Lange ist es her: 2018, kurz vor der Landtagswahl, verkündete der damalige bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU), dass der Landkreis Bad Kissingen für das Biosphärenreservat Rhön eine neue Umweltbildungsstätte bekommen soll – das Naturerlebniszentrum Rhön (NEZ). Das NEZ war zugleich ein politisches Trostpflaster aus München, als die Planungen für einen dritten Nationalpark in Bayern gescheitert waren – die Rhön galt als aussichtsreicher Standort. Zudem fordert der Landkreis eine neue Umweltbildungsstätte, seit das Biosphärenreservat Rhön im Jahr 2014 erweitert wurde.
Planung für Zentrum am Klaushof: Zwist um Kanalanbindung
2019 wurde die Standortfrage geklärt. Ein Teil des NEZ soll im Roten Schloss in Hammelburg unterkommen, für den zweiten Teil soll es einen Neubau am Wildpark Klaushof in Bad Kissingen geben. Doch die Planung für den Neubau gestaltet sich schwierig und langwierig. Konkrete Kostenschätzungen gibt es offenbar weiterhin nicht, gleichzeitig scheint die Finanzierung unklar. 9,4 Millionen Euro hatte der Freistaat für den Neubau in Bad Kissingen und den Umbau in Hammelburg bereitgestellt. Schon vor Jahren haben Landrat Thomas Bold (CSU) und Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) Bedenken geäußert, ob die Mittel ausreichen. Aus Kissinger Sicht ist die Sorge berechtigt, ob das Vorhaben realisiert wird.
Das Umweltministerium will nun diese Bedenken zerstreuen. „Die Projekte werden vorangebracht“, betont ein Sprecher gegenüber unserer Redaktion. In Bezug auf den Neubau teilt er mit: „Am Wildpark Klaushof laufen weiterhin intensive Abstimmungen mit den lokalen Akteuren, da es sich um eine Baumaßnahme im Außenbereich mit komplexen Anforderungen handelt.“ Demnach müsse die infrastrukturelle Erschließung noch geklärt werden. Dass die Kanalanbindung vom Wildpark nach Bad Kissingen aufgrund der Kosten ein Streitthema ist, war zuletzt hinter den Kulissen deutlich herauszuhören.
Rathaus: Pläne für die Erschließung am Wildpark stehen
Was die Kanalanbindung angeht, widerspricht die Stadt Bad Kissingen: „Für die Erschließung des Naturerlebniszentrums liegt eine technische Lösung und eine erste Kostenschätzung vor. Zudem wurde von Seiten der Stadt eine Finanzierungsidee für die notwendige tiefbautechnische Erschließung erarbeitet“, teilt das Rathaus mit.
Die Stadt habe die Voraussetzungen geschaffen, dass nun die wichtigen baulichen Vorstellungen zum Gebäude „im Einklang mit dem Budget“ konkretisiert werden. Das klingt nach einer diplomatischen Formulierung für: Der Freistaat muss die Pläne für die Umweltbildungsstätte abspecken oder das Budget aufstocken. Das Rathaus betont, dass Bad Kissingen technisch und personell in den Wildpark investiert, um die Rahmenbedingungen am Standort weiter zu verbessern.
Keine Aussage vom Ministerium zu Kosten und Finanzierung
Das Umweltministerium hält sich sowohl zu Kosten, als auch zur Finanzierung am Klaushof bedeckt. Insbesondere wegen der komplexen Erschließung und weil die Preise am Bau seit 2019 erheblich teurer geworden sind, „besteht hier weiterer Klärungsbedarf. Eine Kostenschätzung kann daher derzeit nicht angegeben werden“. Die Frage, ob der Landtag zusätzliche Mittel im Zuge der Haushaltsberatungen bewilligen muss, lässt das Ministerium unbeantwortet.
Das ist für Hammelburg geplant: Dauerausstellung, Nachhaltigkeitswerkstatt, Seminare
Deutlich besser sieht es am NEZ-Standort Hammelburg aus. Die gute Nachricht aus dem Umweltministerium: Im Kellereischloss haben im Juli 2024 die Umbauarbeiten begonnen. Die Räumlichkeiten waren vorab noch von der Stadt Hammelburg belegt. Weil sich der Umbau des Bürgerhauses verzögert hatte, in das die Stadt umgezogen ist, wurden die Räume im Schloss erst im Juli frei.
„Der Abschluss der Baumaßnahme ist für Ende 2026 geplant“, berichtet der Ministeriumssprecher. Dem NEZ stehen dann alle Flächen zur Verfügung und die Stadtbücherei wird wieder öffentlich zugänglich. Hier ist dann auch die Dauerausstellung verortet, die sich mit dem Biosphärenreservat Rhön, den Menschen in der Region und den Themen Mobilität, Ernährung, Energie und Konsum beschäftigt. Die Gestaltung der Ausstellung wird seit 2023 mit einer Agentur geplant. Die Pläne sind fertig, die Exponate und interaktiven Stationen werden bestellt, sobald die Räume baulich dafür bereit sind.
3D-Drucker, Schneideplotter, Plastikrecycling
Im Dachgeschoss des Roten Schlosses kommen laut Ministerium ein „Wohnzimmer“ und Seminarräume unter. Der frühere Sitzungssaal wird zur Nachhaltigkeitswerkstatt umgebaut, in der mit 3D-Drucker, Schneideplotter und Maschinen zum Plastikrecycling eigene Projekte umgesetzt werden können. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Maker-Space der Stadtbibliothek ist geplant. „Das NEZ im Kellereischloss wird zum Bildungszentrum, das öffentlich zugänglich ist und im Rahmen von Führungen und Workshops vertiefende Angebote macht“, so der Sprecher.
In Hammelburg ist die Finanzierung klar. „Für die Baumaßnahme und die Dauerausstellung wurden Mittel von 3,6 Millionen Euro bewilligt“, heißt es aus München. Eine abschließende Aussage zu den Kosten sei erst nach Ende des Umbaus möglich.
Bildungsarbeit des NEZ etabliert sich
Abseits der baulichen Verzögerungen und planerischen Schwierigkeiten ist ein Team des NEZ bereits seit 2020 aktiv und baut inhaltlich die Umweltbildungsarbeit auf. Es gibt mobile Bildungsmodule für weiterführende Schulen. „Hier ist eine steigende Nachfrage und eine feste Verankerung im Lehrplan der beteiligten Schulen zu verzeichnen“, zieht das Umweltministerium positive Bilanz. Zusätzlich wurde ein öffentliches Programm etabliert, das neben Angeboten zum Natur erleben auch eine lebende Bibliothek und Kreativangebote umfasst. 2024 wurden mit rund 150 Veranstaltungen 3.900 Menschen erreicht.
Der Personalaufbau ist laut Ministerium noch nicht abgeschlossen. Derzeit sind zwei Planstellen besetzt: Die Geschäftsführung hat Joachim Schneider inne, unterstützt von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter. Um den Aufbau des NEZ kümmert sich Lisa Graskamp als Projektmanagerin, zudem gehört eine Bundesfreiwilligendienstleistende zum Team.
Bleiben Sie mit der Saale-Zeitung auf dem Laufenden und holen Sie sich jetzt unseren kostenlosen Newsletter.










