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Bad Kissinger in Südbayern
THW im Hochwasser: Zwischen Dankbarkeit und gekürztem Geld
Feuerwehr Neuburg und THW OV Bad Kissingen errichten Damm
Das Technische Hilfswerk Bad Kissingen baut zusammen mit der Feuerwehr Neuburg einen Damm in einem Industriebetrieb. // Philipp Kiesel
Bad Kissingen – Das Technische Hilfswerk aus Bad Kissingen hat bei der Hochwasserkatastrophe in Südbayern mit angepackt. Wie die Reaktion der Betroffenen war und warum das Alter des Fahrzeugs entscheidend ist.

Es war der erste große Einsatz für Janine Schoch als Ehrenamtliche für das Technische Hilfswerk Bad Kissingen. „Es war krass zu sehen, wie schnell das Wasser steigen kann“, sagt sie nach sechs Tagen im Hochwassergebiet in Süd-Bayern.  Innerhalb von zwei Stunden sei das Wasser während ihres Einsatzes bis über Kniehöhe angestiegen.

Beeindruckt war sie auch von den betroffenen Menschen vor Ort: „Sie waren so freundlich, haben sich ständig bedankt und gefragt, ob wir was zu essen oder trinken brauchen, obwohl es ihnen selbst schlecht ging.“

Gute Zusammenarbeit

Von 2. bis 8. Juni war Janine Schoch als einzige Frau zusammen mit acht Kollegen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bei Ingolstadt im Einsatz.

„Der Zusammenhalt in der Gruppe war richtig gut, jeder hat den anderen unterstützt“, berichtet die 27-Jährige, von Beruf Arzthelferin und Rettungssanitäterin.

Das sagt auch Ortsbeauftragter Philipp Kiesel, der den Einsatz geleitet hat: „Es war eine tolle Mannschaft, alle waren bereit, etwas zu tun, und auch die Zusammenarbeit mit den anderen Ortsverbänden hat gut geklappt. Es war, als hätte man schon Jahre zusammengearbeitet, obwohl man sich vorher nicht gekannt hat.“

THW Landesbeauftragter Dr. Fritz-Helge Voß und Helfer aus Bad Kissingen
THW Landesbeauftragter Fritz-Helge Voß unterhält sich mit Ortsbeauftragten Philipp Kiesel und weiteren Helfern aus Bad Kissingen. // Nicole Endres

Entlackungsfirma 80 Zentimeter geflutet

Als „Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung“ waren die Ehrenamtlichen zunächst in Neuburg mit Pumparbeiten beschäftigt.

„Neuburg hat einen guten Hochwasserschutz und ist dementsprechend glimpflich davongekommen“, berichtet Ortsbeauftragter Philipp Kiesel. Mittels Tauchpumpen wurde der Abwasserkanal eines Gewerbegebiets entlastet und leergepumpt.

„Danach haben wir die Freiwillige Feuerwehr Neuburg beim Schutz eines Entlackungsbetriebes unterstützt, der ein Schwefelsäure- und Lauge-Becken hatte. Das Firmengelände war bis 80 Zentimeter geflutet“, beschreibt Kiesel die Herausforderungen.

Pumparbeiten in dem Industriegebäude in Neuburg an der Donau
Pumparbeiten in dem Industriegebäude in Neuburg an der Donau. // Philipp Kiesel

Watfähigkeit war ausschlaggebend

Glücklicherweise war das Fahrzeug des Ortsverbands watfähig, das heißt es war darauf ausgelegt, in einer solchen Wasserhöhe zu fahren.

„Wir haben zunächst mit Tauchpumpen den Wasserstand auf 15 Zentimeter reduziert und dann innen im Gebäude einen Damm vor dem Schwefelsäure- und Lauge-Becken errichten, damit das Wasser nicht mit den Stoffen in Berührung gerät.“

Anschließend wurde bis zum Damm wieder geflutet um den Druck, der durch das Hochwasser auf die Außenmauern des Gebäudes herrschte, zu verringern. Insgesamt pumpten die Einsatzkräfte des THW Bad Kissingen ca. 15 Millionen Liter Wasser von Montagmorgen bis Mittwochmorgen.

Umweltschäden vermieden

Mitte der Woche ging es nach Schrobenhausen und der Zutrupp wurde zur „Einsatzabschnittsleitung Öl“.  

„Das heißt, wir haben Öl-Wasser-Gemisch gesammelt und zwischengelagert. Das ist dadurch entstanden, als das Wasser in Heizölkeller eingedrungen ist“, erklärt Philipp Kiesel.

Jeder Liter davon könnte Schaden in der Umwelt verursachen. Vom Sammelbecken des THW wurde es zu Separationsanlagen in Neustadt an der Donau und Augsburg transportiert und dort gefiltert.

THW Einsatz
Ein Radlader des THW Neuburg belädt den Mehrzweckkraftwagen des THW Bad Kissingen mit Behältern voller Wasser-Heizöl-Gemisch. // Philipp Kiesel

Ruhig bleiben ist wichtig

Die Menschen vor Ort seien zwar Hochwasser gewöhnt, hatten aber nicht mit dem Ausmaß gerechnet. Die Einsatzleitung musste abwägen, wem als erstes geholfen wird.

„Da kochen dann schon Emotionen hoch und man muss als Helfer ruhig bleiben und Verständnis für die Situation der Menschen aufbringen und aufklären“, berichtet Kiesel, der hauptberuflich beim Roten Kreuz als Rettungssanitäter arbeitet.

„Es ist aber niemand ausfällig geworden. Die Leute sind ja nicht auf uns persönlich sauer, sondern auf die Gesamtsituation.“

THW Einsatz
Bundesinnenministerin Nancy Faeser und THW Präsidentin Sabine Lackner hat die Ehrenamtlichen aus Bad Kissingen besucht. // NicoleEndres

Kürzen von Haushaltsmitteln Riesenfehler

Traurig findet der 27-Jährige, dass es solche Ereignisse braucht, damit Bund und Länder in den Zivil- und Katastrophenschutz investieren.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte die Helfer vor Ort besucht und sich für ihren Einsatz bedankt.

„Sie musste dann gleich zur nächsten Veranstaltung. Es besteht aber Handlungsbedarf im Katastrophenschutz. Durch das Kürzen von Haushaltsmitteln wurde ein Riesenfehler begangen. Unser Mehrzweckkraftwagen war eines der wenigen Fahrzeuge, die das geflutete Firmengelände passieren konnte, da er 80 Zentimeter Watfähigkeit besitzt.“

Neuere Modelle würde das nicht schaffen, weil sie billiger gebaut werden. Die Defizite in der Ausstattung müssen behoben werden, findet Philipp Kiesel. Denn ein Unwetter kann jederzeit wieder kommen.

Hintergrund

Das Technische Hilfswerk ist die Einsatzorganisation des Bundes für den Bevölkerungsschutz, getragen von über 80.000 ehrenamtlichen Einsatzkräften und rund 800 hauptamtlichen Mitarbeitern.

Mit technischem Fachwissen und Spezialgerät leistet das THW seit vielen Jahren auch im internationalen Bereich schwerpunktmäßig technisch-logistische Hilfe.

In den vergangenen sechs Jahrzehnten war das THW weltweit in mehr als 130 Ländern bei humanitärer Soforthilfe, Projekten und Hilfsgütertransporten im Einsatz.

 

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