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Ski Alpin
Freud und Leid für Kulmbacher Jacob Schramm
Jacob Schramm (Mitte) beim Biergartenbesuch mit seinen Eltern. Der Skiprofi erholt sich im heimatlichen Frankenwald von einer erneuten Knieoperation.
Jacob Schramm (Mitte) beim Biergartenbesuch mit seinen Eltern. Der Skiprofi erholt sich im heimatlichen Frankenwald von einer erneuten Knieoperation. // Christian Schuberth
Eppenreuth – Der Frankenwälder Jacob Schramm wird vom Deutschen Ski-Verband ins Weltcup-Team befördert. Doch vorher bekam er vom Arzt eine Hiobsbotschaft.

Zuerst die gute, dann die schlechte Nachricht: Skirennfahrer Jacob Schramm hat die Aufnahme ins Weltcup-Team geschafft. Der 23-Jährige aus dem Dörfchen Eppenreuth bei Grafengehaig befindet sich damit im illustren Kreis der deutschen Skistars Thomas Dreßen, dem fünffachen Weltcup-Sieger und Gewinner der legendären Abfahrt von Kitzbühl 2018, und Romed Baumann, dem Vizeweltmeister im Super G von 2021. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Vor allem habe ich endlich die bestmöglichen Trainingsbedingungen“, freut sich der Frankenwälder.

Doch nun die schlechte Nachricht: Jacob Schramm läuft derzeit an Krücken, wieder einmal. Denn Ende April unterzog er sich zum zweiten Mal einer Knie-Operation. Bei einem Trainingssturz zum Saisonende in Italien hatte er sich erneut einen Knorpelschaden zugezogen. „Ich bin weggerutscht und habe einen Schlag aufs Knie bekommen. Zunächst habe ich mir nichts dabei gedacht und bin auch noch das Rennen gefahren.“ Da ging es nebenbei um die Deutsche Meisterschaft im Super G.

Jacob Schramm lag nach elf Läufern in Führung, unter anderem vor dem arrivierten Andreas Sander, ehe das Rennen wegen Nebels abgebrochen wurde.

Jacob Schramm beendete die Abfahrtswertung im Europacup auf Platz 12.
Jacob Schramm beendete die Abfahrtswertung im Europacup auf Platz 12. // Matthias Mandl

Ein paar Tage musste der Sportsoldat zum Bundeswehr-Lehrgang nach Warendorf. „Dann ist das Knie angeschwollen und ich habe mich im Krankenhaus in Gütersloh untersuchen lassen.“ Als der Mannschaftsarzt der deutschen Ski-Nationalmannschaft, Dr. Manuel Köhne, die MRT-Aufnahmen sah, war ihm klar – Schramm sollte wie schon vor einem Jahr bei ihm in München unters Messer. „Da ist man natürlich im ersten Moment sprachlos und leer“, sagt der Eppenreuther.

Zuspruch von Cheftrainer Andreas Evers

Doch der Cheftrainer der deutschen Speed-Männer, Andreas Evers, ehemaliger Coach von Hermann Maier, spricht ihm Mut zu. Er sagt, dass sich Schramm keinen Stress machen solle. Der Frankenwälder hat den Schock längst wieder verdaut und auch die Operation gut überstanden. „Ich habe keine Schmerzen, das Knie ist fast nicht mehr geschwollen. In ein paar Tagen darf ich die Krücken weglegen, im Juni beginne ich mit der Reha“, sagt Schramm, der sich derzeit bei seinen Eltern in Eppenreuth von dem Eingriff erholt.

Die Wintersaison 2021/22 hatte Jacob Schramm komplett verpasst. Auch damals hatte er sich einer Knorpeloperation im Knie unterzogen.
Die Wintersaison 2021/22 hatte Jacob Schramm komplett verpasst. Auch damals hatte er sich einer Knorpeloperation im Knie unterzogen. // Christian Schuberth

Das erste Trainingslager des Weltcup-Teams auf Schnee Ende Juli, Anfang August in Chile wird für den 23-Jährigen noch zu früh kommen. Doch zum zweiten am 19. September will er wie im Vorjahr mitfliegen. Denn im Gletscher-Skigebiet in Südamerika legte er 2022 den Grundstein für seinen bislang erfolgreichsten Renn-Winter, den er mit Platz 3 in der Europacup-Abfahrt von Narvik krönte.

Sieben Startplätze für acht Fahrer

Gedanken über sein Debüt im Weltcup, das er einmal wegen eines Trainingssturzes, ein zweites Mal wegen einer zu langsamen Zeit im Training knapp verpasst hat, macht sich Jacob Schramm nicht. „Ich will erst mal im Europacup meine Leistungen aus der vergangenen Saison bestätigen.“ Ein Weltcup-Einsatz sei auch dann erst sinnvoll, wenn er wieder völlig fit ist und das Vertrauen ins eigene Können zurück ist. Und wenn alle acht deutschen Speed-Fahrer fit sind, muss einer immer zuschauen.

„Deutschland hat im Weltcup nur sieben Startplätze“, weiß Jacob Schramm. Doch dass er auch deutsche Top-Fahrer schlagen kann, hat er erst jüngst bei der Deutschen Meisterschaft in der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen bewiesen, wo er hinter Romed Baumann, Andreas Sander und Luis Vogt Vierter wurde. Bei einem FIS-Rennen war er sogar schneller als Baumann und Dominik Schwaiger.

Bessere Förderung

Als Mitglied des höchsten deutschen Nationalkaders kommt Schramm nicht nur in den Genuss, besseres Rennmaterial zu bekommen. „Es ist natürlich alles ein bisschen professioneller als im B-Kader. Es gibt allein fünf Trainer und je einen Service-Mann für zwei Fahrer“, erzählt der Kulmbacher.

 

Doch bis zum ersten Training mit dem Weltcup-Team muss er sich ganz alleine durch den Trainingsplan kämpfen. „Zunächst werde ich viel Radfahren, um das Knie schonend zu bewegen. Danach geht es an die Kraftausdauer“, sagt Schramm. Doch vorerst ist er noch zur sportlichen Untätigkeit verurteilt, komponiert mit einem Kumpel Lieder oder genießt die Zeit mit seiner Familie. Denn wie hat der Cheftrainer gesagt? Er soll sich bloß keinen Stress machen.

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