Update: Die Eröffnung des Kinos fällt aus:
Wenn es einen FIlm gibt, der das Leben von Joerg Hermann beeinflusst hat, dann ist es der Klassiker „Dirty Dancing“. „Der Film lief in unserem Kino 57 Wochen und ich war 37 Mal drinnen“, erzählt der Filmproduzent, der in Tettnang am Bodensee lebt. Irgendwann habe ihn die Kinobesitzerin angesprochen und ihn gefragt, ob er nicht in dem Kino jobben möchte. „Ich habe mit 16 Jahren als Platzanweiser angefangen. Seitdem bin ich mit Film und Kino verbunden“, sagt er.
Lebenslauf mit vielen Stationen
Hermann hat in seinem Leben viele Stationen mitgemacht. Er hat bei Disney und dem US-Krimihit „Monk“ gearbeitet, war Kinobetreiber im Raum Berlin, hat heute eine eigene Produktionsfirma für Kino und TV und engagiert sich in Tettnang in einem Verein, der das lokale Kino nach dem Aus wiederbelebt hat.
Alles begann mit „Dirty Dancing“
„Dirty Dancing war ausschlaggebend für mich. Da wurde mir klar: Ich will Filme produzieren, die die Leute begeistern.“ Seit neuestem ist er zudem neuer Besitzer und Betreiber des Universum-Kinopalastes in Bad Kissingen. Das Kino hat er von Peter und Ingrid Hofmann gekauft, zum 17. Juli übernimmt er den Betrieb. Das Ehepaar Hofmann gibt das Kino aus Altersgründen ab, nachdem sie es annähernd 30 Jahre geführt hatten. Vor gut einem Jahr haben sie es zum Verkauf angeboten.
Vom Praktikant zum Producer bei Disney
Der Lebensweg von Joerg Hermann könnte selbst aus einem Drehbuch stammen, so voller Wendungen ist er. Als roter Faden ziehen sich die Liebe zu Film und Kino, aber auch zum Entertainment mit durch. Aufgewachsen im Schwarzwald, habe er nach dem Abitur ein Studium der Film- und Fernsehwissenschaften begonnen. Dieses habe er jedoch für ein Abenteuer in den USA unterbrochen. Eigentlich sollte es ein Jahr dauern, daraus wurden mehrere. „Disney hatte für Disney World Orlando deutschsprachige Muttersprachler gesucht. So bin ich bei Disney gelandet“, erzählt er. Ein tolles Erlebnis für den Mickey Mouse-Fan.
In den Vereinigten Staaten habe eins zum anderen geführt. Während seines Aufenthalts sei Hermann über persönliche Kontakte zu einem Praktikum in der Trickfilmabteilung bei Disney gekommen. Danach habe er an der Universität von Los Angeles sein Studium beendet und im Anschluss sieben Jahre als Producer bei Disney an TV-Produktionen wie Hannah Montana mit gearbeitet. „Ich habe Disney viel zu verdanken und habe viele tolle Erfahrungen gemacht. Aber es war harte Arbeit. Ich habe es geliebt, aber ich habe es mir hart erarbeitet“, sagt er.
Assistent bei Serienhit „Monk“
Der Liebe wegen verließ er Disney und kehrte nach Deutschland zurück. Er habe zu der Zeit eine Produktionsfirma geleitet, die mit Filmrechten handelte. Zudem führte er im Einzugsgebiet von Berlin für mehrere Jahre drei kleinere Kinos mit bis zu fünf Sälen.
Danach zog es ihn für zwei Jahre in die USA zurück: Er sei bei der bekannten Krimiserie „Monk“ als Assistent von Hauptdarsteller und Produzent Tony Shalhoub tätig gewesen. „Das war eine tolle Erfahrung und ein sehr angenehmes Arbeiten“, meint Hermann. Trotz aller Erlebnisse hat er nie auf Dauer in den USA leben wollen.
Dänische Krimiserie produziert
Nach einer längeren Zwischenepisode in der Kreuzfahrtindustrie als Entertainmentmanager kehrte der Baden-Württemberger vor einigen Jahren endgültig zurück ins Filmgeschäft. Er erzählt: „Ich hatte dann endlich den richtigen Stoff gefunden, bei dem ich gesagt hatte, ich mache jetzt meinen ersten Film.“ Es sollte ein Thriller werden, basierend auf einem Roman von Ursula Poznanski. Aus produktionstechnischen Gründen sei der Film allerdings nicht fertiggedreht worden.
Von diesem Rückschlag ließ er sich aber nicht entmutigen. Mit seiner Produktionsfirma Artwork Entertainment produziere er im fünften Jahr eine Krimiserie für das dänische Fernsehen sowie einen dazugehörigen Spielfilm (“Døden kommer klokken otte“, dt. „Der Tod kommt um acht“).
Hermann arbeitet an einer Dokumentation über den österreichischen Regisseur Richard Oswald sowie am Thriller „Im Schatten des Schlosses“. Für den Thriller lieferte er selbst die Idee und ließ das Drehbuch ausarbeiten. „Nächstes Jahr soll gedreht werden, aktuell läuft das Casting“, berichtet der Filmproduzent.
Der Weg nach Bad Kissingen
Der Wunsch, auch wieder ein eigenes Kino zu betreiben, hat ihn nicht losgelassen. „Ich war seit Jahren auf der Suche, weil mein Herz dafür schlägt und ich denke, es kann doch nicht sein, dass ich Filme produziere und kein Kino habe.“
Über einen Artikel dieser Redaktion sei er auf das zu Verkauf stehende Kissinger Kino aufmerksam geworden. Weil ihm Stadt und Kino gut gefallen haben, ist er in die Verhandlungen mit dem Ehepaar Hofmann eingestiegen.
Am Sonntag, 20. Juli, ist die Neueröffnung geplant. Am Abend zuvor plant er eine Feierstunde mit ausgewählten Gästen zur offiziellen Übergabe. Im Rahmen dessen wird er seine Ideen für Bad Kissingen vorstellen.
Vorab verrät er: „Nur Mainstream ist nicht meins. Es wird ein breites Programm gegen, zum Beispiel auch Arthouse-Filme und Dokumentationen.“














