Oberhirten die Einreise in das Gebiet der DDR außerhalb Berlins verweigert, ein Großteil seiner Diözese blieb dem Bischof von da an versperrt. Dennoch suchte er immer wieder nach Wegen – zum Beispiel über regelmäßige Rundfunkansprachen – sich an die Christen der DDR zu wenden.
Erwähnenswert für Döpfners Berliner Zeit sind weiterhin – gerade vor dem oben erwähnten Hintergrund des „Falls Ochsenfurt“ seine Bemühungen um die Ökumene. Herzensanliegen war ihm zudem die Aussöhnung mit Polen.
Nach München berufen
Am 22. Juni 1961 teilte Papst Johannes XXIII. Döpfner in einem Handschreiben seine Entscheidung mit, ihn nach München zu berufen. Besonders geprägt war die Münchner Zeit durch das überregionale kirchliche Engagement des Kardinals in Leitung und Gestaltung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965), als Präsident der Würzburger Synode (1971 bis 1975) und als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (1965 bis 1976). Hinzu kamen vielfältige pastorale und organisatorische Initiativen in der Erzdiözese München und Freising.
Bedeutende Zeichen setzte Döpfner in der Einbeziehung der Laien. So begegnete er den verschiedenen Laiengremien mit größter Hochachtung. 1965 feierte er mit seinen Priestern im Zuge der Liturgiereform des II. Vaticanums landessprachliche Modellgottesdienste, 1968 setzte er die ersten Laien als Kommunionhelfer ein, und 1971 wurden in München als erster deutscher Diözese Pastoralassistenten mit ihren Aufgaben betraut.
Immer weniger Priester
Das Engagement des Kardinals wurde mehr und mehr begleitet von der Sorge um die nachlassende Zahl der Priesteramtskandidaten. Wurden 1967 in München noch 29 Neupriester geweiht, so ging deren Anzahl bis zum Jahre 1974 auf vier zurück. Auch mehrten sich die Laisierungsanträge von Priestern, die sich der Bürde ihres Amtes nicht mehr gewachsen fühlten. Charakteristisch für Döpfner war es, dass er auch diesen Mitbrüdern mit größter Achtung begegnete und ihnen sogar bei der Suche nach Berufsalternativen behilflich war.
Seit 1969 hatte Döpfner mehrfach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Am 23. Juli 1976 weihte der Bischof als letzte offizielle Amtshandlung den Neubau des Fürstenrieder Gymnasiums. Am 24. Juli, gegen 8 Uhr verließ er das Haus, um sich zur Behandlung zum Arzt zu begeben, kehrte aber sofort zurück, legte sich auf das Sofa im Pförtnerzimmer und starb.
Große Anteilnahme
Dreihunderttausend Menschen nahmen Abschied beim Vorbeigang an dem im Liebfrauendom aufgebarten Leichnam, Hunderttausende säumten den Weg des Trauerzuges, der unter anderem über den Münchner Marienplatz führte, ehe Julius Kardinal Döpfner am 29. Juli in der Gruft des Münchner Domes beigesetzt wurde.
Der Termin
Die Heimatgemeinde Hausen gedenkt ihres Großen Sohnes mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang am Sonntag, 26. Juli 2026, um 10 Uhr in der Hausener Heilig Kreuz Kirche. Hierzu hat auch Bischof Franz Jung sein Kommen zugesagt.
Alle Zitate nach: Wittstadt, Klaus: Julius Kardinal Döpfner – Anwalt Gottes und der Menschen, München 2001





















