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Co-Trainer im Gespräch
Sylvia Ebersdorf fliegt hoch: Sener behält die Bodenhaftung
Co-Trainer Ertan Sener weiß: Trotz des Traumstarts wird der Landesliga-Klassenerhalt ein hartes Stück Arbeit für die Ebersdorfer.
Co-Trainer Ertan Sener weiß: Trotz des Traumstarts wird der Landesliga-Klassenerhalt ein hartes Stück Arbeit für die Ebersdorfer. // Hagen Lehmann
Ebersdorf – Zehn Punkte aus vier Spielen - Sylvia Ebersdorf scheint nicht nur angekommen zu sein in der Landesliga Nordwest, sondern mischt ganz oben mit. Doch Co-Trainer Ertan Sener tritt kräftig auf die Euphoriebremse.

Mit jeder Menge Euphorie und scheinbar ohne Anpassungsschwierigkeiten ist Bezirksliga-Meister Sylvia Ebersdorf in die neue Saison der Landesliga Nordwest gestartet. Zehn Punkte stehen nach vier Spielen zu Buche – und das bei einem überzeugenden Torverhältnis von 12:3. „Wenn uns das vor der Saison jemand prophezeit hätte, hätten wir das sofort blind unterschrieben“, sagt Co-Trainer Ertan Sener.

Der 39-Jährige ist keiner, der die Bodenhaftung verliert, und tritt quasi ständig als Mahner auf. „In der Mannschaft werde ich dafür manchmal schon ein wenig belächelt, weil ich wohl der größte Kritiker im Verein bin“, scherzt er. Doch Sener weiß, dass es für Höhenflüge oder gar Überheblichkeit noch viel zu früh ist. Trotz der überzeugenden Zwischenbilanz gilt: Es ist nicht alles Gold, was bei der Sylvia glänzt.

Gerade in den Heimspielen gegen den FC Coburg (1:0) und die Freien Turner aus Schweinfurt (2:2) war eine Menge Glück dabei. Sener weiß das realistisch einzuordnen: „Wir dürfen uns absolut nicht blenden lassen. Wir wissen ganz genau, wie viel wir in jedem Spiel investieren, arbeiten und auf dem Platz leisten müssen, um unsere Siege überhaupt einzufahren. Dass es im Moment so gut aussieht, spricht einfach für den hervorragenden Charakter und die Geschlossenheit der Truppe.“

Denn: „Wenn man die Spielverläufe im Detail analysiert, hatten wir in fast immer Phasen, in denen wir etwas geschwächelt haben. Und genau dann haben wir auch die Gegentore kassiert. Aber wir merken, dass wir von Spiel zu Spiel stabiler werden. Wie mein Chef Jakob Engelmann und ich schon vor der Saison betont haben: Wir müssen uns diese Liga Schritt für Schritt erarbeiten. Das gelingt uns aktuell hervorragend.“

Ertan Sener hält den Ball flach

Und außerdem gab es auch überzeugende Resultate. Vatan Spor Aschaffenburg und die DJK Hain wurden auf deren eigenen Anlagen deutlich mit 5:1 beziehungsweise 4:0 geschlagen. Auftritte, die Sener optimistisch stimmen: „Das waren in der Tat sehr gute Spiele von uns. Wir haben im Offensivspiel kreative Lösungen gefunden und standen defensiv kompakt. Das macht natürlich Mut und gibt uns Zuversicht, dass wir unser großes Saisonziel erreichen können.“

Dieses bleibt nach wie vor der direkte Klassenerhalt. Daran ändert auch der frühe Höhenflug in dieser Saison nichts. Oder geht vielleicht doch etwas mehr? Immerhin sind die Ebersdorfer Stand jetzt der Primus im Landkreis: Bayernliga-Absteiger FC Coburg hat als Tabellensiebter bislang vier Punkte weniger gesammelt, der TSV Mönchröden auf Platz 14 gar sechs Zähler weniger.

Paul Klose (2. von links) und Sertan Sener (3. von links) fehlten für längere Zeit verletzt und werden schrittweise wieder herangeführt.
Paul Klose (Zweite von links) und Sertan Sener (Dritter von links) fehlten für längere Zeit verletzt und werden schrittweise wieder herangeführt. // Hagen Lehmann

Sener winkt ab: „Man muss realistisch bleiben. Wenn man sieht, welchen Fußball beispielsweise der FC Coburg spielt – das ist spielerisch einfach noch mal eine andere Klasse. Das heißt nicht unbedingt, dass wir schlechter sind, aber wir spielen einfach einen ganz anderen, pragmatischeren Fußball. Coburg hat eine extrem junge, spielstarke Mannschaft, die einen very attraktiven Ball spielt.“

Und so geht es für den Ebersdorfer Co-Trainer darum, möglichst schnell die nötigen Punkte auf dem Konto zu haben, um sich aller Abstiegssorgen entledigen zu können. Ein Unterfangen, das für den Bezirksliga-Meister der Vorsaison schwierig genug werden dürfte. Je mehr Zähler jetzt schon zu Buche stehen, desto besser. Zudem gibt es in einigen Bereichen noch Luft nach oben.

Wo Sylvia Ebersdorf sich noch verbessern kann

Welche wären das? „Tatsächlich im spielerischen Verständnis. Wir müssen lernen, das Spiel noch besser zu lesen, den Gegner geschickter laufen zu lassen und so die entscheidenden Lücken zu kreieren. Auf engem Raum kombinieren wir zwar schon wirklich gut, aber ein besseres Spielverständnis würde uns das Leben auf dem Platz deutlich leichter machen“, antwortet Sener.

Und weiter: „Zudem müssen wir die Konzentration über die vollen 90 Minuten hochhalten. Als Aufsteiger kannst du ein Spiel in dieser Liga nicht über die gesamte Distanz dominieren. Wichtig ist, dass wir in den Phasen, in denen es spielerisch mal nicht so läuft, sofort wieder in unsere taktische Grundstruktur zurückfallen – also genau das diszipliniert umsetzen, was Jakob und ich als Trainer vorgeben.“

Beim 4:0 in Hain sei dies der Mannschaft gut gelungen. Da habe man auch eine schwächere Phase von zehn bis 15 Minuten gut weggesteckt, findet Sener. Wichtig ist außerdem die Rückkehr von Leistungsträgern: Sertan Sener wird nach überstandener Schambeinentzündung schrittweise herangeführt und stand gegen Hain erstmals in dieser Saison in der Startelf. Paul Klose kommt ebenfalls schrittweise zurück.

Mit jedem Erfolg wächst auch das Selbstbewusstsein beim Landesliga-Aufsteiger. Und man hat noch Trümpfe in der Hinterhand: „Aufgrund der vielen Verletzungen konnten wir in den ersten vier Spielen noch kein einziges Mal in unserer absoluten Wunschformation auflaufen. Da steckt also definitiv noch einiges an Potenzial drin - wir haben definitiv noch nicht unser absolut bestes Gesicht gezeigt“, kündigt Sener an.

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