Der Stadtwald hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Deshalb erstellt die Stadt Bad Kissingen einen neuen Forstwirtschaftsplan – früher als üblich. Statt nach 20 Jahren wird der Plan bereits nach zwölf Jahren komplett überarbeitet, wie der Stadtrat beschloss. Der Grund: Klimawandel, Trockenheit und Schädlinge wie der Borkenkäfer haben große Schäden hinterlassen.
Warum braucht es einen neuen Plan?
Laut Bayerischem Waldgesetz muss jede Kommune einen Forstwirtschaftsplan erstellen. Er legt fest, wie der Wald in den nächsten Jahren gepflegt und genutzt wird – zum Beispiel bei der Holzernte, Pflanzung oder beim Wegebau. Normalerweise wird der Plan für 20 Jahre gemacht und nach zehn Jahren überprüft. Doch in Bad Kissingen ist die Lage ernst: Zwischen 2022 und 2024 sind rund 31.000 Festmeter Holz durch Trockenheit und Käferbefall verloren gegangen. Ganze Waldflächen sind verschwunden, besonders die Fichte ist betroffen. Ihr Anteil ist von zwölf auf nur noch etwa zwei Prozent gesunken, wie es in einer schriftlichen Antwort der Stadt Bad Kissingen auf eine Anfrage der Redaktion heißt.
Wie steht es um den Stadtwald?
Trotz der Schäden ist der Stadtwald insgesamt noch in einem guten Zustand. Die größten Probleme gibt es bei der Fichte – hier müssen viele Flächen neu bepflanzt werden. Auch die Buche zeigt Schäden, aber nicht flächig, sondern vereinzelt. Eichen und andere Edellaubhölzer sind dagegen stabil und gesund, wie die Stadt mitteilt.
Was bringt der neue Plan?
Der neue Forstwirtschaftsplan bringt nach Auskunft der Stadtverwaltung eine wichtige Neuerung: Statt nur einzelne Waldstücke zu untersuchen und die Ergebnisse hochzurechnen, wird jetzt eine flächendeckende Stichprobeninventur gemacht. Dabei wird ein Raster über den ganzen Wald gelegt und an vielen Punkten genau gemessen: Welche Baumarten wachsen dort? Wie viel Holz gibt es? Wie dick sind die Bäume? Gibt es Totholz, junge Bäume oder Wildverbiss?
Diese Daten sind viel genauer als bisher und helfen, den Wald besser zu verstehen und zu pflegen. Außerdem berücksichtigt der neue Plan die aktuellen Veränderungen – anders als eine einfache Zwischenprüfung, heißt es von Seiten der Stadt.
Wie läuft die Planung ab?
Ein externer Forstsachverständiger übernimmt die Außenaufnahmen. Zuerst werden die Ziele für den Stadtwald festgelegt. Danach folgt die Stichprobeninventur und schließlich eine Begehung der einzelnen Waldstücke. Die Arbeiten sollen 2026 stattfinden, der neue Plan soll ab Anfang 2027 gelten.
Der Mann hinter dem Projekt
Björn Lieblein ist seit Juni 2025 Leiter der städtischen Forstverwaltung und des Wildparks. Er kennt sich aus: Zuvor war er Revierleiter beim Universitätsforstamt Sailershausen und beim Forstamt Königsberg. Der 40-Jährige lebt mit seiner Familie in Pfändhausen, wo er auch Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr ist. In seiner Freizeit bearbeitet er Holz, angelt und fährt Mountainbike, erklärt er schriftlich.
Für ihn ist Bad Kissingen mehr als nur ein Arbeitsplatz: „Ich bin hier in der Nähe aufgewachsen und Bad Kissingen war für mich immer ein Sehnsuchtsort“, sagt Lieblein. Besonders liebt er den Laubholz-geprägten Stadtwald und möchte die Entwicklung hin zum sogenannten Dauerwald weiterführen – also ein Wald, der dauerhaft stabil und vielfältig bleibt.
Sein Lieblingsort? Ein alter Eichenbestand in Albertshausen: „Zwischen 300-jährigen Eichen zu stehen, erinnert mich immer daran, warum ich diesen Beruf gewählt habe.“











