Bad Kissingen heizt fossil. Das verdeutlichen die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung, die das städtische Bauamt aktuell im Stadtrat vorgestellt hat. Der Wärmeverbrauch der Stadt mit allen Stadtteilen lag im Jahr 2023 bei rund 310.000 Megawattstunden. Zu 79 Prozent davon wurde über Erdgas geheizt. Heizöl macht 13 Prozent aus, sodass nur rund sieben Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien stammen. Sechs Prozent steuert Holz bei, der Anteil von Solarthermen und Wärmepumpen liegt bei unter einem Prozent.
Soweit die Bestandsaufnahme. „Die Frage, die mit der Wärmeplanung beantwortet werden soll, ist: Wie heizt Bad Kissingen in Zukunft?“, erklärt Bauamtsleiterin Christine Schwind. Genauer gesagt: Wie lässt sich die Wärmewende organisieren, weg vom fossilen Gas, hin zu klimafreundlichen Heizungen? Sind Wärmenetze möglich, lässt sich das Erdgas durch Wasserstoff oder Biomethan ersetzen? Wo braucht es Wärmepumpen und Pelletkessel?
Stadtwerke Bad Kissingen: Geschäft mit Erdgas
Für die Wärmeplanung war das Institut für Energietechnik (IFE) in Amberg beauftragt. Eine Kernaussage der Experten: Für die Stadtwerke Bad Kissingen wird die klimaneutrale Neuausrichtung des Heizens zur großen Herausforderung. „Derzeit ist der Betrieb des Erdgasnetzes sowie der Vertrieb von Erdgas das wichtigste Geschäftsmodell der Stadtwerke“, heißt es. Aufgrund der steigenden Gaspreise und der klimapolitischen Ziele werde dieses Geschäftsmodell kontinuierlich abnehmen.
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Das Gasnetz hält das IFE aus technischer Sicht zwar grundsätzlich für geeignet, um grüne Gase zu transportieren. Dass das Erdgas aber tatsächlich durch Biomethan oder Wasserstoff getauscht wird, sei unwahrscheinlich. Dafür seien diese Gase in der Region schlicht in nicht ausreichender Menge verfügbar. „Zum aktuellen Zeitpunkt erscheint eine Versorgung einzelner Gebiete nicht realistisch umsetzbar in Bad Kissingen“, so das IFE.
Die Planer halten eine zentrale Versorgung nur in wenigen Gebieten der Stadt für realisierbar. Im Großteil der Stadt, also in den acht Stadtteilen Arnshausen, Albertshausen, Garitz, Hausen, Kleinbrach, Poppenroth, Reiterswiesen und Winkels, „sind keine Wärmenetze vorgesehen“, so der Leiter des städtischen Tiefbauamts Thomas Hornung. Gleiches werde wahrscheinlich auch für größere Teile der Kernstadt gelten. Gebäudeeigentümer seien dort auf dezentrale Lösungen wie Solarthermen, Wärmepumpen und Pelletkessel angewiesen. Denkbar seien auch „Quartierslösungen für mehrere Gebäude“, so Hornung. Etwa in der dicht bebauten Altstadt oder den Kurvierteln mit Kliniken und Hotels.
Wärmenetz rund um ehemalige Kaserne möglich
Die einzige Ausnahme befindet sich im Norden der Kernstadt, mit der ehemaligen US-Kaserne sowie angrenzenden Quartieren. Hier betreiben die Stadtwerke bereits ein Blockheizkraftwerk sowie ein Wärmenetz. Das bestehende Wärmenetz könne in Zukunft weiter verdichtet werden, so die Einschätzung der Experten.
Teile der Hennebergsiedlung (zwischen Franz-von-Prümmer-Schule und Nordring), der Bereich zwischen Schlesier- und Sudetenlandstraße am Parkfriedhof und das Quartier zwischen Bibra-, Hartmann-, Hemmerich- und Maxstraße sind aufgrund der dichten Bebauung mögliche Ausbaugebiete. Hier prüfen die Stadtwerke in einer weiteren Studie, ob sie an das bestehende Wärmenetz angeschlossen werden können. Die Studie soll im Laufe des Jahres fertig sein.
Der verbleibende Teil der Kernstadt, also etwa die großen Wohngebiete am Sinnberg, die Fußgängerzone und die Kurviertel, gelten als Prüfgebiete für ein Wärmenetz. Ob das umsetzbar ist, sei bisher nicht absehbar. Hierfür brauche es nähere Untersuchungen, die bis Ende 2027 abgeschlossen sein sollen.
Wärmewende in Bad Kissingen: Das planen die Stadtwerke
Was das für die Stadtwerke bedeutet, erläuterten die Geschäftsführer Anja Binder und Ralf Merkl. Die Wärmewende müsse „planbar, sozialverträglich und wirtschaftlich“ ablaufen, betonte Binder. Der Versorger setzt auf einen technologieoffenen Mix. Weil ein Großteil der Stadt dezentral beheizt wird, sei es Aufgabe der Stadtwerke, neue Angebote zu schaffen, vor allem auch für Wärmepumpen.
Vorgesehen sind Stromtarife für Wärmepumpen, dynamische Stromtarife, die sich am Börsenpreis orientieren, und mit intelligenten Stromzählern eine möglichst kostengünstige Steuerung von heimischen Energiesystemen ermöglichen. Vor allem sollen die Stadtwerke beratend und koordinierend aktiv werden. Das heißt, die Stadtwerke beraten Kunden zum Beispiel zum Einbau von Wärmepumpen, bereiten Angebote vor und übernehmen mit lokalen Installateuren den Einbau.
Denkbar ist auch, dass die Stadtwerke als Betreiber auftreten. „Wir wollen Anlagen vermieten, wir kümmern uns um die Installation und Wartung und die Kunden zahlen eine Miete“, sagt Binder. Hauseigentümer mit Beratungsbedarf können sich schon jetzt an die städtische Tochter wenden. In Kürze soll eine eigene Homepage zur Wärmeberatung online gehen.
Nachfragen aus dem Stadtrat
Mehrere Stadträte hatten Fragen an die Stadtwerke-Geschäftsführer, etwa wie lange die Versorgung mit Erdgas bei abnehmendem Geschäft aufrechterhalten wird, inwieweit das Stromnetz den Zubau von Wärmepumpen verkraftet (Bernd Czelustek, SPD) und ob Gewässerthermie eine Option für Bad Kissingen ist (Andreas Kaiser, Freie Wähler). Zweiter Bürgermeister Anton Schick (DBK) merkte an, dass für die Bürger weiterhin viel unklar bleibt. „Wir wissen, dass wir nicht viel wissen.“
Für die Stadtwerke gebe es viele Unwägbarkeiten. Letztlich komme es darauf an, wie schnell vor allem der dezentrale Umbau realisiert werde, so Merkl. „Wir werden unser Gasnetz noch für einige Zeit in Betrieb haben.“ Er sprach von einem Zeitraum bis 2045. Um das Stromnetz für den zu erwartenden Zubau von Wärmepumpen fit zu machen, „investieren wir in den Ausbau“. Der sukzessive Anschluss von Standardanlagen sei unproblematisch, der Lastfluss im Netz werde aber beobachtet. Für Gewässerthermie sei die Saale ungeeignet.
















