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Bad Kissinger Gymnasiast
Abi-Note 0,98: Perfektionist und mitunter alltagsinkompetent
Hannes Pörtner hat sein Abitur mit der Traumnote 0,98 gemacht.
Hannes Pörtner hat sein Abitur mit der Traumnote 0,98 gemacht. // Susanne Will
Bad Kissingen – Mit einer Traumnote hat Hannes Pörtner aus Kleinbrach sein Abi am Bad Kissinger Jack Steinberger-Gymnasium abgelegt. Ein Streber ist der 19-Jährige trotzdem nicht – und deshalb sehr beliebt.

Er ist 19 Jahre alt, hat einen Abi-Schnitt von unglaublichen 0,98 hingelegt. Zugefallen ist ihm das nicht. Statt Party zu machen, lernte er – teilweise so viel, dass er selbst die Reißleine ziehen musste. Er ist Ministrant, Kraftsportler und Sohn des örtlichen Polizeichefs Christian Pörtner. Ein typischer Streber? Weit gefehlt. Hannes Pörtner ist alles andere als das.

Von 900 Punkten 843 erreicht

So wird die Abinote errechnet: Die höchste zu erreichende Punktzahl bei Prüfungen ist 15, insgesamt können 900 Punkte erreicht werden. Hannes Pörtner weiß seit einer Woche, dass er satte 843 Punkte erreicht hat – und kommt damit auf den märchenhaften Schnitt von 0,98.

Zugeflogen ist ihm das nicht. „Ich habe sehr viel gelernt“, sagt er und ist sympathisch-reflektiert: „Das gehört zu einer meiner Macken: Ich bin Perfektionist mit Ordnungswahn.“ Und daneben wollte er es seinem Vater zeigen. „Papa hatte 1,4 im Abi, ich hatte die 1,3 angepeilt.“

Durchhänger in der Corona-Zeit

In der siebten und achten Klasse hatte er einen Durchhänger. Es war Corona, die Schule nicht mehr das, was er gewohnt war, und das Ballerspiel „Fortnite“ zog ihn mehr vor den Computer, als es den Eltern Carolin und Christian lieb war.

„In der Neunten habe ich dann das Ruder herumgerissen – und in der zehnten Klasse die Lernerei wirklich auf die Spitze getrieben. Während die anderen Partys machten und die beste Zeit ihres Lebens hatten, saß ich am Schreibtisch und lernte auch noch für den Führerschein“, erzählt der groß gewachsene junge Mann, der in seiner Freizeit am liebsten Kraftsport macht. Er merkte: Das war zu viel und drosselte sein Lerntempo.

Auch die Liebe kommt nicht zu kurz

In der elften Klasse eroberte weder Mathe noch Bio sein Herz – es war Lea, eine Mitschülerin. Und Hannes merkte: „Lernen geht auch trotz Beziehung.“ Seine Eltern beschreiben die beiden  gern als „Powerpaar“ – Lea hat heuer mit 1,6 ebenfalls ein hervorragendes Abi hingelegt.

Eltern sind immer stolz auf ihre Kinder, so auch Carolin Pörtner, die auch die soziale Seite beleuchtet. „Was mich immer sehr gefreut hat, ist, dass Hannes weder mit Lehrkräften noch mit den Mitschülern Probleme hatte.“ Im Gegenteil: Hannes steht mittendrin, was auch Schulleiter Markus Arneth bekräftigt. „Er ist sympathisch, sozial und kommunikativ und hat überhaupt nichts vom Streber-Image. Ich habe ihn in seiner ganzen Zeit bei uns nicht einmal schlecht gelaunt erlebt.“

Schulleiter: „Es hat sich bei ihm abgezeichnet“

Hannes Pörtner hat es schwarz auf weiß: 0,98 im Abitur. hat sein Abitur mit der Traumnote 0,98 gemacht.
Hannes Pörtner hat es schwarz auf weiß: 0,98 im Abitur. hat sein Abitur mit der Traumnote 0,98 gemacht. // Susanne Will

Natürlich sei er als Rektor sehr stolz, „aber es hat sich bei ihm abgezeichnet. Da er durchgehend in allen Fächern hervorragend ist, ist diese Leistung sehr hoch einzuschätzen.“ Wobei der Jahrgang ein sehr guter ist: Von 71 Abiturienten haben 27 eine Eins vor dem Komma stehen, zwei weitere kommen auf eine glatte 1,0.

Bislang dachten die Pörtners, dass ihr Hannes sich nie etwas zuschulden kommen ließ. Doch jetzt, nach dem Abi, rückt der 19-Jährige mit der Wahrheit heraus. Carolin Pörtner bekommt große Augen, als er von einem Streich erzählt, für den er später zum Direktor zitiert wurde – sie muss lachen.

Perfektion schon im Kindesalter

Carolin Pörtner: „Hannes ist ein 100-Prozentiger. Schon als Kind. Da haben ihn Bagger fasziniert, woraufhin er jedes Baggerbuch verschlang.“ Hannes: „Ich weiß, dass ich Perfektionist bin. Allerdings kann ich das gut reflektieren und muss ein bisschen auf mich aufpassen.“

Als er das Ergebnis in Händen hielt, habe er es selbst kaum glauben können: „Nie hätte ich gedacht, Jahresbester zu werden“ – ihm seien die Tränen gekommen. „Was toll war: Alle Mitschüler und Mitschülerinnen haben sich für mich gefreut.“ Kein Wunder: Zwar habe Hannes nie selbst gespickt, „aber ich habe spicken lassen".

Jetzt stürzt er sich ins Medizinstudium

Was er nun machen möchte: Medizin studieren. Und auch da hat der Perfektionist schon vorgesorgt: Zur Sicherheit hat er in der zwölften Klasse nebenbei den Medizinertest abgelegt. Der verbessert im Zweifelsfall für einen Medizinstudienplatz den Abi-Schnitt. Wie er jetzt sieht: Den hätte er sich sparen können.

Und wie sieht er sich? „Ich weiß, was ich leisten kann. Ich kenne aber auch meine Macken.“ Und führt ohne Umschweife aus: „Ich bin mitunter alltagsinkompetent. Deshalb ein dickes Danke an meinen Bruder Louis, der mir immer mit dem Computer und dem Drucker geholfen hat. Danke an die Omas und Opas, dass ich mir nie Gedanken darüber machen musste, was ich zu Mittag esse. Und natürlich an meine Eltern. Mama hat mich überall hingefahren – und Papa ist einfach mein Vorbild.“

 

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