Er lebte für seine Schulen weit über die Pensionsgrenze hinaus und genoss das Vertrauen seiner Schülerinnen und Schüler. Er war ein engagierter Kommunalpolitiker und begeisterter Musiker. Am 27. Oktober starb Studienrat und Realschulrektor a.D. Wolfgang Görner im Alter von 84 Jahren. Er hinterlässt seine beiden Töchter Petra und Daniela mit Familien.
In der Kindheit aus dem Sudetenland vertrieben
Hätte man Wolfgang Görner in Jugendjahren gefragt, was er denn beruflich machen wolle, hätte er vielleicht „Musiker“ geantwortet. Denn Musik – Blockflöte, Klavier und Singen – gehörte seit Kindheit zum Alltag der 1946 aus dem Sudetenland vertriebenen Familie. Während seiner Jahre auf dem Würzburger Gymnasium entdeckte er, vom älteren Bruder dazu animiert, seine Liebe zum Jazz. Doch trotz dieser Ablenkung gelang es Görner, wie er in seinen Erinnerungen schriftlich festhielt, im Jahr 1960 sein Abitur „mit ordentlichen Noten“ zu machen.
Das Studium: eher chaotisch
Auch anschließend folgte Görner dem Vorbild seines großen Bruders und studierte ebenfalls Mathematik und Physik – „nicht besonders zielgerichtet, eher chaotisch“. Statt zu studieren, stand er lieber auf der Bühne und jazzte. Doch der Beruf des Musikers stand nie zur Debatte, denn auch dazu war Student Görner „nicht fleißig genug“. Sein Studium dehnte sich auf 14 Semester aus. Dazwischen kamen die Liebe und die Heirat mit Renate sowie die Geburten der Töchter Petra und Daniela. Was macht aber nun jemand mit „lockerem Mathematik- und Physik-Studium, dafür aber fast zehn Jahren Bühnen- und Show-Erfahrung“? Klar, er wird Lehrer! So schlossen sich ab 1967 das Referendariat, das erste Staatsexamen und schließlich 1969 das zweite Staatsexamen an.
Bühnenerfahrung hilft dem „Freistil-Pädagogen“
Als aktiver Musiker hatte Görner schon während seines Referendariats festgestellt, dass ihm seine Bühnenerfahrung nützlicher war als alle Psychologie- oder Pädagogik-Vorlesungen. Statt eine Unterrichtsstunde nach vorgegebenen Richtlinien schriftlich vorzubereiten, hatte er als „Jazzer“ erkannt: Wer die Struktur eines Themas kennt, für den ist Improvisieren kein Problem. Diese Art des Unterrichts machte Görner – wie er es selbst nannte – zum „Freistil-Pädagogen“.
Nicht nur sein lockerer Unterrichtsstil kam 1969 bei seinem „Bilderbuchstart“ an der Realschule Gerolzhofen gut an: Mit „schulterlangen Haaren und Koteletten bis zum Kinn“ hatte er bei der Schülerschaft schnell gewonnen. Schon im zweiten Schuljahr wurde er zum Vertrauenslehrer gewählt. Sechs Jahre später (1975) ließ sich Görner an die neue Realschule in Arnstein versetzen, bei deren Aufbau er seine eigenen pädagogischen Vorstellungen einbringen konnte. Auch hier wurde er zum Vertrauenslehrer gewählt. In den 16 Jahren seiner dortigen Lehrtätigkeit wurde die Realschule Arnstein – auch durch sein Einbringen ins gesellschaftliche und politische Leben der Stadt – in der Bevölkerung stark mit Görners Namen verknüpft. Dabei war es nicht Ehrgeiz, der ihn antrieb, sondern immer „die Freude an der Arbeit“.
Stationen in Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau
Nach seiner Versetzung an die Realschule Bad Kissingen (1991 bis 1993) und weiteren sieben Jahren als stellvertretender Schulleiter der Realschule Hammelburg kam Görner schließlich im Jahr 2000 als Rektor an die Realschule Bad Brückenau. Obwohl er dort 2005 in den Ruhestand hätte gehen müssen, wurde seine Dienstzeit auf eigenen Wunsch um weitere drei Jahre bis 2008 verlängert. Doch auch in offiziellem Ruhestand setzte der leidenschaftliche Pädagoge seine Lehrtätigkeit ab 2009 mit einem Arbeitsvertrag am Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen unermüdlich bis zum Jahr 2020 fort, zuletzt mit wöchentlich sechs Unterrichtsstunden in den Einführungsklassen der sich um das Abitur bemühenden Mittel- und Realschüler.
Die Musik ließ ihn nie los
Während seiner 51 Berufsjahre ließ ihn die Musik nicht los. In Arnstein gründete er ein Schulorchester und übertrug klassische Werke bis hin zu Händels „Feuerwerksmusik“ in Arrangements für Bläser. An der Realschule Bad Kissingen ließ er seine neue Schulband Jazz spielen. In Bad Brückenau durfte er sogar selbst als „Chef“ in der Schul-Bigband mitspielen. Auch als Privatmann stand der Jazzer Görner als Posaunist auf vielen Bühnen dieser Region. Zu seinem 60. Geburtstag organisierte er die Premiere des Trimburg-Jazz-Festes, das seitdem jährlich fortgesetzt wurde.
Politischer Einsatz für die SPD
Als sei er als leidenschaftlicher Lehrer und aktiver Musiker noch nicht ausgelastet, engagierte sich der „wahre Menschenfreund“, als den ihn seine Parteifreunde bezeichnen, seit Ende der 1970er Jahre als SPD-Mitglied und seit Ende der 1980er-Jahre im Arnsteiner Stadtrat. In Bad Kissingen war er von 2008 bis 2020 Mitglied des Kreistags und von 2009 bis 2018 Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, wofür er bei seinem Ausscheiden vor fünf Jahren mit dem Landkreisehrenzeichen in Silber ausgezeichnet wurde.
Nicht nur im SPD-Ortsverein und im Kreistag, sondern auch in seinen Lehrer-Kollegien und bei den Schülern in seinen fünf Jahrzehnten als Lehrer schätzte man Wolfgang Görner allseits wegen seines „ausgleichenden, friedliebenden Wesens“ (SPD-Nachruf), der seine Schulen „mit Herz, Klarheit und Menschlichkeit geprägt“ hat, wie es im Nachruf der Schulfamilie heißt. „Seine Wärme, sein (musikalischer) Frohsinn und sein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Hier und Jetzt werden uns in dankbarer Erinnerung bleiben.“













