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Totales Bamberger Cabaret
„Deutschland steigert sich rein“
Totales Bamberger Cabaret
Das „Totale Bamberger Cabaret“ war zu Gast beim Kissinger Kabarettherbst 2025. // Klaus Werner
Totales Bamberger Cabaret
Mit Hawaii-Hemden und Ukulele präsentierte das Trio ein Lied, das mit fröhlicher Melodie die Klimaerwärmung thematisierte. // Klaus Werner
Totales Bamberger Cabaret
Feiner Wortwitz, gekonnte Sprachspielereien und Situationskomik, damit überzeugten die Künstler beim Kabarettherbst 2025. // Klaus Werner
Bad Kissingen – Auch nach knapp 40 Jahren ist das „Totale Bamberger Cabaret“ auf der Höhe der Zeit. Und wird seinem Ruf als bissiges Trio, das „Verarschen als Kernkompetenz“ hat, gerecht.

Tuberkulose, auch als TBC oder Schwindsucht bekannt, ist eine ernstzunehmende bakterielle Infektionskrankheit. Auch beim Auftritt von „Totales Bamberger Cabaret“ – ebenfalls mit TBC abgekürzt – kann man von einer Infektionswelle sprechen, denn der Humor, den die kabarettistischen Dauerbrenner Georg Königer, Florian Hoffmann und Martin Hanns auf die Bühne bringen, ist ansteckend.

„Womerschomadasin“ heißt das neue Programm des Trios, das seit fast vier Jahrzehnten über die deutschen Kleinkunstbühnen tingelt und dabei so manche personelle Runderneuerung durchlebte. Gleichgeblieben ist dagegen die Qualität als unterhaltsame Mischung aus platter Comedy, schwarzem Polit-Humor, musikalischem Tiefgang und Slapstick-Einlagen.

Beim Kabarettherbst das neue Programm als Vorpremiere

Den Beweis hierfür lieferten die Drei mit der Vorpremiere zum neuen Programm beim Kissinger Kabarettherbst. Sie selbst bezeichneten „das Verarschen als Kernkompetenz von TBC“ und bewiesen ihr Talent gleich zur Freude der 360 Gäste im Kissinger Kurtheater.

Fränkischer Rundumschlag

Königer, Hoffmann und Hanns zeigten sich als Vollblut-Komödianten, die im perfekt austarierten Mit- und Gegeneinander einen fränkisch-witzigen Rundumschlag machten. Sie richteten    ihre spitze Feder sowohl gegen die Oberpfälzer als „Nord-Ost-Bayern mit Artikulationshintergrund“, als auch gegen das Gendern („herrenloses Damenfahrrad“)  und gegen „Söders Wurstfetisch“.

In lockerer Abfolge präsentierten sich die Drei mal zusammen, mal im Duo und mal als Solisten – aber immer mit einem humorvollen Blick auf die aktuellen Ereignisse. So wurde aus der Wehrdienst-Verweigerungs-Debatte eine Lehrdienst-Verweigerungs-Persiflage, wo der „Dienst an der Tafel“ aufgrund einer Kreidestauballergie nicht angetreten werden kann und sich die „pubertierenden Monster“ mit ihren Anti-Lehrkraft-TikTok-Posts als Eltern herausstellen.

Um die Einschaltquoten für die Phoenix-Bundestagesdebatten zu erhöhen, holte man sich Anleihen bei Sportreportagen. So durfte Boris Pistorius in der Verteidigung auflaufen, Julia Klöckner die Unparteiische spielen, Friedrich Merz als Rechtsaußen die Brandmauer umtänzeln und Beatrix von Storch eine unnötige AFD-Härte einbringen.

Buchstabenverdreher sorgen für Witz

Köstlich ein Sketch über das literarische Quartett, als Königer und Hoffmann Buchstaben und Wörter verdrehten und damit die übertrieben-intellektuelle Auseinandersetzung mit vermeintlich Progressivem ad absurdum führten. Es blieb kein Auge trocken als es im exaltierten Diskurs der Lateritur-Experten um die „Mankfurter Buch-Fresse“ oder die „Hodenbaftung“ anstelle von Bodenhaftung ging.

Mit lustigem Grundton, aber ernsten Inhalt präsentierten sie Lieder.   So brachten sie zum Beispiel Howard Carpendales Hit „Tür an Tür mit Alice“ in Verbindung mit Alice Weidel. Bei dem Song „Who the Fuck Is Alice“ gab es einen stimmgewaltigen Publikums-Chor.

Die sozialen Medien mit ihrer Maßeinheit „Likes“ für Hassbotschaften waren Inhalt des Workshops „Deutschland steigert sich rein“, denn „in jeder Nachricht findet sich ein schlechter Kern“. Dabei agierten die TBC-Akteure wie Verkäufer bei den Home-Shopping-Kanälen, die mit hyperventilierender Attitüde „Die richtige Wut für jeden Tag“ anpriesen.

So durften die begeisterten Gäste einen Blick in die Bayerische Staatskanzlei werfen. Dort testeten Markus und Hubsi (Aiwanger) das Cannabisrauchen im Selbstversuch, um zunächst noch keine Anzeichen festzustellen und dann doch von der Weltraumrakete „Allmächt 4“ mit der Basis „Cape Coburg“ zu träumen bzw. vom „longsomen Fohren der Fendt-Troktoren“ bei Bauernprotesten zu schwärmen.

In die Schlussrunde ging es mit der Persiflage „Schon lange nichts mehr gehört“ und einem knallrot gekleideten Hoffmann als „Sars-Covid“, der „bereits 2020 in aller Munde war“ und mit Jens Spahn einen „Preis-verdächtigen Maskenball“ veranstaltet hat.

Heiter-hintergründig wurde die Zeit des Corona-Lockdowns aus der Sicht des Virus beleuchtet, der viele Grüße an „Tante Mu“ (sprich Mutante) schickte, die spanische Grippe als Überraschungsgast begrüßte und mit dem EHEC-Bakterium als „Superspreader“ den den leicht veränderten Rolling-Stones-Hit „I can get no desinfection“ aufführt.

Das Trio baut auf Situationskomik

Das „Totale Bamberger Cabaret“ präsentierte sich auch nach vier Jahrzehnten auf der Höhe des zeitgenössischen Kabaretts. Königer, Hoffmann und Hanns nutzen dabei nicht den bissig-sarkastischen Unterton, um gesellschaftliche Ungereimtheiten anzuprangern. Vielmehr sorgten sie mit feinem Wortwitz, gekonnten Sprachspielereien und Situationskomik für mehr als zwei Stunden unterhaltsames Kabarett mit Tiefgang.

Die lautstarke Forderung nach einer Zugabe bewies die überaus zufriedene Gemütslage der Gäste und TBC bedankte sich mit farbigen Hawaii-Hemden, Ukulele und einem Lied, das mit fröhlicher Melodie die Klimaerwärmung thematisierte und für Reiterswiesen einen direkten Meereszugang prognostizierte. 

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