0
Komplexe Arbeiten
Turniergebäude: Auf 100 Metern in der Luft hängend
Sanierung Turniergebäude
Stefan Richter vom Ingenieurbüro Federlein plant die denkmalgerechte Sanierung des Turniergebäudes // Benedikt Borst
Bad Kissingen – Für zwei Millionen Euro wird das marode Tribünengeschoss erneuert - denkmalgerecht. Das macht den Bauablauf komplex. Das Dach muss einige Zeit auf der gesamten Länge frei in der Luft schweben.

Über Jahrzehnte ist das Turniergebäude in der Au verfallen, dieser Tage startet die Sanierung, die sich die Stadt, der Bund und der Denkmalschutz zwei Millionen Euro kosten lassen. "Wir sanieren das Tribünengeschoss", sagt Jochen Seufert, Projektleiter vom städtischen Hochbauamt.

Die Lager- und Veranstalterräume im Parterre sind so weit in einem guten Zustand und benötigen keine Erneuerung. Aber das Dach, die Holzkonstruktion des Tribünengeschosses, der Stahlbetonboden (gleichzeitig die Decke der Räume im Parterre) sowie die Treppen sind marode, morsch und zum Teil einsturzgefährdet.

Die schadhaften Teile müssen abgerissen und durch neue ersetzt werden. "Es war nie das Hochwasser, das dem Gebäude zugesetzt hat, sondern Regenwasser", erklärt Seufert.

So viel retten, wie möglich

Bei den Arbeiten an dem fürs Welterbe wichtigen Gebäude gilt die denkmalpflegerische Forderung: Das, was sich von der 100 Jahre alten Originalkonstruktion retten lässt, soll erhalten werden – der Rest wird ein zu eins so ersetzt, wie es einmal war.

Das Turniergebäude soll nach der Sanierung genauso aussehen wie zur Errichtung 1922. "Vielleicht lässt sich die Hälfte der Konstruktion erhalten. Das lässt sich jetzt schwer sagen", meint Seufert. Der südliche Teil des Turniergebäudes zum Flugtower hin befindet sich in einem besseren Zustand, im nördlichen Teil ist es deutlich baufälliger.  

Sanierung Turniergebäude
Jochen Seufert vom städtischen Bauamt begutachtet die marode Holzkonstruktion. Ohne Stützpfeiler wäre das Turniergebäude in der Au vielleicht schon eingestürzt. // Benedikt Borst

 Die Vorgabe, möglichst viel zu erhalten, macht den Bauablauf aufwendig und komplex, erklärt Architekt Stefan Schneider vom beteiligten Ingenieurbüro Federlein. Es gibt keinen kompletten Abriss, bei dem das Tribünengeschoss Stück für Stück verschwindet und wieder neu in die Höhe wächst.

Das Dach muss auf der gesamten Länge von außen mit einem Gerüst abgestützt werden, damit die Arbeiter den Betonboden und die Holzpfeiler entfernen können. "Wir hängen das Gebäude auf 100 Meter in die Luft", sagt Schneider.

Schmuckstück: historische Tribüne

Was wird alles gemacht? Die Treppen werden abgerissen und neu betoniert, genauso der Boden. Laut Seufert bleiben jedoch die Treppenfassaden aus Natursandstein stehen. Die morschen Stützpfeiler werden abgesägt und entfernt. Die Holzgeländer sind morsch. Sie werden abgebaut und durch neue ersetzt. 

Aktuell ist das Turniergebäude durch Zwischenwände in drei Abschnitte aufgeteilt. Einst war es durchgängig und besaß eine 100 Meter lange Tribüne. Diese ist jedoch nur noch im Mittelteil vorhanden, im nördlichen und südlichen Teil wurde sie schon vor langer Zeit entfernt.

Die historische Schrägtribüne mit den originalen Holzbänken im Mittelteil ist so etwas wie das Schmuckstück des Turniergebäudes. "Die Tribüne bekommt während der Arbeiten eine eigene Beplankung zum Schutz", sagt Schneider. Die Bänke werden abmontiert und kommen in eine Fachfirma zur Restauration. 

Abbrucharbeiten laufen im Februar und März 

Im Februar und März sollen laut Zeitplan die Abbrucharbeiten laufen. Im Frühjahr folgt die Wiederbetonierung. Am meisten Zeit werden die Zimmerleute benötigen: In der Zeit von Mai bis August bessern sie die ganze Holzkonstruktion aus. Gegen Ende des Jahres ist das Dach an der Reihe.

Die Arbeiten sollen 2024 fertig werden. Kleinere Ausbesserungen sind auch am Parterre angedacht. Im Norden haben sich Steine aus der Außenmauer gelöst. Die schadhafte Stelle ist auszubessern. Außerdem werden Verputzer schadhafte Stellen am Putz aufarbeiten und die Fassade neu streichen.

Konzerte am und im Turniergebäude

Nach der Sanierung plant die Stadt, das Turniergebäude wieder für Veranstaltungen zu nutzen, sei es als Tribüne für das Rakoczy-Reitturnier des Kissinger Reitvereins, sei es für Events der Segelfluggemeinschaft oder für Kulturelles wie etwa Konzerte.

"900 Personen haben als Zuschauer auf dem Turniergebäude Platz", sagt Seufert. 300 Sitzplätze auf der historischen Tribüne sind möglich, links und rechts je 300 Stehplätze. "Es ist auch möglich, die Nutzung zu spiegeln", sagt der Projektleiter. Das heißt: eine Theateraufführung oder eine Band nutzen das Turniergebäude als Bühne, während die Zuschauer davor auf der Wiese in der Au stehen oder sitzen. 

Lesen Sie auch zur Sanierung des Turniergebäudes:

Inhalt teilen
  • kopiert!