Eine innere Stimme singt mit, das Bein fängt an im Takt zu wippen und bei manchen Stücken möchte man aufstehen, um eine Rumba, einen Tango oder Foxtrott auf das ehrwürdige Parkett des Max-Littmann-Saals hinzulegen. Verantwortlich für diese musikalische Wohlfühl-Atmosphäre waren Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten, die mit Attitüde und Musik der 20er- und 30er-Jahre für einen überaus unterhaltsamen Abend im Rahmen des Kissinger Winterzaubers sorgten.
„Die neuen zwanziger Jahre“ war das Konzert betitelt und damit eröffnete sich für das zehnköpfige Ensemble ein breites Repertoire aus fast 100 Jahre alten Gassenhauern und Ohrwürmern sowie modernen Stücken, die man aus der „Neue Deutsche Welle“ der 80er-Jahre adaptiert hatte.
Mit Pomade im Haar
Pomade im Haar, Eleganz in der Kleidung, dandyhaft im Auftreten, humorvoll in der Darbietung – so präsentierten sich die Akteure auf der farblich dezent ausgeleuchteten Bühne und zeigten während des über zweistündigen Konzerts ihre musikalische Virtuosität und Spielfreude auf circa 20 Instrumenten.
Eleganz und Charme
Während sich die neun Instrumentalisten eher am Rande des Lichtkegels halten, steht einer nicht nur optisch im Mittelpunkt: Denis Wittberg. Der Frontmann und Namensgeber des Ensembles repräsentiert die nonchalante Eleganz der goldenen 1920er Jahre. Lässig am Klavier gelehnt, die Hände in der Hosentasche, der Blick schweift gelangweilt durch den Saal – dann mit drei Schritten an das Mikrofon und punktgenau der Einsatz bei „Ich küsse ihre Hand, Madame“ oder „Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche“. Dabei trifft er perfekt den Ton dieser Zeit, moduliert die Endsilben, rollt das „R“ und umrahmt den Text mit einer warmen Baritonstimme, die problemlos in die Höhe gehen kann oder zu einer kehligen Kopfstimme wird.
Pfiffige Liedtexte
Wittbergs minimalistische Art unterstreicht die pfiffigen, manchmal frivolen Texte wie bei „Guten Abend, schöne Frau“, „Du Du Dudl Du Du“ oder „Schöne Isabella aus Kastilien“. Im Nachgang gibt es ein namentliches Lob für die solistischen Einlagen am Schlagwerk, am Klavier, am Saxophon, an der Violine oder an der Klarinette.
Doch nicht nur die 25 Musikstücke stehen im Mittelpunkt des sehr unterhaltsamen Abends, sondern mindestens gleichwertig ist die Moderation. Auch hier ist Wittberg ebenso charmant wie versiert bei der Ankündigung des nächsten Stücks, dem er nicht nur Texter und Komponist, sondern auch die Jahreszahl und eine humorvolle Anekdote zuordnet. Der Abend wird auch dadurch zu einer kurzweiligen Zeitreise durch die Musikgeschichte des letzten Jahrhunderts.
Eigene Stücke
Doch auch eigene Arrangements wie „Wär´ich doch an Weihnachten auf Kuba“ oder „Nur geträumt“ vom Pianisten Jörgwalter Gerlach entführten in die Berliner Tanz- und Ballsäle.
Perfekt abgerundet wurde der Abend mit Arrangements von Liedern aus der neuen deutschen Welle. Begeistert reagierten die knapp 250 Gäste auf das stakkatohafte „Das Model“ von Kraftwerk, das monotone „Da, Da, Da“ der Gruppe Trio oder das beschwingte „Sternenhimmel“ von Hubert Kah oder Herbert Grönemeyers Evergreen „Männer“.
Abschied mit dem grünen Kaktus
„Das ist unser Abschiedslied und niemand bedauert das mehr als wir!“ – Denis Wittbergs humorvolle Ansage gab dem Publikum Gelegenheit, seine Begeisterung durch stürmischen Applaus zu zeigen, der einem vollen Max-Littmann-Saal zur Ehre gereicht hätte. Dank Bravo-Rufen und stehenden Ovationen gab es zwei Zugaben:„Mein kleiner grüner Kaktus“ erinnerte an die Comedian Harmonists und bei „Schlafen geht das kleine Saxophon“ leerte sich die Bühne nach und nach.
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