"Einfach geil, dass es mit dem ersten Weltcup geklappt hat, und das auch noch in Kitzbühel!", zeigte sich der 25-Jährige aus dem Frankenwald nach der Zieleinfahrt überglücklich. Dass er am Ende unter 54 gewerteten Fahrern mit Platz 50 vorliebnehmen musste, konnte seine Freude nicht trüben. Schließlich sind 3,53 Sekunden Rückstand auf den Sieger Cyprien Sarrazin aus Frankreich auf der wohl schwersten Piste des gesamten Weltcups keine Schande, schon gar nicht für einen Weltcup-Neuling. "Von Eppenreuth nach Kitzbühel - ich kann's kaum glauben, ich bin überstolz", sagte sein Vater Harald Schramm als Augenzeuge an der Piste. Der 68-Jährige, der früher selbst FIS-Rennen gefahren ist, feuerte Jacob gemeinsam mit dessen Freundin Lena und zwei weiteren Freundinnen an.
In die Live-Übertragung der ARD schaffte es Jacob Schramm mit Startnummer 49 nicht mehr, zumal sich Moderator Bernd Schmelzer und Experte Felix Neureuther ("Die Streif ist die schwierigste Abfahrt der Welt") schon nach einer Stunde und gerade mal 22 Läufern verabschiedeten. Der Sender Eurosport sendete entgegen seiner Ankündigung keine Live-Bilder, zeigte stattdessen Tennis von den Australian Open. Schuld daran war wohl die Startverschiebung um eine Stunde wegen Nebels und schlechter Sicht in Kitzbühel. Die Organisatoren wollten eben nichts riskieren.
Vater Harald Schramm hat Bauchschmerzen
Als Jacob Schramm am späten Mittag endlich im Starthäuschen stand und auf den höllisch steilen Starthang hinunter blickte, war die Sicht diffus und alles andere als optimal. Mit Bauchschmerzen und bangem Blick blickte Vater Harald Schramm im Zielbereich auf die Videoleinwand, wo die Fahrten übertragen wurden. "Ich habe überhaupt nicht auf die Zeiten geschaut, sondern nur gehofft, dass er auf dem Ski bleibt", sagt der Eppenreuther. "Ich habe ihm geraten, keine Experimente zu machen und Bestzeiten zu riskieren, sondern sauber über dem Ski zu bleiben. Das hat er auch gut gemacht", sagt Harald Schramm nach der 3,3 Kilometer langen Abfahrt, die durchschnittlich 27 Prozent Gefälle, am steilsten Stück aber 85 Prozent, aufweist.
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Schon beim ersten Sprung an der Mausefalle hielt der Vater den Atem an. Denn Jacob Schramm musste mit den Armen rudern, um das Gleichgewicht zu halten, ehe er nach 42 Metern in der Luft wieder auf die Ski kam. "Da bist du gleich einmal hellwach", sagte Jacob Schramm hinterher. Aber das sei eben der fehlenden Erfahrung geschuldet: "Es ist alles ein Lernprozess, die Fahrten werden von Mal zu Mal besser und weniger stressig." Die meiste Zeit verlor er im ersten und den beiden letzten von sieben Sektoren. Ansonsten war er gut dabei. "Sein Zeitrückstand ist dafür, dass er relativ kontrolliert gefahren ist und nicht alles riskiert hat, nicht einmal schlecht", lobt ihn der Vater.
Die Platzierung ist egal
Auch für Jacob Schramm war im Ziel die Platzierung zunächst egal. Er freute sich vielmehr, dass er nach vielen Verletzungen und Enttäuschungen endlich das langersehnte Weltcup-Debüt feiern durfte: "Es ist einfach geil, dass es mit dem ersten Weltcup geklappt hat, und das auch noch in Kitzbühel." Auf der Strecke habe er sich "von Anfang an wohlgefühlt" und sich "sehr gefreut, dass ich hier runterdüsen darf".
Am größten sei die Nervosität vor dem ersten Training gewesen, meint Jacob Schramm. Vor dem Rennen habe ihn mehr beschäftigt, ob er wirklich angreifen sollte. "Denn vielleicht geht ja was in Richtung Top 30", gewährte der Frankenwälder Einblick in seine Gedankenwelt am Start. "Das ist sich leider nicht ausgegangen, aber vielleicht nächstes Jahr", meint Jacob Schramm, der natürlich nun Weltcup-Blut geleckt hat.
Dreßens Rücktritt ist Schramms Chance
Dass er überhaupt in Kitzbühel starten durfte, hat er Thomas Dreßen zu verdanken. Der erfolgreichste deutsche Abfahrer verzichtete bei der ersten Abfahrt am Freitag auf einen Start und teilte dann überraschend mit, dass das zweite Hahnenkamm-Rennen am Samstag zugleich sein letztes sein werde. Durch Dreßens Rücktritt wird nun der siebte deutsche Startplatz frei. Die Chance für Jacob Schramm ... Aber der kann sich darüber noch nicht so recht freuen. "Sein Rücktritt hat mich schon berührt, denn er hat mir sehr viel geholfen. Wir hätten Thomas schon noch gerne länger in der Mannschaft gehabt."
Während am Abend in Kitzbühel allerorten wild gefeiert wurde, war Jacob Schramm schon wieder auf dem Weg in seinen nur 80 Kilometer entfernten Zweit-Wohnsitz bei Berchtesgaden, wo er als Sportsoldat stationiert ist. Party kann sich der erste fränkische Weltcup-Fahrer auf der "Streif" nicht erlauben, geht es doch schon am Sonntag weiter zum Europacup nach Tarvisio (Italien), wo nächste Woche zwei Abfahrten und ein Super-G auf dem Programm stehen. Die Super-G-Rennen in Garmisch-Partenkirchen wird Schramm nicht bestreiten, hofft aber, für die nächsten Weltcup-Abfahrten Anfang Februar in Chamonix (Frankreich) wieder nominiert zu werden.















