Holger Pfaff, Leiter der Kurgärtnerei Bad Kissingen, führt über das neun Hektar große Betriebsgelände in Hausen. Es geht durch Werkstätten, Gewächshäuser, die beiden Palmenhallen und durch Lagerhallen, die vollstehen mit allen möglichen Sachen, die es braucht, um die Kuranlagen, Gärten, Parks und Promenaden gepflegt und blühend zu halten.
Angefangen bei Pflanzen und Blumenkübeln sowie Dekomaterial, über Absperrungen für den Hochwasserschutz, bis hin zu historischen weißen Parkbänken, an denen Schäden ausgebessert werden müssen. Sogar Rakoczy-Festwagen sind in der Kurgärtnerei eingelagert.
Kurgärtnerei Bad Kissingen: Lagerflächen reichen nicht mehr
„Gerade im Winter steht hier alles voll und wir stoßen räumlich an unsere Grenzen“, sagt Pfaff. Die Lager platzen aus allen Nähten, die Regale sind übervoll, jeder Gang und Zwischenraum wird genutzt. Das wiederum behindert die 31 Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit, weil sie viel Zeit darauf verwenden, erst einmal Platz freizuräumen. Hinzukommt, dass sich nicht alle Lagerflächen auf dem Betriebsgelände befinden, sondern die Kurgärtnerei zwischenzeitlich auch Flächen außerhalb belegen musste. „Da ist alles sehr umständlich und es geht viel Zeit verloren“, sagt Pfaff.
Um die Platznot zu beseitigen und alle Lager zentral zusammenzuführen, wird deshalb aktuell gebaut. Auf dem Gelände der Kurgärtnerei entsteht bis Herbst eine neue 55 Meter lange und 20 Meter breite Lagerhalle. Die Kurgärtnerei gehört zwar zur Staatsbad GmbH und ist damit ein städtischer Tochterbetrieb, für die Liegenschaften ist aber der Freistaat verantwortlich.
Rund 1,7 Millionen Euro lässt sich der Freistaat die neue Lagerhalle kosten, teilt das Zentrum für Staatsbäder in Bad Steben mit.
„Die bisherige Situation ist für uns sehr umständlich“, sagt Pfaff. Mit dem Neubau sollen sich die Arbeitsabläufe in der Kurgärtnerei spürbar verbessern.
85 Hektar Park- und Gartenanlagen: Darum kümmert sich die Kurgärtnerei
Im Laufe der Geschichte hat sich die Kurgärtnerei immer wieder verändert. Ihren ersten Sitz hatte sie zentral am Königlichen Kurhausbad in der Nähe des Kurgartens. Aus Platzgründen zog sie später in die Bibrastraße in die Nähe des heutigen Finanzamtes. 1984 wurde erneut erweitert und der Betrieb nach Hausen verlegt.
Die Kurgärtnerei kümmert sich um alle staatlichen Liegenschaften in Bad Kissingen. Das sind laut Pfaff 85 Hektar vom Altenberg bis zur Burgruine Botenlaube, vom Luitpoldpark bis zum Gradierwerk. Die Pflege des Rosengartens und des Kurgartens gehört dazu genauso wie der Unterhalt eines mehr als 125 Kilometer langen Spazier- und Wanderwegenetzes in und um die Stadt. „Unsere Arbeit ist dafür da, dass Gäste nach Bad Kissingen kommen“, sagt Pfaff. Die Gärtner sorgen für eine saubere Visitenkarte der Stadt.
Die Kurgärtnerei ist für Parkbänke, Stühle und Abfalleimer in den Bereichen zuständig, begutachtet 4000 Bäume jedes Jahr und pflanzt bis zu 30.000 Blumen in öffentliche Beete mit saisonal wechselnden Blumen, Stauden sowie kleinen Bäumen. Die Kuranlagen in Bad Bocklet werden ebenfalls von Bad Kissingen aus betreut. Die Blumendeko für Veranstaltungen wie Rosenball und Rakoczyball kommt – klar – auch von der Kurgärtnerei.
Früher hat die Kurgärtnerei alle Pflanzen selbst gezogen, das ist heute nicht mehr so. „Wir haben keine Produktion von Schnittblumen mehr“, erklärt der Leiter. Der Großteil der Pflanzen wird gekauft. Nur ein kleinerer Teil an Pflanzen, die am Markt schwer zu beschaffen sind, wird nach wie vor selbst produziert. Man wolle den Gästen und Einheimischen auch exotische, besondere und seltene Pflanzen präsentieren.
Highlight der Gärtnerei: 300 Palmen für Bad Kissingen
Ein besonderes Highlight sind die Palmen, die in den Sommermonaten für mediterranes und mondänes Flair in Bad Kissingen sorgen. „Wir haben rund 300 Palmen, vom Setzling bis zur Großpalme“, sagt Pfaff. Damit verfüge Bad Kissingen über einen größeren Palmenbestand als die Metropole Frankfurt am Main. Die größten Exemplare - etwa 100 davon besitzt die Kurgärtnerei – sind zwischen acht und zwölf Meter hoch und etwa 45 bis 80 Jahre alt.
Die Pflanzkübel, in denen die Palmen stehen, sind übrigens alle per Hand in den Werkstätten der Kurgärtnerei gefertigt. Dabei handelt es sich um Spezialkonstruktionen, weil die Pflanzkübel auch gewisse Anforderungen an den Heilquellenschutz erfüllen müssen: Es darf zum Beispiel bei Regen kein Dünger aus den Kübeln auslaufen und im Boden versickern.
Die Arbeit wird Holger Pfaff und seinem Team angesichts der Aufgabenfülle so schnell nicht ausgehen, mit der neuen Lagerhalle werden sich aber die Arbeitsbedingungen in der Kurgärtnerei deutlich verbessern.
























