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Wahlarena in Bad Kissingen
Duell ums Rathaus: So schlugen sich Vogel und Kiesel
Wahlarena: Wer wird Oberbürgermeister in Bad Kissingen?Wer wird Oberbürgermeister in Bad Kissingen
Podiumsdiskussion mit den Bad Kissinger OB-Kandidaten Dr. Dirk Vogel (SPD) und André Kiesel (CSU) am 19. Januar 2026 im Max-Littmann-Saal. // Rüdiger Schwenkert
Bad Kissingen – Es war das Duell zwischen Dirk Vogel und André Kiesel. Doch wie schlugen sich die OB-Kandidaten beim Podium. Die Eindrücke vom Abend.

Insgesamt 500 Leute hatten sich am Montagabend, 19. Januar, im Max-Littmann-Saal im Regentenbau eingefunden, um das Duell zwischen Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) und Herausforderer André Kiesel (CSU) zu verfolgen. Sie wollen Oberbürgermeister in Bad Kissingen bleiben beziehungsweise werden.

Die Moderatoren Karl Kovacs, Redaktionsleiter der Saale-Zeitung, und Benedikt Borst, Main-Post-Redakteur, stiegen mit einer kurzen Fragerunde ein, um die Kandidaten ein wenig besser kennenzulernen. Bei „Sekt oder Selters” mussten sich Kiesel und Vogel schnell zwischen zwei vorgegebenen Antworten entscheiden.

Das klappte nicht immer – zum Beispiel als Jurist Kiesel nach seiner liebsten Anwaltsserie gefragt wurde, Better Call Saul oder Matlock, und er mit „weder noch” antwortete. Meistens konnten sich die Politiker aber festlegen. Und so erfuhr das Publikum, dass André Kiesel beim Ausgehen das Bier dem Wasser vorzieht, da seine Frau immer nach Hause fährt, und er eher Team Merz als Team Söder ist.

Dirk Vogel sagte von sich, dass er seine Frisur im Badezimmer rasiert und nicht zum Friseur geht und lieber Klassik als Heavy Metal hört. Bei der Frage „Olaf Scholz oder Lars Klingbeil?” musste der Sozialdemokrat lange überlegen, was zu Heiterkeit im Publikum führte. „Kann ich einen Telefonjoker ziehen? Wenn ich mich entscheiden muss – dann Klingbeil.“

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Dirk Vogel // Rüdiger Schwenkert

Schließlich begann der ernstere Teil der Veranstaltung – mit einem wichtigen Thema: der finanziellen Lage der Stadt. Der Amtsträger machte klar: Die Stadt habe in den vergangenen Jahren nicht schlecht gewirtschaftet. Das Problem seien die Abgaben, die Bad Kissingen abstottern müsse. „Wir haben doch schon eingespart!”, sagte Vogel und nannte als Beispiel, dass nicht mehr jede Straße saniert wird.

Der SPD-Politiker versichert aber: Den Wildpark Klaushof, das Museum Obere Saline und die Volkshochschule will er nicht schließen. Stattdessen will er den Haushalt vor allem stabilisieren, indem die Stadt mehr Einwohner und Unternehmen gewinnt.

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André Kiesel // Rüdiger Schwenkert

André Kiesel schlug vor, mehr Einnahmen und weniger Ausgaben zu generieren, um den Haushalt zu konsolidieren, was die Zuschauer mit Gelächter quittierten. Der CSU-Mann ließ sich davon jedoch nicht beirren: „Wir müssen die Staatsbad GmbH konsequent in die Stadt integrieren und Doppelstrukturen zusammenführen. Hier liegt großes Einsparpotenzial.“ Außerdem stellte er in Frage, ob es den verlängerten und somit kostspieligeren Kissinger Sommer dieses Jahr wirklich braucht.

Anschließend bat Kovacs den Herausforderer zum Einzelinterview. „Könnte Ihr Job als Rechtsanwalt Ihnen im Bürgermeisteramt helfen?“, fragte er. „Wer Jura studiert, lernt, Gesetze richtig zu lesen. Und als Rechtsanwalt bin ich Problemlöser. Das muss ein Oberbürgermeister auch können”, antwortet Kiesel. „Außerdem muss ich als Rechtsanwalt vermitteln – zum Beispiel bei Scheidungen und Erbfällen. Das ist auch wichtig, wenn der OB den Stadtrat moderieren muss.“

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Karl Kovacs // Rüdiger Schwenkert

Später erzählte Kiesel, dass er auch für den Kreistag kandidiere, um sich dort ein Netzwerk aufzubauen und interkommunale Projekte anzustoßen. Am Ende fragte Kovacs provokant, ob er sich als OB vorstellen könne, von Nüdlingen in die Kurstadt umzuziehen. Der CSU-Mann antwortete ehrlich: „Nein. Aber wenn unsere Kinder ausgezogen sind, will ich mit meiner Frau den Lebensabend in Bad Kissingen verbringen.“

Problem-Immobilien

Dann wurde OB Vogel wieder auf die Bühne geholt. „Wir wollen ein paar städtische Problem-Immobilien ansprechen!“, warf Borst ein und fragte die Kandidaten, welche Projekte sie in der nächsten Amtszeit für umsetzbar halten. „Wird der Ratskeller saniert und verpachtet?“ „Können Autos in einem sanierten Theaterparkhaus parken?“ Wird der Tattersall wieder für Veranstaltungen genutzt?“ „Können die Kissinger wieder in einem Hallenbad schwimmen?“ „Wird nach dem gewonnenen Rechtsstreit in der Eishalle wieder Schlittschuh gelaufen?“

