KOMMENTAR
Wenn das eigene Land Krieg führt
Warum wir uns vor Vorverurteilungen hüten sollten kommentiert Angelika Despang.
Warum wir uns vor Vorverurteilungen hüten sollten kommentiert Angelika Despang.
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Angelika Despang von Angelika Despang Saale-Zeitung
Bad Kissingen – Wir Deutschen wissen, wie es freiheitlich denkenden Russen momentan geht.

Stellen Sie sich vor, beim nächsten Regierungswechsel in Deutschland kommen Hardliner an der Macht. Sie versprechen nur das Beste für Ihr Heimatland, bauen Stück für Stück die demokratischen Strukturen ab und führen diverse Gründe an, warum eine Militäroperation im Nachbarland notwendig ist. Sie können nichts dagegen tun, sogar das Demonstrationsrecht wurde abgeschafft.

Kommt Ihnen bekannt vor? – So geht es vielen Russinnen und Russen, die überhaupt nicht damit einverstanden sind, was Putin von seinem Parlament alles beschließen lässt. Die wütend sind ob so viel Gewaltbereitschaft und Verblendung, die traurig sind, wenn sie die Entwicklung ihres Heimatlandes betrachten und sehen, wie isoliert es jetzt von der Weltgemeinschaft dasteht. Die jeden Protest gegen ihr Land verstehen und sich schuldig fühlen, für die Verbrechen ihrer Regierung. Und die ihre Heimat deswegen verlassen (müssen).

Aber das wird Ihnen nicht nur anhand des russischen Angriffskriegs in der Ukraine bekannt vorkommen, sondern auch wegen dem Krieg, den Deutschland vor nicht allzu langer Zeit begonnen hat. Dem zweiten Weltkrieg, den viele unserer Eltern noch miterlebt haben.

Auch wir wissen noch Generationen danach, wie man sich für Kriegsverbrechen des eigenen Landes schuldig fühlen kann, selbst wenn man nichts dazu beigetragen hat und nicht mal dabei war. Auch meine Generation kennt noch die Vorurteile gegenüber Deutsche, wenn wir im Urlaub im Ausland gefragt wurden: „Sind alle Deutschen Nazis? Esst Ihr wirklich jeden Tag Sauerkraut?“

Hüten wir uns vor Vorverurteilungen jeglicher Art. Was hilft ist, den einzelnen Menschen betrachten. Zuhören, nachdenken, dann reden.

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