Es gibt Baustellen, bei denen der Betrachter den Eindruck hat, es geht voran. Und es gibt Dauerbaustellen, die den Eindruck erwecken, sie wären mit der Zeit vergessen worden. Zweiteres gilt für den Bahnhof in Bad Kissingen. Im Hochsommer hatte die Redaktion unserer Zeitung sich bereits einmal näher in der Anlage umgesehen und viele Mängel entdeckt. Wie sieht es jetzt, im Winter 2024 am Einfallstor nach Bad Kissingen aus? Hat sich seit Sommer etwas geändert? Hat es Verbesserungen gegeben?
Ungelöste Toilettenfrage
Ungelöst ist weiterhin die Toilettenfrage. Denn die Sanitäranlage am Bad Kissinger Bahnhof bleibt zugesperrt. Im vergangenen Sommer wurden Bahnreisende darauf hingewiesen, wo sie die nächste öffentliche Toilettenanlage in Bad Kissingen finden. Diese befindet sich 350 Meter entfernt an den Bad Kissinger Tennisplätzen. Ein solcher Hinweis fehlt mittlerweile.
Stadt: Hinweis macht keinen Sinn
"Das Hinweisschild auf das nächstgelegene WC macht aus Sicht der Stadt keinen Sinn, da auf eine Anlage verwiesen werden würde, die ca. 350 Meter entfernt steht und bei der man zahlreiche Treppen nehmen muss", teilt dazu die Stadt Bad Kissingen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Beide Seiten, also die Stadt und die Bahn, würden daran arbeiten, wieder eine Toilette zur Verfügung zu stellen. Die im Bahnhof befindliche Toilette könne wegen Vandalismusschäden nicht in Betrieb gehen, so die städtische Auskunft. Vandalismus war bereits im Sommer 2023 von der Deutschen Bahn als Grund für die Schließung angegeben worden.
Offen ist auch, wann und wie es mit dem Bahnhof weiter geht. Konkrete Informationen, wie es mit dem Bahnhof weitergehen wird, gibt es bislang nicht. Betont wird aber, dass daran gearbeitet wird, die Restaurierung auf den Weg zu bringen.
Wirtschaftliche Nutzung angestrebt
Trotz aller Probleme zeigt sich die Stadt froh, dass die Deutsche Bahn auf Initiative von Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel davon Abstand genommen habe, das Bahnhofsgebäude zu verkaufen. "Seitdem ziehen die Deutsche Bahn und die Stadt Bad Kissingen bei dem Thema an einem Strang. Beide wollen eine wirtschaftliche und angemessene Nachnutzung des historischen Gebäudes und haben dazu substantielle Vorstellungen entwickelt", heißt es in der städtischen Stellungnahme. Es werde dran gearbeitet, Bundesmittel für die Modernisierung zu erhalten.
Stadt will kleine Verbesserungen erreichen
Die Stellungnahme der Deutschen Bahn zur Situation fällt kurz aus. "Zum Umbau des Empfangsgebäudes in Bad Kissingen befinden wir uns weiterhin in Abstimmung mit den zuständigen Stellen. Wir bitten dementsprechend um ein wenig Geduld und Verständnis dafür, dass wir dem Ergebnis dieser Abstimmung nicht vorgreifen können", so eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage unserer Zeitung. "Bis es so weit ist, arbeiten beide Seiten auch daran, kleinere Verbesserungen zu realisieren", erklärt der Leiter der städtischen Pressestelle, Thomas Hack.
Der erste Eindruck
Doch die kleinen Verbesserungen sind nur schwer zu erkennen. Schon bevor überhaupt ein Fahrgast das Bahnhofsgebäude besucht, fällt ein Schaukasten ins Auge. Einst war er wohl der Speisekartenaushang der früheren Bahnhofsgaststätte. Heute schaut der Betrachter durch ein schmutziges Glas auf ein abgerutschtes Stück welliges Papier, das hier zusammen mit einigen ebenfalls abgefallenen Kunststoffblättern - wohl ein Relikt aus besseren Zeiten - sein Dasein fristet. Bereits dieser Anblick lässt erahnen, dass es um den Bahnhof nicht zum Besten steht.
Bauzaun in der Bahnhofshalle
Anders als im Sommer ist nun fast die gesamte Halle eine große Baustelle. Der abgesperrte Bereich wurde deutlich erweitert. Säulen und Boden sind ganz oder teilweise mit Planen abgedeckt. Der Blick nach oben lässt den Grund vermuten. Teilweise ist der Deckenputz abgefallen oder abgeklopft worden. Es sind deutliche Schäden erkennbar. Im Sommer waren feuchte Stellen an der Decke durch eingedrungenen Regen zu erkennen. Damals standen auch Wasserpfützen in einigen Bereichen der Eingangshalle.
Kiosk hat offen
Positiv: Wenigstens der Bahnhofskiosk ist weiterhin für die Reisenden da. Der Betrieb läuft weiter, auch wenn rundum Baustellenatmosphäre herrscht.
Am Bahnsteig wieder Sitzplätze
Durch die weiträumige Absperrung der Bahnhofshalle sind dort die Sitzplätze verschwunden. Die gab es im Sommer noch vereinzelt. Dafür sind draußen auf dem Bahnsteig wieder zwei Sitzbänke zugänglich . Das war im August nicht der Fall. Zu dieser Zeit befanden sich alle Sitzgelegenheiten hinter einem Bauzaun im abgesperrten Baustellenbereich. Dass Fahrgäste jetzt wieder am Bahnsteig sitzend auf ihren Zug warten können, ist tatsächlich eine kleine Verbesserung.
Dieser Bauzaun am Bahnsteig existiert nach wie vor. Denn das sanierungsbedürftige, historische Glasdach wartet weiter auf eine Restaurierung. Immer noch schaut der Fahrgast auf zerbrochene Glaselemente oder auf behelfsmäßige Ausbesserungen.
Gesamteindruck am Bahnhof sorgt wohl auch dafür, dass auch einige Fahrgäste vergessen, den Bahnhof ordentlich zurückzulassen. Gleich neben den Sitzbänken am Bahnsteig sind Abfallbehälter aufgebaut. Am Tag unseres Besuchs liegen die Zigarettenkippen nicht im Behälter, sondern oben auf. Viele Kippen befinden sich aber auch verstreut am Boden.
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