Sein 30-jähriges Bestehen hat der Verein Kidro beim „Spätsommerfest 2025“ gefeiert. Die Veranstaltung in der „Wärmestube“ wurde durch eine Feierstunde ergänzt, bei der Vorsitzender Christian Fenn und seine Kollegin Laura Kramer rund 30 Gäste aus Politik, Wohlfahrtsverbänden sowie verbundenen Firmen und Vereinen begrüßten.
Zunächst gab es einen Einblick in die vielfältigen Angebote des Vereins, der sich der „aufsuchenden Sozialarbeit als niederschwellige Hilfe bei Drogenkonsum“ verpflichtet hat. Christian Fenn, der neben seiner Funktion als Vorsitzender auch als Streetworker bei Kidro tätig ist, erinnerte in seiner Ansprache an die Entstehung des Vereins.
„Im Jahr 1995 gab es eine offene Drogenszene“, berichtete er, „die am Berliner Platz und Marienplatz sichtbar war.“ Als Reaktion darauf wurde Kidro gegründet, mit dem Ziel, einen Streetworker einzustellen, um an den Brennpunkten der Szene als Ansprechpartner zu fungieren. Anfänglich wurde diese Position von einer Frau ausgefüllt, bevor Fenn 1998 als Streetworker begann.
Lebensnahe Beratung
Der Schwerpunkt der Arbeit in Bad Kissingen unterscheide sich von größeren Städten, erzählte Fenn, der seine Arbeit als herausfordernd beschreibt: „Direktes Ansprechen wie in größeren Städten geht in Bad Kissingen nicht. Es geht nur über indirekte Kontakte.“ Und noch etwas sei in Bad Kissingen anders: „Eine lebensnahe Beratung steht im Mittelpunkt unserer Arbeit“, was bedeute, dass alltägliche Herausforderungen wie die Sichtung von Rechnungen, Wohnsituationen oder Konflikte im Arbeitsumfeld zuerst geklärt würden, bevor das Thema Drogen und Entgiftung angegangen wird.
Fenn erklärte, dass sich die Drogenproblematik mit der Zeit verändert habe: Zu Drogen wie Heroin und Kokain seien opiathaltige Medikamente und natürlich Alkohol hinzugekommen.
Das ist das zweite zentrale Standbein
Neben der „aufsuchenden Drogenhilfe“ bildet die „Wärmestube“ ein zweites zentrales Standbein des Vereins. Die Wärmestube, einst von Wohlfahrtsverbänden ins Leben gerufen, ist inzwischen in der Maxstraße angesiedelt. Laura Kramer, ebenfalls Streetworkerin bei Kidro, beschrieb sie als wichtigen Treffpunkt für Menschen, „die sonst nichts haben“. Neben Frühstück und Mittagessen zu günstigen Preisen werden hier Hilfestellungen in Alltagssituationen sowie soziale Ansprache geboten.
Bis zu 27 Anmeldungen gibt es täglich für das Mittagessen, erklärte Kramer, und viele Menschen finden hier einen Rückzugsort, ohne Konsumzwang, wie es etwa in Gaststätten der Fall sei. Darüber hinaus stehen in der Wärmestube eine Waschmaschine, ein Trockner und eine Dusche für die Körperhygiene sowie eine Kleiderkammer zur Verfügung, in der Kleidung nach Gewicht bezahlt wird. „Die Wärmestube deckt die Grundbedürfnisse der Bedürftigen ab“, so Kramer. Es kämen Besucherinnen und Besucher jeden Alters.
Was die Beratungsstelle Save-Lane leistet
Ein weiteres wichtiges Projekt des Vereins ist die Beratungsstelle „Save-Lane“, die sich an Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren richtet, die mit Sucht- und Drogenproblemen kämpfen. Diese Beratungsstelle wurde im Juli 2024 in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband des Landkreises Bad Kissingen gegründet und wird von Laura Kramer betreut. Sie berichtete, dass Jugendliche oft ängstlich und skeptisch seien, weshalb sie über neue Wege wie Sozialstunden Vertrauen aufbauen müsse.
Themen wie Gerichtsverhandlungen, schwierige Familienverhältnisse, Wohnungslosigkeit oder Depressionen stünden hier ebenso im Fokus wie Mobbing und Belastungen in der Ausbildung. Als wichtigen Rückzugsort hob Kramer die sogenannte „Notschlafstelle“ hervor, die in einem Nebenraum des Möbellagers „Sofa“ eingerichtet wurde. Drei Schlafmöglichkeiten stehen dort zur Verfügung, die bislang schon für 270 Übernachtungen genutzt wurden.
Erneut heranführen an die Arbeitswelt
Christian Fenn stellte darüber hinaus das Projekt „Kip“ – das Kissinger Integrationsprojekt – vor. Es zielt darauf ab, benachteiligte Personen wieder an die Arbeitswelt heranzuführen. Ursprünglich als „Quadro“ für Spätaussiedler eingerichtet, wird es heute mit Unterstützung von Stadt, Landkreis und Jobcenter weitergeführt. Neben einem Sportangebot in der ehemaligen US-Sporthalle gehen die Teilnehmer Alltagsarbeiten nach, wie etwa dem Entkernen von Häusern oder dem Auslichten von Waldstücken. Dabei gehe es weniger um das Endergebnis als vielmehr um das Erlernen von Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und einem nüchternen Erscheinungsbild. Fenn betonte, dass diese Tätigkeiten keine Konkurrenz zum normalen Arbeitsmarkt darstellten.
Das Möbellager „Sofa“, ebenfalls in der Maxstraße angesiedelt, rundet das Angebot ab. Hier können gut erhaltene Möbel oder Haushaltsgegenstände günstig erworben werden.
Das sind die Öffnungszeiten
Die Wärmestube und die Kleiderkammer sind montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Das Möbellager Sofa hat montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet und befindet sich neben der Maxstraße 40.
Zum Abschluss der Veranstaltung überbrachte Bürgermeister Thomas Leiner ein Grußwort der Stadt. Er zeigte sich beeindruckt vom umfangreichen Aufgabenbereich des Vereins und betonte: „Die Stadt bleibt euer Partner!“ Fenn bedankte sich für die vielseitige finanzielle Unterstützung seitens des Landkreises und hob hervor: „Geld ist wichtig. Wichtiger sind aber die Multiplikatoren, die die Ziele von Kidro nach außen tragen.“













