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Glasfaser für ganz Kissingen: Entscheidende Tage
Die große Mehrheit  der Bad Kissinger hat bisher noch keinen Glasfaseranschluss. Die Stadtwerke wollen das bis Ende 2025 ändern.
Die große Mehrheit der Bad Kissinger hat bisher noch keinen Glasfaseranschluss. Die Stadtwerke wollen das bis Ende 2025 ändern. // Carsten Rehder/dpa
Ralf Merkl, Stadtwerke Bad Kissingen
Ralf Merkl, Stadtwerke Bad Kissingen // Benedikt Borst
Bad Kissingen – Für den Glasfaserausbau der Stadtwerke braucht es eine Mindestzahl an Haushalten. Ob das Projekt scheitert oder nicht, wird sich bald zeigen.

Es ist ein großes und ambitioniertes Infrastruktur-Projekt, das sich die Stadtwerke Bad Kissingen bis Ende 2025 vorgenommen haben: die Große Kreisstadt vollständig mit einem Glasfasernetz zu erschließen. Bislang gibt es Glasfaser in Bad Kissingen nur vereinzelt, nicht mehr als vier bis fünf Prozent aller Haushalte dürften nach Schätzung der Stadtwerke einen haben.

Aktuell läuft die Vermarktungsphase für den Ausbau; das heißt, die Stadtwerke versuchen genügend Haushalte zu finden, die sich anschließen lassen wollen. Hauseigentümer können bis 6. Januar einen Antrag bei den Stadtwerken stellen, der vertraglich regelt, dass Glasfaser bis ins Gebäude gelegt wird.

Jeder dritte Haushalt müsste sich anmelden

Rund 15.000 Haushalte gibt es nach Angaben der Stadtwerke in Bad Kissingen. Damit der Ausbau sich wirtschaftlich für das Unternehmen rechnet, müsse sich rund jeder dritte Haushalt verbindlich anmelden.

Warum? Um ein Glasfasernetz aufzubauen, braucht es laut Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Zimmer umfangreiche und teure technische Vorinstallationen. Diese lohnen sich ab einer kritischen Masse von Kunden. Wie viele Haushalte sich bis zum 6. Januar bei dem städtischen Tochterunternehmen angemeldet haben, entscheidet also darüber, ob das Glasfasernetz der Stadtwerke tatsächlich kommt oder scheitert.

Großes Interesse in den Stadtteilen von Bad Kissingen

Die Verantwortlichen zeigen sich zuversichtlich. „Das Interesse in der Stadt ist groß und nimmt derzeit deutlich zu“, sagt Ralf Merkl, Leiter Unternehmensentwicklung und Energiewirtschaft. Die Infoveranstaltungen seien gut besucht gewesen, allein im Stadtteil Arnshausen waren mehr als 100 Personen anwesend. Und: „Viele Unternehmen und die Wohnungswirtschaft unterstützen unsere Idee eines flächendeckenden Glasfasernetzes aktiv“, betont er.

Keine belastbaren Zahlen 

Belastbare Zahlen, wie viele Anträge bereits gestellt wurden, kann das Unternehmen derzeit nicht liefern. Merkl verweist auf einen hohen Krankenstand und darauf, dass die Anträge zunächst erfasst und auf Vollständigkeit geprüft werden. „Wir wissen aber, dass sehr viele Anträge in den Haushalten liegen“, versichert er. Er geht davon aus, dass viele Interessierte ihre Anträge erst in den letzten Tagen einreichen, ähnlich wie bei der Steuererklärung.

Merkl appelliert an Hauseigentümer, den Antrag rechtzeitig abzugeben und offene Fragen schon möglichst vorab zu klären, um Gedränge im Beratungsbüro auf dem Salinenparkplatz oder lange Warteschleifen in der Beratungshotline zu vermeiden.

Glasfaseranschluss als Wertsteigerung für eigene Immobilie

Es falle auf, dass der Glasfaseranschluss nicht nur bei jüngeren, sondern auch bei älteren Hauseigentümern auf Interesse stößt. „Uns kontaktieren viele ältere Hausbesitzer, die die Chance auf eine Wertsteigerung nutzen wollen“, berichtet Merkl.

Großes Interesse an dem Ausbau registrieren die Stadtwerke insbesondere in den Stadtteilen. „Das liegt sicherlich an der oftmals schlechteren Leitung. Und in den Ortschaften weiß man, dass es ohne das kommunale Projekt sehr lange dauert, bis ein Glasfasernetz auch dort gebaut wird“, erklärt er.

Bürgermeister Vogel befürwortet Ausbau durch Stadtwerke

Dass die Stadtwerke den Glasfaserausbau übernehmen, künftig als Internet- und Telefonanbieter agieren und damit als lokaler Konkurrent zu Branchenriesen wie der Telekom und Vodafone auftreten, ist eine politische Entscheidung der Stadt.

