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Leichtathletik
Hummels WM-Aus: „Keiner konnte sagen, was er hat“
Merlin Hummel im Gespräch mit seinem Trainer Martin Ständner.
Merlin Hummel im Gespräch mit seinem Trainer Martin Ständner. // Marcus Brandt, dpa
Kulmbach – Was für ein bitteres WM-Debüt für Merlin Hummel: Der Kulmbacher Hammerwerfer bringt keinen gültigen Versuch zustande und verpasst das Finale. Trainer Martin Ständner sagt, das habe sich angedeutet.

Seine erste Weltmeisterschaft im Hammerwurf wird Merlin Hummel nicht vergessen, auch wenn das Ergebnis für große Enttäuschung sorgte. Der 21-Jährige vom UAC Kulmbach verpasste das Finale (Sonntag, 17.50 Uhr) deutlich. Hummel blieb am Samstagnachmittag in der Qualifikation als einer von zwei Athleten ohne gültigen Versuch.

Für seinen Trainer Martin Ständner kam das frühe Ausscheiden jedoch nicht sonderlich überraschend. „Das hatte sich schon beim Vorbereitungscamp in Erding angedeutet“, sagt Ständner am Sonntagmittag am Telefon. „Irgendwas hat im unteren Rückenbereich nicht gepasst.“

Für Hummel begann schon vor dem Abflug nach Budapest eine Reihe von Behandlungen. „Er war am Tag drei, vier, fünfmal beim Physio.“ Da sich jedoch keine Besserung einstellte, nahm sich ein Arzt der Sache an. Die Funktionstests hätten alle gepasst, so dass es ohne genauen Befund in die ungarische Hauptstadt ging.

Merlin Hummel: Eine genaue Diagnose steht noch aus

Dort habe es zunächst wieder gut ausgesehen. Beim leichten Vormittagstraining gab es keine Probleme. Anders am Abend. Wieder Schmerzen während des Trainings. Wieder Physio. „Keiner konnte sagen, was er hat“, erklärt Ständner. „Ich habe dann einen Appell an den Verband gerichtet, dass wir eine Bestandsaufnahme machen und es eine Diagnose gibt, was eigentlich ist.“

Ein Verdacht, der im Raum stand: Beckenschiefstand. „Merlin war vor zehn Tagen noch beim Osteopathen. Der hätte das sicher sofort bemerkt“, glaubt Ständner. Vor dem Wettkampf bekamen Hummel und Ständner allerdings keine Diagnose mehr, da der 21-Jährige erst am Sonntagnachmittag vom Verbandsarzt untersucht wurde.

Martin Ständner fühlt sich machtlos

Die Qualifikation nahm Hummel also mit Ungewissheit in Angriff. „Ich habe ihm noch gesagt, er soll die Atmosphäre und das tolle Stadion genießen“, erinnert sich Ständner. Genützt hat es nichts. Fakt ist: Die Schmerzen haben Hummel während des Wettkampfes beeinträchtigt. „Das war einfach Mist“, sagt Ständner. „Als Trainer bist du in solchen Situationen machtlos. Alles, was du versuchst an Input zu geben, kommt nicht an.“

Seine ungültigen Versuche ließen sich letztlich leicht erklären. „Normalerweise dreht Merlin über die linke Fußspitze ein“, sagt Ständner. „Am Samstag hat er es aber über die Ferse gemacht.“ Weil die zweite Variante allerdings mehr Platz beansprucht, trat Hummel bei seinen Versuchen aus dem Ring.

Was Ständner ärgert: Wäre Hummel fit gewesen, wäre eine Finalteilnahme durchaus möglich gewesen. „Merlin hatte bis das mit dem Rücken anfing, gut trainiert“, sagt Ständner. „Er hat mit leichterem Gerät Trainingsbestleistungen erzielt. Das war fantastisch.“

Insgesamt qualifizierten sich die zwölf besten Werfer für das Hammerwurf-Finale. In der Qualifikation reichten dem Kanadier Adam Keenan eine Weite von 74,56 Metern für den Finaleinzug. „Für Merlin ist die Weite in Normalform kein Kunststück“, weiß Ständner, der sogleich die Folgen skizziert. „Die ersten 16 bekommen Punkte für Olympia in Paris. Als Zwölfer hätte er jede Menge Zähler kassiert.“

Martin Ständer: „Steckt man nicht in fünf Minuten weg“

Stattdessen war die Enttäuschung groß. „Das steckt man nicht in fünf Minuten weg“, sagt Ständner, der seinen Schützling „wieder aufbauen wird“. Es gehe jetzt darum, den Wettkampf so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Womöglich müsse man beim nächsten Großereignis anders an die Sache herangehen. Der sportliche Ehrgeiz ist weiter groß. „Keiner reißt Merlin den Kopf ab“, sagt Ständner: Er betont jedoch: „Merlin wird auch älter, da muss sportlich dann schon etwas passieren.“

Mit Sören Klose (Eintracht Frankfurt) scheiterte derweil auch der zweite deutsche Hammerwerfer in der Qualifikation. Der 21-Jährige kam nicht über 72,23 Meter hinaus.

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