Gut besucht, sachlich informiert und mit viel Austausch – so lässt sich die öffentliche Veranstaltung zum Klimaschutzkonzept und zur kommunalen Wärmeplanung der Stadt Bad Kissingen zusammenfassen.
Etwa 65 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung von Bauamtsleiterin Christine Schwind in den Sparkassenpavillon. Das Interesse war groß, die Fragen zahlreich – und auch nach den offiziellen Fachvorträgen blieb man zusammen.
Zwischenbericht und Orientierungshilfe
Wie heizen wir morgen? Welche Optionen bieten sich für Eigentümer und Gewerbe, um sich unabhängiger zu machen?
Diese Fragen prägten den Abend. Bauamtsleiterin Christine Schwind stellte eingangs klar: „Heute liefern wir nur einen Zwischenbericht.“
Die Unsicherheit in der Bevölkerung sei spürbar, umso mehr wolle die Stadt Orientierung vermitteln. Im Oktober soll mit konkreten Empfehlungen nachgelegt werden.
Große Projekte, große Aufgaben
Thomas Hornung, Leiter des Tiefbauamts, betonte, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien zentral sei, nicht zuletzt wegen laufender Großbauprojekte wie dem Neubau der Henneberg-Schule, der Generalsanierung des Freibads oder dem Umbau der Kläranlage.
Aktuell liegt der Anteil erneuerbarer Energien in Bad Kissingen bei rund 55 Prozent beim Strom, 18 Prozent bei der Wärme und sieben Prozent im Verkehr. „Unser Nachholbedarf ist also noch groß“, konstatierte Hornung. Doch er machte Mut: Für Privatleute gebe es viele wirtschaftliche, modulare Optionen. „Eine Photovoltaikanlage rechnet sich immer, macht unabhängig und ist sauber.“
Klimaschutzkonzept im Detail
Claudia Schmitgen, Klimaschutzbeauftragte der Stadt, stellte den aktuellen Zwischenbericht des Integrierten Klimaschutzkonzepts vor.
Die systematische Erfassung des Energieverbrauchs in Bad Kissingen zeigt: Bürgerinnen und Bürger verbrauchen pro Kopf 23 Megawattstunden Energie im Jahr, bundesweit sind es 27. Ziel ist, technische und wirtschaftliche Potenziale zur Reduzierung von Treibhausgasen offenzulegen und Maßnahmen darauf abzustimmen.
Transformationspotenzial sieht Schmitgen besonders bei Photovoltaik und Windkraft – Wasserkraft und Biogas hingegen erscheinen kaum realisierbar. „Insbesondere durch den Betrieb von Wärmepumpen und die Steigerung der E-Mobilität können hohe Anteile fossiler Energie verdrängt werden.“
Der Klimaschutz soll als Querschnittsthema in der Stadt etabliert werden.
Kommunale Wärmeplanung: Analyse und Szenarien
Markus Brautsch, Professor am Institut für Energietechnik Amberg, lobte das frühzeitige Engagement der Stadt und erläuterte die bayernweit vorgeschriebenen Schritte der Wärmeplanung: von der Bestandsanalyse über die Potenzialstudie bis zum Zielszenario. Alle erneuerbaren Energiequellen, so Brautsch, würden gleichberechtigt geprüft – „Nichts wird ausgeschlossen.“
Unterm Strich geht es darum, den besten, wirtschaftlichsten und gleichzeitig klimafreundlichen Weg für Bad Kissingen zu definieren.
Der Wärmebedarf wird in der Planung straßenzugsweise erfasst, Eignungsgebiete für Wärmenetze, Wasserstoff und dezentrale Lösungen ausgewiesen. Jeder bleibe frei: „Niemand wird gezwungen, am kommunalen Wärmenetz teilzunehmen. Doch je mehr mitmachen, desto günstiger wird es.“
Pflicht sei die regelmäßige Aktualisierung alle fünf Jahre.
Praktische Tipps für Eigentümer
Zum Abschluss gab der Energieberater Andreas Halboth (Münnerstadt) konkrete Hinweise für Hauseigentümer:
Bereits kleinere Sanierungen können helfen, den Wärmeverlust insbesondere älterer Häuser vom Keller bis zum Dach zu begrenzen. Eine Dachdämmung von innen, so ein Beispiel, kostet bei 150 Quadratmetern rund 4500 Euro – eine Außensanierung mit Gerüst deutlich mehr.
Der Experte rät: Auch 50 Jahre alte Häuser sollten heute nicht mehr als 600 bis 800 Euro Heizkosten verursachen. Und: „Eine Wärmepumpe ist bei richtiger Bemessung auf das Haus in jedem Fall wirtschaftlich.“
Der Trend gehe klar zu strombetriebenen Wärmeerzeugern, aber jedes Gebäude braucht sein individuelles Konzept.
Weitere Informationen: Individuelle Fragen beantwortet die Klimaschutzbeauftragte Dr. Claudia Schmitgen telefonisch unter 0971/8073340 oder per E-Mail an cschmidtgen@stadt.badkissingen.de.












