Immer mehr Verkehrsteilnehmer teilen sich die bestehende Verkehrsfläche, und das stelle alle vor neue Herausforderungen, so die Verantwortlichen bei der Mitgliederversammlung der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen. Als Verein, der sich für die Sicherheit aller Altersgruppen im Straßenverkehr einsetze, reagiere man mit neuen Angeboten wie der „Senioren-Fahrschule“ für ältere Verkehrsteilnehmende, einem „Pedelec-Sicherheitstraining“ oder mit einem „E-Scooter-Fahrtraining“.
Hoch über Reiterswiesen, auf dem Platz für das Fahrsicherheitstraining, trafen sich die Mitglieder, um den Geschäftsbericht von Geschäftsführer Matthias Kleren und den Kassenbericht entgegenzunehmen und das bisherige Vorstandsgremium einstimmig für weitere drei Jahre in ihren Ämtern zu bestätigen: Vorsitzender Florian Arand, stellvertretender Vorsitzender Joachim Hein, Schatzmeister Jan Freese, Geschäftsführer Matthias Kleren sowie die Kassenprüfer Heinrich Wich und Michael Erhard.
Florian Arand dankte den zahlreichen Unterstützern, vor allem dem Ausbildungszentrum der Bundespolizei Oerlenbach für die Überlassung des ehemaligen Flugplatzgeländes als Übungsplatz für das Fahrsicherheitstraining. In seinem Kassenbericht bilanzierte Jan Freese ein Defizit für das Jahr 2025, „jedoch ist unsere Finanzlage weiterhin sehr gut“. Vor allem das Fahrsicherheitstraining für junge Fahranfänger sei defizitär, trotz eines Eigenanteils der Teilnehmer und der Unterstützung durch die Sparkasse Bad Kissingen.
Sicherheitsdreiecke für Erstklässler
Im Mittelpunkt stand der Geschäftsbericht 2025 für den Verein, dem 115 Personen, Gemeinden, Firmen und Organisationen angehören. Matthias Kleren berichtete von den drei Verkehrserziehern, die über den sicheren Einsatz von Kindersitzen informieren und Abc-Schützen mit Sicherheitsdreiecken ausstatten – mittlerweile landkreisweit rund 1100 Erstklässler. Außerdem seien an acht Schulen im Landkreis 174 Schülerlotsen und 129 Verkehrshelfer beziehungsweise Schulbushelfer im Einsatz, die von der Kreisverkehrswacht betreut werden.
Kritik gab es an den Eltern, die ihre Kinder im Pkw bis vor die Schulen und Kindergärten fahren und sich nicht um Halte- und Parkverbote kümmerten.
Radfahrprüfung und Thema „Toter Winkel“
520 Grundschulkinder haben im Schuljahr 2024/25 an der Radfahrprüfung teilgenommen, so Matthias Kleren. Zusätzlich gab es Unterrichtseinheiten zum Thema „Toter Winkel“ und das Schulwegtraining für 420 KiTa-Kinder. An weiterführenden Schulen präsentierten die Verkehrserzieher „Alkohol-Brillen“ und einen „Rauschbrillen-Parcours“, um die Auswirkungen von Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr zu verdeutlichen.
An junge Fahranfänger wendet sich die Kreisverkehrswacht mit einem „Ablenkungssimulator“, damit man erkennt, wie gefährlich die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt ist. Bei den Erwachsenen steht das Fahrsicherheitstraining für Fahranfänger an erster Stelle.
Zwei Fahrstunden mit Fahrlehrer für ältere Teilnehmer
In den bewährten Händen von Edgar Kast liegt die Betreuung älterer Menschen, ein immer wichtigeres Thema, „denn in Deutschland ist jeder vierte Führerscheininhaber 65 Jahre und älter“. Auch sind die Unfallzahlen dieser Altersgruppe gestiegen, in Unterfranken von 3142 auf 3339 Unfälle. Dem möchte man mit der „Senioren-Fahrschule“ begegnen. Ideell und finanziell unterstützt die Kreisverkehrswacht Bad Kissingen zwei Fahrstunden mit einem Fahrlehrer, damit die Fahrkompetenz aufgefrischt wird. „Leider hat 2025 nur eine Person diese Möglichkeit genutzt“, so Matthias Kleren, „aber aktuell haben sich schon zwei Personen dafür angemeldet.“
Darüber hinaus haben knapp 200 Personen an den Rollatoren-Kursen teilgenommen, die Edgar Kast veranstaltet. Seit 50 Jahren bei der Kreisverkehrswacht aktiv, war er Projektleiter und Geschäftsführer und wurde vielfach für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Am Ende dankte Kleren für die großzügigen Spenden, die die Anschaffung eines E-Scooters ermöglicht haben. In der abschließenden Diskussion monierten die Mitglieder, dass es für E-Scooter und E-Bikes keine Helmpflicht gebe, „aber jeder Mofa-Fahrer muss einen tragen“.
Der Fachvortrag bei der Generalversammlung der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen wurde ersetzt durch einen vertieften Einblick in das Fahrsicherheitstraining, den Projektleiter Hermann Wirsching anhand eines aufgebauten Parcours auf der Übungsfläche erklärte.
Fast 9000 Fahranfänger bei den Trainings
Seit 1988 gibt es diese Möglichkeit, auf einer abgesperrten Fläche unter der Anleitung von versierten Fahrausbildern die Grenzbereiche seines Autos kennenzulernen. Mittlerweile haben an den 588 Fahrtrainings fast 9000 Fahranfänger teilgenommen. 2025 waren es 156 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei elf Übungstagen.
Für Hermann Wirsching sind es intensive Kurse, die jeweils von vier Fahrtrainern angeleitet werden und rund sieben Stunden dauern. Die rund 15 Teilnehmer tragen einen Eigenanteil in Höhe von 25 Euro, der Rest werde durch ein Sparkassen-Sponsoring aufgebracht. Vorgeschaltet ist immer eine Theoriestunde, in der Wissen zu ABS, ESP oder Fahrdynamik vermittelt wird.
Dann geht es auf das Übungsgelände der Bundespolizei Oerlenbach, wo praxisnahe Verkehrsstationen nachgebaut sind. Geübt werden das Einparken in engen Parkhäusern, das „Wenden in drei Zügen“, das Einparken mit Hilfe des Außenspiegels oder mittels der elektronischen Einparkhilfe in modernen Pkw.
Im Kreisverkehr geht es um die Eigendynamik des Fahrzeugs, das bei zu hohem Tempo über das Heck ausbrechen kann. Mit einer gewässerten Fahrspur wird Schneeglätte simuliert, die den Bremsweg entscheidend verlängert, und beim Slalomfahren im schnellen Wechsel erlebt man, wie das Fahrzeug instabil wird. Gefahrenbremsen bei überraschenden Ereignissen wird ebenso geübt wie das Lenken durch versetzte Engstellen mit „Gas-Kupplung-Spiel“.
Zehn Trainer am Start
„Über den AHA-Effekt der Teilnehmer wollen wir zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen“, sagt Herman Wirsching. Dafür stehen insgesamt zehn Trainer bereit, die auch als erfahrene Ausbilder bei der Bundespolizei tätig sind.
Das Fahrsicherheitstraining soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer „vom Wissen zum automatischen Reagieren in gefährlichen, überraschenden Situationen“ bringen, so Wirsching, der die Qualität der Trainingseinheiten lobt und auf die durchgehend positiven Rückmeldungen der jungen Fahranfänger verweist.