Kiesel sagte dazu: „Mit dem Tattersall wird das nichts. In der Eislaufhalle wird zumindest Eislaufen aus finanziellen Gründen nichts, außerdem würde sich der Servicebetrieb freuen, wenn er sie nutzen kann.“ Er fährt fort: „Für die Tagestouristen brauchen wir einen Ratskeller. Die Stadt muss diesen erst sanieren, damit wir einen Pächter finden können.“ Außerdem sprach er sich für ein Hallenbad aus, das für alle da sei – vom Baby bis zum Senior. „Das soll kein Prestigebau, sondern eine Schwimmhalle sein“, stellte er klar.

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Podiumsdiskussion mit den Bad Kissinger OB-Kandidaten Dr. Dirk Vogel (SPD) und André Kiesel (CSU) am 19. Januar 2026 im Max-Littmann-Saal. // Rüdiger Schwenkert

Auch für Vogel hat das Hallenbad Priorität. Er sagte aber auch: „Gleichzeitig ist es das schwierigste und teuerste Projekt.“ Zu den anderen Punkten sagte er: „Ob wir Tattersall und Ratskeller verwirklichen können, hängt von der Förderung ab. Dann würde es beim Ratskeller schneller gehen.“

Nach der Pause diskutierten Vogel und Kiesel wieder über ein mögliches Hallenbad – und über die KissSalis Therme. „Die Therme wirft als einziges Gewinn ab. „Einen Verkauf wird es mit mir nicht geben“, stellte der Herausforderer klar. Seine Pläne: Er will die Wohnwagenstellplätze ausbauen und einen Investor für ein Thermenhotel suchen. Das Hallenbad will er nahe der Therme bauen lassen. „So können zum Beispiel gemeinsame Kassen und Umkleiden genutzt werden“, erklärte er. 

OB kann sich Verkauf der Therme vorstellen

Der amtierende OB steht einem Verkauf offen gegenüber – wenn der neue Eigentümer etwa ein Hallenbad realisieren würde.

Dann setzten sich der Amtsinhaber und Moderator Borst zum Zweiergespräch zusammen. „Wenn Sie den Wahlkampf heute mit dem vor sechs Jahren vergleichen würden – was hat sich verändert?“, will der Journalist wissen. „Die Rahmenbedingungen haben sich schon geändert. Wenn wir uns anschauen, über welche Themen wir damals gesprochen haben. Ob etwa das Rathaus mit Blumen geschmückt werden soll”, erläuterte Vogel.

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Benedikt Borst (links) und Dirk Vogel // Rüdiger Schwenkert

Die Zeiten seien ernster geworden – mit Krieg in Europa und einem vergifteten gesellschaftlichen Klima. Er sagte aber auch: „Die Beschwerden an die Stadt sind weniger geworden. Das zeigt, dass es in Bad Kissingen läuft.“

Zuletzt kamen Kovacs und Borst auf den fehlenden bezahlbaren Wohnraum zu sprechen. Kiesel schlug vor, die verfallenen Häuser nahe des Spielwarenhauses Ahlert herzurichten und sozialverträglich an Menschen mit kleinem Geldbeutel zu vermieten. Der OB hob hervor, dass die Gewo schon viel Wohnraum geschaffen habe. Trotzdem will er mit der Gewo mehr sozialen Wohnraum schaffen und den Bauturbo der Bundesregierung nutzen, um in zweiter Reihe zu bauen und Häuser aufzustocken.

Eine Stadt für Jugendliche?

Zum Schluss stellten die Moderatoren die Fragen, die Zeitungsleser im Voraus per E-Mail geschickt und die Zuschauer auf Zettel geschrieben hatten. „Wie wollen Sie Bad Kissingen attraktiver für Jugendliche machen?”, lautete eine. „Es ist eine Mär, dass es hier keine Angebote für junge Leute gibt. Wir haben ein tolles Kino. Oft sind aber nur wenige da“, sagte Vogel. „Die Angebote müssen schon genutzt werden.“ Er kann sich bei einem Rückkauf aber Paddle-Tennis und Indoorbouldern in der Eishalle vorstellen.

Kiesel spricht sich für freien Eintritt für Jugendliche im Theater und beim Kissinger Sommer sowie für einen Grillplatz aus. „Er ist nicht teuer und die Jugendlichen können dort ungestört ihre Zeit verbringen.“

Lob für das Podium

„Es war eine gute Veranstaltung”, lobte Zuschauer Armin Fischer. Holger Dambowy sagte: „Ich war früh da und war dann doch überrascht, wie viele Zuschauer kamen.”

Kovacs fragte zum Ende nochmal, wer schon entschlossen oder noch unentschlossen sei. Bei „entschlossen” gingen fast alle Hände nach oben, anders als zu Beginn, als die Frage schonmal gestellt wurde. Der Moderator appellierte an das Publikum: „Es ist egal, wen Sie wählen, solange es Demokraten sind!” Das quittierten Zuschauer und Kandidaten mit großem Applaus.

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