Fortsetzungen sind meist ein Abklatsch von gelungenen Produktionen. Nicht so bei der DDC-Show „Goldberg Moves – Bach goes Breakdance“, die eine gelungene Weiterentwicklung von „Breakin´ Mozart“ ist. Mit Letzterer wurde letztes Jahr das Bad Kissinger Publikum in Begeisterung versetzt.
Die Breakdancerinnen und Breakdancer aus Schweinfurt zeigen nicht nur ihre akrobatische Dynamik, sondern auch die faszinierende Verschmelzung von klassischen Musikbildern mit Synthesizer generierten Beats, Hip-Hop-Rhythmen und einer aufwendigen digitalen Performance.
Die Show soll eine Geschichte erzählen
Dabei geht es den Akteuren auf der Bühne nicht nur um den perfekten Move, der sich zwangsläufig aus den zahllosen Übungsstunden ergibt. Vielmehr wollen sie und alle Helfer im Hintergrund mit ihrer Show eine Geschichte erzählen.
Und dieses im Marketing bekannte „Story-Telling“ katapultiert die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach (JSB), die als „Aria mit 30 Veränderungen, BWV 988“ bekannt sind, in die Jetztzeit.
Ideengeber war wieder Pianist Christoph Hagel, der Mal aktiv am Flügel das Geschehen auf der Bühne diktiert, Mal zum stummen, staunenden Betrachter für die außergewöhnlichen Bewegungsabläufe wird.
Die Geschichte im Hintergrund ist mehrschichtig und gleichzeitig die Plattform für den choreografischen Ideenreichtum des Teams und vor allem der neun Akteure auf der Bühne.
Virtuelle Welten und eigene Charaktere
Einerseits geht es um eine Romanze zwischen Johann Gottlieb Goldberg (einst Schüler von Bach) und dem Dienstmädchen Paula, andererseits um das Suchtpotenzial der digitalen Medien und besonders die Sogwirkung von Computerspielen mit der Erschaffung virtueller Welten und eigenen Charakteren.
Letzteres erhält eine Projektionsfläche im Hintergrund, wo digitale Wesen auf einem riesigen Bildschirm ebenso eingespielt werden wie Landschaften oder barocke Zimmer oder visuelle Effekte zur Musik.
Auf diesem wird mit der sogenannten „Motion Capture Technologie“ eine rasante, leuchtend bunte Schau abgespult, die mit den Menschen davor eine interaktive Einheit bildet. Dazu wurden im Vorfeld die Choreografien im sogenannten „Trackingverfahren“ aufgezeichnet.
Diese können dann am Computer für ungewöhnliche Animationen bearbeitet werden, so dass sich eine spannende Interaktion zwischen realer und digitaler Welt ergibt – der Abspann erlaubte einen Blick in diesen digitalen Prozess und zeigte gleichzeitig den Spaß der Akteure bei den Proben, aber auch die körperlich-artistischen Herausforderungen an die Tänzerinnen und Tänzer.
Begeisterungsrufe und rhythmische Beifallsäußerungen
Was sich die Crew ausgedacht hat, was sich die sieben Jungen und die beiden Mädchen in den Proben angeeignet und in perfekter Manier auf die Bühne dargeboten haben, begeisterte das generationenübergreifende Publikum im ausverkauften Kissinger Kurtheater.
Jede, wirklich jede Figur der Breakdancer wird mit Begeisterungsrufen und rhythmischen Beifallsäußerungen gefeiert – und dazu hätte es die auffordernden Gesten der Akteure nicht gebraucht, aber diese gehören zum Image der Show.
Entstanden ist ein musikalisches Crossover aus barocker Klaviermusik, wummernden Beats und groovigen Hip-Hop-Rhythmen, die sich in grenzverschiebender Beweglichkeit, ausdrucksstarker Artistik und synchronen Bewegungsabläufen widerspiegelte.
Solistische Einlagen, Duette und volles Ensemble
Die tänzerischen Qualitäten des Ensembles zeigten sich sowohl in den solistischen Einlagen, in den Duetten und erst recht in voller Personalstärke – präsentiert wurden alle Stilrichtungen des Breakdance.
Das sogenannte „Top Rocking“ als Tanzen im Stehen, das die Formation in perfekter Synchronisation darbot, wurde ergänzt durch „Footworks“ als Tanzen auf dem Boden mit artistischen Einlagen wie einarmiger Handstand oder der Beinkreisel, die nicht nur die Fitness der Akteure, sondern auch ihre Körperbeherrschung zeigte.
Spektakulär waren auch die schnellen Drehbewegungen, die als „Powermoves“ bekannt sind, und Mal auf dem Rücken liegend, Mal als „Head Spin“ auf dem Kopf ausgeführt werden und meist in einer eingefrorenen Bewegung („Freeze“) enden.
Gelungenes Crossover-Projekt
Daneben gab es aber auch klassische Elemente aus dem Ballett zu bestaunen. Artistische Einlagen erinnerten an Varieté oder Zirkus, humorvolle Sequenzen sorgten für den augenzwinkernden Spaßfaktor der Show.
Für das begeisterte Publikum war es ein Augen- und Ohrenschmaus von der ersten bis zur letzten Minute. Stürmischer Applaus mit Bravo-Rufen war der verdiente Dank für ein gelungenes Crossover-Projekt, das aus dem Besten zweier Kulturwelten etwas Neues erschaffen hat.
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