Tischtennis
Königshofen verliert und Albert ist nicht traurig
Die erste Niederlage für das Doppel Bastian Steger (rechts)/Martin Allegro bedeutete die 2:3-Niederlage gegen Ochsenhausen.
Die erste Niederlage für das Doppel Bastian Steger (rechts)/Martin Allegro bedeutete die 2:3-Niederlage gegen Ochsenhausen.
Rudi Dümpert
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Bad Königshofen im Grabfeld – Der TSV Bad Königshofen liefert sich wieder ein unfassbar spannendes und enges Bundesliga-Match und muss am Ende dem Gast gratulieren. Die 2:3-Niederlage war dennoch Werbung für den Sport.

Die großen Fische im Tischtennis-Bundesliga-Teich sind in dieser Saison die Leibspeise des TSV Bad Königshofen. Nur an den TTF Liebherr Ochsenhausen haben sich die Grabfelder zum elften Mal im dreizehnten Vergleich verschluckt: Nach den Niederlagen in der Liga und im Pokal in der Vorrunde gab es diesen Sonntag eine knappe 2:3-Heimniederlage, durch ein 2:3 im Entscheidungsdoppel.

Tischtennis auf Weltklasse-Niveau

„Ich bin nicht traurig“, gestand der TSV-Manager Andy Albert hinterher. „Sieger war heute die Sportart, und ich bin stolz auf unsere Jungs. Sie haben den Zuschauern dreieinhalb Stunden Tischtennis auf Weltklasse-Niveau geboten.“ Der Lokalmatador Kilian Ort, Erfolgsgarant beim Sensationssieg in Düsseldorf, besorgte seiner Mannschaft die 1:0-Führung, weil er so nebenbei erfolgreich Revanche an dem jungen Polen Samuel Kulczychi nahm. Es war ein hartes Brot, das er erst weich kauen musste. Doch das Motivations- und Konzentrations-Monster Ort kämpfte sich durch den zweiten Satz, löste die Bremsbacken und pushte sich mit seinem „Gut“ und der Ort-Faust zum 3:1-Sieg und der 1:0-Führung: Im dritten Satz noch mit 13:11, wurde der Matchwinner von Düsseldorf im vierten zum Dosenöffner gegen Ochsenhausen.

Dass Filip Zeljko eine Chance haben würde gegen den Halbfinalisten von Durban und Europameister-Dang-Qiu-Besieger Simon Gauzy (WR-33.), ihn von seinem Flow herunter zu holen, war nur im ersten Satz (14:16) zu hoffen. Danach spielte der Franzose zu überlegen, mit mehr Varianten im Spiel und weniger Fehlern. Dass Bastian Steger sein Team gegen den spanischen Meister Alvaro Robles nicht erneut in Führung bringen konnte, lag daran, dass er zwei Sätze (7:11/11:13) benötigte, ehe er ihm auf die Schliche gekommen war.

Die Hypothek war doch zu hoch

Im zweiten hatte er wenigstens den Schlüssel gefunden, mit dem er Zugang zum dritten und vierten (11:7/11:9) bekam. Doch im fünften Durchgang sah der spanische TT-Torero Rot, weil es im Fall seiner Niederlage stark nach Niederlage für sein Team gerochen hätte. Denn Kilian Ort war wieder mal alles zuzutrauen. „Ich bin sonst eigentlich immer gut gegen ihn zurechtgekommen“, ärgerte sich Steger hinterher.

Immer ist beim Tischtennis eben nicht mit unendlich gleichzusetzen. Die Hypothek der ersten beiden Sätze war halt doch zu hoch. Das Spitzeneinzel dieses Duells bestritten somit zwei der derzeit besten Spieler der Liga, Kilian Ort gegen Simon Gauzy. Bereits im ersten Satz weckte „Killy“ Hoffnungen, die er hinterher auch erfüllen konnte - 11:8. Im zweiten Durchgang schien der Königshöfer Leader alle taktischen Fesseln abwerfen zu wollen. Es kam nämlich zu sensationellen Ballwechseln, bei denen jede Mathematik und Geometrie außer Kraft gesetzt wurde. Der Preis: zunächst 8:11 gegen Ort. Doch er hatte sich dabei in so einen Rausch gespielt, sich immer häufiger, auch bei unspektakulär aussehenden Bällen, mit „gut“ gepusht, dass er diesen mit 11:4 und den vierten mit 11:9 für sich und sein Team entschied.

Und dabei nach dem Matchball kurzerhand die Sportart wechselte, indem er wie ein Hochspringer abhob, so dass sich manche Zuschauer schon um seine Gelenke, Wirbel und Muskeln sorgten. „Killy“ brüllte seine Freude raus, lachte herzhaft, was er so noch nie gemacht hatte, schüttelte den Kopf, als könne er es selber nicht glauben und hielt verschämt die Hand vors Gesicht. Dafür hat er zu viel Respekt vor seinen Gegnern.

Hallensprecher heizt ein

„Jetzt sind wir also wieder so weit wie vor acht Tagen in Düsseldorf“, heizte der Hallensprecher ein. Dort hatte Headcoach Itagaki die selbe Kombination Steger/Allegro ins Rennen um den dritten Punkt geschickt. Und es sah wieder zunächst gut aus, als sie den Doppel-Vizeweltmeister Robles und Kulczycki 11:5 abservierten. Als im zweiten Satz getauscht wurde, wer auf wen aufschlägt, hieß es 6:11. Fast logisch, dass im dritten die Gastgeber wieder gewannen und im vierten die Gäste. Und als es im fünften beim Seitenwechsel nur 4:5 mit der günstigeren Stellung stand, war die zweite Niederlage im achten Doppel der Saison zu befürchten und auch nicht mehr abzuwenden. Ochsenhausen ist halt doch nicht Saarbrücken oder Düsseldorf.

Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: