Natur
Nachhaltigkeit und Umweltschutz haben viele Aspekte
Mit Kindern gärtnern und den Grundstein für nachhaltiges Leben legen, darum ging es beim Fortbildungsseminar. Referentin Michaela von der Linden (links) gab viele Hinweise.
Mit Kindern gärtnern und den Grundstein für nachhaltiges Leben legen, darum ging es beim Fortbildungsseminar. Referentin Michaela von der Linden (links) gab viele Hinweise.
Foto: Sabine Weinbeer
Oberschleichach – Große Themen auf kleine, umsetzbare Schritte herunterbrechen, das ist eine Spezialität in der Bildungsarbeit des Umweltbildungszentrums (Ubiz) in Ober...

Große Themen auf kleine, umsetzbare Schritte herunterbrechen, das ist eine Spezialität in der Bildungsarbeit des Umweltbildungszentrums (Ubiz) in Oberschleichach. Diese Kompetenz machte sich Tamara Och vom Bezirksverband Unterfranken für Gartenbau und Landespflege zu eigen, als sie für Aktive in der Kinder- und Jugendarbeit von Obst- und Gartenbauvereinen ins Ubiz zu einem Fortbildungsseminar zu dem Thema Nachhaltigkeit einlud. 16 Männer und Frauen aus ganz Unterfranken erlebten einen abwechslungsreichen Tag.

Nachhaltigkeit ist eigentlich ein Kernthema für Obst- und Gartenbauvereine, und an den Teilnehmern merkte man auch schnell, dass sie sich mit vielen Themen bereits intensiv auseinandergesetzt haben. Ubiz-Leiterin Petra Sommer und ihre Mitarbeiterin Kathleen Meerkamp sprachen die Agenda 2030 an, die für ein neues Verständnis von Wohlstand steht, für die Umgestaltung von Volkswirtschaften hin zu nachhaltiger Entwicklung, etwa durch verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster.

So ging es gleich im ersten Spiel um Strategie, aber auch um Fairness und langfristige Planung. Im Streichholzspiel sind die Teilnehmer nämlich aufgefordert, möglichst viele Bäume zu ernten – wer aber gleich zu Beginn zu kräftig zulangt, dem geht schnell der nachwachsende Rohstoff aus.

Auch mit dem Kampf gegen Armut setzten sich die Teilnehmer auseinander – und lernten schnell, dass gut gemeinte Einzelmaßnahmen nicht immer zum gewünschten Ziel führen, weil viele Faktoren bedacht werden müssen.

Die Teilnehmer waren altersmäßig bunt gemischt, doch alle waren gleich dabei zu überlegen, wie sie die Anregungen in der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch unter Einbeziehung der Eltern in ihrer Vereinsarbeit umsetzen können.

Mit Strohballen

Ganz praktisch wurde es mit Michaela von der Linden am Nachmittag zum Themenkreis Bienen und Gärtnern. Die Erlebnisbäuerin zeigte, wie auch auf kleinstem Raum in Strohballen gegärtnert werden kann – oder sogar auf der Fensterbank in einem aufgeschnittenen Getränkekarton. Ein großes Anliegen ist ihr der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung.

Sie zeigte, dass in Deutschland jährlich zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, mehr als die Hälfte davon in den privaten Haushalten, nämlich 75 Kilogramm pro Person. Warum landen so viel Obst und Gemüse (34 Prozent), Brot (14 Prozent), aber auch Getränke (elf Prozent) im Müll? Biobäuerin von der Linden erkennt die Gründe zunächst darin, dass immer weniger Menschen den richtigen Umgang mit Lebensmitteln lernen, von der richtigen Lagerung bis hin zur Verwendung von Obst und Gemüse, bevor es welk wird. Weil immer alles verfügbar ist, erstelle kaum jemand einen Wochenplan und kaufe deshalb viel zu viel ein.

Wenn Lebensmittel zunehmend ökologisch erzeugt werden sollen und gleichzeitig durch den Klimawandel die Rahmenbedingungen schwieriger werden, müsse dem Lebensmittel unbedingt mehr Wertschätzung entgegengebracht werden, so Michaela von der Linden. Das sahen auch die Kursteilnehmer so, die viel von ihrem Wissen um Anbau und Verarbeitung von Gartenfrüchten bereits in ihrer Jugendarbeit vermitteln. Ergänzende Informationen nahmen sie aber auch aus dem Ubiz mit, etwa über die bestäubenden Insekten. Dass das nicht nur die Honigbiene ist, war eigentlich allen bewusst. Wenn nur noch der Wind bestäuben würde, dann würde sich die Befruchtungsquote von Obstbäumen oder anderen Feldfrüchten auf zehn Prozent reduzieren.

Die Referentin zeigte aber auch auf, dass es bei der natürlichen Bestäubung nicht nur um die reine Menge gehe, sondern auch um die Qualität. Untersuchungen zeigten, dass Früchte, die durch Insektenbestäubung entstanden, größer werden und der Ertrag der Pflanze etwa bei Erdbeeren oder Bohnen zwischen 75 bis 100 Prozent höher ist als bei Windbestäubung oder von Hand wie in China. Die Bestäubungsdrohne, die tatsächlich entwickelt werde, sei daher keine Alternative zum Schutz bestäubender Insekten.

Natürlich gehört zum Thema Nachhaltigkeit auch die Vermeidung von Plastik, weshalb im Laufe des Nachmittags Bienenwachstücher entstanden, ebenso wie Insektenhotels aus Upcycling-Material.