Für Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) liegt das Hauptargument auf der Hand: Wenn die Stadtwerke den Ausbau übernehmen, wird verhindert, dass sich Branchenriesen beim Ausbau nur lukrative Filetstücke im Zentrum herauspicken, während die Stadtteile das Nachsehen in Sachen Glasfaser haben.

Was Hausbesitzer zum Glasfaserausbau wissen wollen

Die Gründe, warum sich Hausbesitzer mit dem Glasfaserausbau beschäftigen, sind vielfältig: Manche sehen den Glasfaseranschluss als Wertsteigerung der eigenen Immobilie. Andere überlegen, weil sie aktuell eine schlechte Datenleitung haben, für wieder andere ist es entscheidend, die eigenen vier Wände darauf vorzubereiten, dass die Datenmengen mit zunehmender Digitalisierung weiter steigen.

Nachfolgend beantwortet Ralf Merkl von den Stadtwerken drei häufige Fragen, die in den Beratungsgesprächen gestellt werden.

1. Was, wenn auf dem Grundstück nicht gebuddelt werden und der Garten oder die Auffahrt geschützt werden soll?

Ralf Merkl: Unser Ziel ist, so wenig wie möglich zu graben. Damit die Verlegung des Glasfaseranschlusses so erfolgt, wie Sie es wünschen, vereinbaren wir vor dem Beginn der Arbeiten einen Begehungstermin. So können wir alle notwendigen Details besprechen

Auch wird so sichergestellt, dass bei der Verlegung keine anderen Leitungen beschädigt werden. Wann immer möglich, bevorzugen wir den Einsatz eines Bodenverdrängungsverfahrens mittels der sogenannten Erdrakete. In diesem Verfahren werden zwei Gruben (Start- und Zielgrube) mit je einem Quadratmeter Größe ausgehoben.

Die Erdrakete wird mit Druckluft durch Erdreich oder Gestein getrieben. Das Erdreich wird verdrängt und es entsteht eine Erdröhre, in die ein Kabelschutzrohr oder Mikrorohr oft im gleichen Arbeitsgang von der Erdrakete eingezogen wird. Sollte dieses schonende Verfahren bei Ihnen nicht möglich sein, werden gemeinsam vor Ort Alternativen besprochen.

2. Was passiert mit dem bisherigen Anschluss?

Wir erstellen eine neue, zukunftsfähige Infrastruktur. Da das Glasfasernetz komplett unabhängig und parallel zum bereits existierenden Kupfernetz errichtet wird, bleibt die vorhandene Netzinfrastruktur unverändert bestehen. Wenn es sich um die bestehende Telefonleitung handelt, wird diese ohnehin nicht angerührt.

Auch wenn Sie ihre alte Kupferleitung nicht mehr nutzen, bleibt diese bestehen. Nicht mehr genutzte Endgeräte, wie zum Beispiel gemietete Router senden Sie nach Vertragsende an Ihren alten Anbieter zurück. Die Verkabelung in Ihrem Haus können Sie weiterverwenden. Bei verlegten Netzwerkkabeln sollte man prüfen, ob die Übertragungsraten der Netzwerkkabel ausreichen.

3.  Wie kommt die Glasfaser ins Haus?

Mit der Hauseinführung verbinden wir Ihren Anschluss mit dem Glasfasernetz. Dabei wird das Leerrohr durch die Wand zum Hausübergabepunkt verlegt. Auch dies geschieht nach Absprache, mit dem möglichst geringsten Aufwand und an einem von Ihnen bestimmten Punkt.

Die geeignete Variante wird bei der gemeinsamen Grundstücksbesichtigung festgestellt und im Begehungsprotokoll dokumentiert. Die Hauseinführung sollte unterhalb des Außenniveaus vorgesehen werden, um mutwillige Beschädigungen zu erschweren. Die Zuleitung zum Haus erfolgt in der Regel durch eine Bohrung in 60 Zentimeter Tiefe.

Lediglich ein kleiner Aushub an der Hauswand ist notwendig, um das Leerrohr in Empfang zu nehmen und in das Gebäude zu führen. In Einzelfällen muss der Trassenbau in offener Bauweise erfolgen. Für die Hauseinführung ist eine Bohrung von 20 Millimetern Durchmesser erforderlich.

Diese wird von der bauausführenden Fachfirma vorgenommen und nach Durchführung des Leerrohres luft- und wasserdicht verschlossen. Sollte ein geeignetes Leerrohr vor Ort liegen, können wir auf eine Bohrung verzichten.

Informationen zum Projekt

Wer bis 6. Januar seinen Antrag bei den Stadtwerken stellt, erhält den Glasfaseranschluss kostenlos ins Haus gelegt und verpflichtet sich im Gegenzug, die Stadtwerke als Internetanbieter zu nutzen. Das Beratungsbüro ist geöffnet von Montag bis Freitag (10 bis 18 Uhr) und Samstag von 9.30 bis 13.30 Uhr. Telefonischer Kontakt unter 0800/826 82 61, E-Mail an kontakt@kissconnect.de  sowie weitere Informationen unter www.kissconnect.de.  

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