Was bleibt, wenn man einen Arbeitstag im Pflegeheim beendet und nach Hause geht? Für viele Mitarbeitende sind es nicht nur erledigte Aufgaben, dokumentierte Pflegeleistungen oder Gespräche mit Angehörigen. Es sind Begegnungen. Ein Satz, ein Lächeln, eine Geschichte oder manchmal auch ein Moment der Stille, der noch lange nachwirkt.
Wer täglich mit älteren Menschen arbeitet, begleitet sie in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Dabei entstehen Beziehungen, die über die reine Versorgung hinausgehen. Und manchmal sind es gerade die Bewohnerinnen und Bewohner, von denen die Mitarbeitenden selbst etwas mitnehmen.
Gelassenheit statt Hektik
„Ich glaube, dass man durch die Arbeit mit älteren Menschen lernt, Dinge anders zu betrachten. Was einem früher wichtig erschien, wird manchmal plötzlich ganz klein“, erzählt eine Mitarbeiterin aus dem Mainleuser Stift.
Gerade im Alltag erleben die Mitarbeitenden, dass nicht immer alles schnell gehen muss. Ein Bewohner möchte noch von früher erzählen, eine Bewohnerin braucht etwas länger für den Weg zum Frühstück oder ein Gespräch entwickelt sich ganz anders als geplant. Zeit und Geduld bekommen dadurch einen anderen Stellenwert. Man lernt, nicht immer alles sofort erledigen zu müssen. Manchmal ist es wichtiger, einfach da zu sein und zuzuhören.
Diese kleinen Begegnungen gehören zum Alltag in den Einrichtungen der Diakonie Kulmbach. Pflege bedeutet dabei nicht nur Unterstützung bei der täglichen Versorgung. Ebenso wichtig sind persönliche Beziehungen, Gespräche und das Wissen darum, was einem Menschen guttut.
Von Geschichten lernen
Viele Bewohnerinnen und Bewohner blicken auf Jahrzehnte voller Erfahrungen zurück. Sie haben Familien gegründet, Berufe ausgeübt, Krisen erlebt, schöne Zeiten genossen und Veränderungen bewältigt. Für die Mitarbeitenden bedeutet das auch, immer wieder ganz persönliche Lebensgeschichten kennenzulernen.
Dabei entstehen manchmal Gespräche, die über den eigentlichen Arbeitsalltag hinausgehen. Ein Bewohner erzählt von seinem früheren Beruf, eine Bewohnerin erinnert sich an ihre Kindheit oder jemand berichtet von einem Menschen, der ihm besonders viel bedeutet hat. Für die Mitarbeitenden sind solche Geschichten ein Teil ihrer täglichen Arbeit – und zugleich eine Bereicherung.
Dankbarkeit für kleine Dinge
Eine weitere Erfahrung, die viele Mitarbeitende teilen, ist ein bewussterer Blick auf die kleinen Dinge des Alltags. Gemeinsam einen Kaffee trinken. Einen Spaziergang machen. Musik hören. Ein vertrautes Gesicht sehen. Selbstständig zum Frühstück kommen. Für jüngere Menschen sind solche Momente in der Regel selbstverständlich. Für Menschen, die im Alter auf Unterstützung angewiesen sind, können sie eine besondere Bedeutung bekommen.
„Man wird dankbarer für Dinge, über die man vorher gar nicht nachgedacht hat“, sagt eine Mitarbeiterin. „Und man merkt, dass Lebensqualität nicht unbedingt etwas Großes sein muss.“
Auch für Jürgen Konrad, Fachbereichsleitung Wohnen und Pflege für Senioren der Diakonie Kulmbach, gehört dieser Aspekt zum Wesen der stationären Pflege: „Unsere Mitarbeitenden begleiten Menschen in einer wichtigen Lebensphase. Dabei geht es nicht nur darum, was wir für die Bewohner tun. Auch die Begegnungen und Beziehungen, die dabei entstehen, geben unseren Mitarbeitenden etwas zurück.“
Arbeit, die persönlich prägt
Dass die Arbeit in einer Pflegeeinrichtung fachlich anspruchsvoll ist und Verantwortung mit sich bringt, steht außer Frage. Gleichzeitig ist sie geprägt von persönlichen Begegnungen. Mitarbeitende erleben Freude und Humor, aber auch Krankheit, Abschied und Trauer.
Diese kleinen Momente
„Natürlich gibt es Tage, die anstrengend sind. Aber es gibt auch diese kleinen Momente, in denen man merkt: Genau deshalb mache ich diese Arbeit“, beschreibt Kerstin Tremel, Heimleitung des Mainleuser Stifts. „Wenn ein Bewohner sich freut, dass ich da bin, oder wenn wir gemeinsam über etwas lachen, dann ist das sehr viel wert.“
Vielleicht ist es deshalb nicht nur die Frage, was Mitarbeitende in den Einrichtungen leisten, die den Pflegeberuf ausmacht, sondern auch die Frage, was sie selbst durch die Menschen lernen, die sie täglich begleiten.









