Wächst in Katschenreuth der nächste erfolgreiche Kulmbacher Wintersportler nach Skifahrer Jacob Schramm heran, der auf dem Sprung in den Weltcup ist? Finn Weigel scheint jedenfalls das Zeug dazu zu haben. Denn der Zehnjährige gehört in seiner Altersklasse zur den Besten im Freistaat. Vor ein paar Tagen hat der Fünftklässer den Bayerncup in Bischofsgrün gewonnen und dabei 13 Konkurrenten auf die Plätze verwiesen. Nach den beiden Mattenspringen – es folgen noch vier auf Schnee – liegt Finn die Gesamtwertung der Altersklasse 11 knapp hinter Niklas Kringe (SC Oberstdorf) auf Platz 2.
Der junge Bursche weiß genau, was er will, nämlich hoch hinaus. Keck sagt er: „Ich will Profiskispringer werden.“ Träumt er auch von Olympia? Finn nickt, seine Mutter Katharina lächelt. Sie will ihm den Wind keinesfalls aus den Segeln nehmen, hält den Ball aber flach: „Da muss natürlich alles zusammenspielen, vor allem die Schulnoten müssen passen. Aber wenn er das Zeug dazu hat, bekommt er natürlich von uns alle Unterstützung.“ So spricht Finn schon heute, dass er mal ein Skigymnasium besuchen möchte, etwa in Oberhof (Thüringen), Klingenthal (Erzgebirge) oder Oberstdorf (Allgäu). Mathias Weigel sagt: „Ob er es später mal nach oben schaffen kann, hängt auch von seiner körperlichen Entwicklung ab.“
Training und Familienausflug
Nahezu jedes Wochenende fahren die Weigels mit Finn zum Sprung- oder Hallentraining ins Fichtelgebirge, knapp 40 Kilometer einfach vom Kulmbacher Vorort Katschenreuth aus. „Wir verbinden das Training meist mit einem Familienausflug, gehen dann wandern, an den Weißenstädter See oder sammeln Pilze“, sagt Katharina Weigel. Die vierköpfige Familie – es gibt noch Töchterchen Lene (5) – ist überhaupt sehr aktiv. Vater Mathias stürmt für den Bezirksliga-Spitzenreiter VfR Katschenreuth, Finn kickt noch bei den E1-Junioren des Vereins, spielte früher auch Tennis beim VfR. Zudem sind die Weigels passionierte Skifahrer, Langläufer, betreiben Inlineskating, Schwimmen, Wandern oder Radfahren. Vater Mathias sagt: „Finn ist sehr sportlich, rennt den ganzen Tag mit Inlineskates rum.“
Aufs Springen spezialisieren kann man sich in dem Alter noch nicht. Für die Kinder ist es Pflicht, auch die Nordische Kombination zu bewältigen. Die Jüngsten wie Finn Weigel fahren im Sommer Inliner, ab zwölf Jahren dann Rollski.
„Springe über jeden Buckel“
Mit dem Skispringen hat Finn vor zweieinhalb Jahren mit einem Schnuppertraining angefangen. „Ich springe auch beim Skifahren über jeden Buckel, den ich finde“, sagt er. Seine Begeisterung war sofort groß. „Ich bin gleich beim ersten Training von der Luke 7 gesprungen, wollte gar nicht mehr aufhören,“ erinnert sich Finn Weigel. Angst hat er höchstens „ein bisschen“. Auch Mama Katharina hat sich „inzwischen daran gewöhnt“, dass ihr Sohn eine Sportart mit Nervenkitzel betreibt. Mathias Weigel hat keine Bedenken: „Beim Skispringen passiert eigentlich wenig. Die Kinder lernen, damit umzugehen.“
Derzeit springt der Fünftklässler des CVG-Gymnasiums noch kleine Schanzen mit einem kritischen Punkt von 30 Metern. Schritt für Schritt werden die Schanzen und die Weiten größer. Beim Trainingslager in Planica (Slowenien) durfte Finn sogar schon eine K64-Schanze springen. „Da sind die Schanzen in den Hang reingebaut und wirken nicht so groß wie freistehende“, sagt Mutter Katharina. Den bislang weitesten Satz seiner jungen Karriere machte Finn Weigel in Haselbach am Kreuzberg in der Rhön. „Ich bin 46 oder 47 Meter gesprungen, dann aber gestürzt. Der Trainer meinte, der Sprung wäre deutlich über 50 Meter gegangen“, sagt Finn Weigel. Einen schlimmen Sturz hatte er bislang zum Glück noch nicht. „Mein Steißbein war schon mal blau, und Knieschmerzen hatte ich.“
Der Erfolg beim Bayerncup am vergangenen Wochenende war nicht Finns erster Sieg. „Ich habe heuer schon das Pfingstspringen in Bischofsgrün gewonnen und dafür sogar ein Fahrrad als Preis gewonnen“, erzählt der Zehnjährige stolz. Selbstverständlich setzt er bei der Landung immer einen Telemark – aber nur im Wettkampf, wie Mutter Katharina sagt. „Beim Training brauche ich ihn ja nicht“, meint Finn cool. Dass er ihn dann aber trotzdem im Wettkampf immer zeigt, erstaunt selbst seine Trainer.
Philipp Roderer, Trainer im Landesleistungszentrum des Bayerischen Skiverbandes in Bischofsgrün, hält große Stücke auf Finn Weigel: „Er ist sehr ambitioniert und akribisch. Finn kommt zwar nur zwei Mal zum Training nach Bischofsgrün, erledigt aber den Rest selbstständig zu Hause. Das muss man in dem Alter erst mal umsetzen.“ Finn bringe alles mit, was ein Sportler haben muss. „Aber Skispringen ist keine Breiten-, sondern eine Leistungsportart, die sehr selektiv ist. Da muss man dranbleiben.“












