Robert Manhardt führt über die Baustelle am Bad Kissinger Kurgarten und berichtet über den Baufortschritt für das künftige, 30-Millionen Euro teure, Vier-Sterne-Superior Sonnenhof Hotel. Er ist sichtbar erleichtert und deutet auf die Betonplatte, auf der einmal das Hauptgebäude seines Hotels stehen wird: „Das war das heißeste Eisen“, sagt er. Warum?
Das Areal befindet sich direkt über dem Heilwasser des Maxbrunnens. Entsprechend vorsichtig muss bei den Bauarbeiten vorgegangen werden, um die Quelle zu schützen. Ein Risiko während der Erdarbeiten war, dass Heilwasser in die Baustelle eindringen könnte oder die Quelle verunreinigt wird. Manhardt durfte für den Neubau des Haupthauses zum Beispiel nicht zu tief in die Erde graben. „Wir sind 1,20 Meter tief in den Boden“, sagt er.
Deckel aus Spezialbeton schützt den Maxbrunnen
Alles ist reibungslos gelaufen. „Die Baustelle läuft sehr gut, was den Heilquellenschutz angeht“, bestätigt Hartmut Holzheimer vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen. Er beaufsichtigt den Schutz des Maxbrunnens. Das Monitoring ist sehr engmaschig: Die Staatsbad GmbH überwacht die täglich gemessenen Daten der Quelle, zudem wird einmal pro Woche Wasser entnommen und in einem Labor untersucht.
„Wir hatten keinen Grundwassereintrag und keine Verunreinigungen während der Arbeiten. Wir haben jetzt sogar einen besseren Schutz als vorher. Der heißeste Punkt der Arbeiten ist geschafft“, meint Holzheimer.
Die Erdarbeiten waren allerdings nicht einfach. Das Areal ist sehr geschichtsträchtig. 1739 errichtete Balthasar Neumann dort ein erstes Kurhaus, das sich später zum königlichen Kurhaushotel entwickelte. Dieses wiederum wurde bis zur Schließung 2010 von der Nobelkette Steigenberger betrieben. 2014 wurde das Gebäude abgerissen. Entsprechend viele Überreste fanden sich in der Erde. „Das war kein Aushub, sondern ein Abriss“, berichtet Bauherr Manhardt. Was im Boden lag, sei ein Überraschungsei gewesen.
Alte Fundamentteile wurden gefunden und beseitigt, ebenso wie alte Versorgungsleitungen, Schächte und andere Überbleibsel. „Wir haben zum Teil nicht erkennen können, was das ist“, erzählt Manhardt. Die Arbeiten wurden von archäologischen Fachleuten begleitet.
Nach dem Aushub wurde vergangene Woche eine etwa 20 Zentimeter starke Sauberkeitsschicht aus Spezialbeton betoniert. Das Material ist beispielsweise besonders Kohlensäure beständig. Die Sauberkeitsschicht gewährleistet, dass das Heilwasser einerseits von unten das Fundament nicht angreift und andererseits von oben keine Verunreinigungen ins Heilwasser gelangen. „Das ist wie ein Deckel, auf dem wir dann das Hotel bauen“, erklärt der Bauunternehmer und Hotelbetreiber. Auf die Spezialschicht wird später das eigentliche, rund ein Meter starke Fundament betoniert und anschließend das Hotel hochgezogen.
Rohbau für Gebäude Zwei soll in den nächsten Wochen stehen
Bis der Rohbau für das Hauptgebäude in Angriff genommen wird, dauert es allerdings noch. Zunächst wird der Rohbau für das Haus 2 errichtet. Solange nutzt Manhardt die Sauberkeitsschicht als Rampe, um darüber schweres Material mit dem Lkw für Haus 2 auf diesen Teil des Grundstücks zu liefern.
Das zweite Hotelgebäude wird auf die noch bestehende Steigenberger-Tiefgarage und die Fundamente des früheren Kurgastzentrums aufgesetzt. Aus statischen Gründen – der Neubau darf nicht zu schwer für die alten Fundamente werden – sind nur das Erdgeschoss sowie das Treppenhaus samt Aufzugschacht betoniert. „Die Fundamente können wir baulich nicht verbessern, deshalb müssen wir leichter bauen“, erklärt Manhardt.
Die drei Obergeschosse werden mit Holzfertigbauteilen aufgebaut. „Was das Betonieren angeht, ist der Rohbau für Haus 2 bereits fertig. Ab Mitte Juni werden wir beginnen, die Obergeschosse zu stellen. Der Rohbau soll dann innerhalb von etwa vier Wochen fertig sein“, sagt er. Sprich: Noch vor dem Rakoczy-Fest Ende Juli könnte dieser Rohbau vollständig stehen.
Gartenteich beschwert die Tiefgarage
Was ist seit dem Baustart Anfang des Jahres noch auf der Baustelle für den Steigenberger-Nachfolger passiert? Manhardt hat neben dem Schutz der Heilquelle noch eine weitere große Herausforderung erfolgreich abgehakt: Die Tiefgarage gegen Auftrieb zu sichern. Die Tiefgarage hat in den vergangenen Jahren vielen Planern Kopfzerbrechen bereitet. Seit dem Abriss 2014 bestand die Gefahr, dass das Grundwasser im Boden sie nach oben drückt, weil das Gewicht der Gebäude darüber fehlt. Deshalb wurde sie mit Big-Bags voller Sand beschwert. Dieser wurde inzwischen weggeräumt.
„Wir haben das pragmatisch gehandhabt und haben den Auftrieb im Griff“, schildert Manhardt. Für die notwendige Last, um die Tiefgarage an Ort und Stelle zu halten, sorgt ein 1600 Quadratmeter großer Teich, der auf dem Dach des Parkdecks hinter dem Hotelgebäude angelegt wurde. Im Teich wird später ein Pavillon für die Hotelgäste stehen, den sie über Stege vom Hotel aus erreichen. „Ich bin froh, dass es so funktioniert und dass wir die Tiefgarage ohne Eingriffe in den Untergrund sanieren können“, betont er. Die Arbeiten beschränken sich auf das Innere der beiden Parkdecks.
Das geplante Sonnenhof Hotel Bad Kissingen
Das Vier-Sterne-Superior Hotel wird aus 103 Zimmern, 16 Suiten, Tagungsräumen, Restaurant, Lobby sowie einem Fitness- und Wellnessbereich mit Indoor-Pool und Sauna bestehen. Im Haupthaus finden sich Lobby mit Gastronomie, darüber die Gästezimmer und im Dachgeschoss Fitness- und Wellness. In Haus zwei kommen die Tagungsräume, die Suiten sowie ein Personalbereich unter.

















