Draufgänger sollen leben
Schonend mit dem Balkenmäher bearbeitet Peter Kern in Mitwitz die Wiesenflächen. „Die Mitarbeiter des Bauhofes stehen hinter dem Mähkonzept“, sagt Bürgermeister Oliver Plewa.
Schonend mit dem Balkenmäher bearbeitet Peter Kern in Mitwitz die Wiesenflächen. „Die Mitarbeiter des Bauhofes stehen hinter dem Mähkonzept“, sagt Bürgermeister Oliver Plewa.
Foto: Maria Löffler
Mitwitz – Artenvielfalt  Auch um den dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu schützen, hat der Markt Mitwitz ein Mähkonzept entwickelt.

Groß ist er ja nicht gerade, der dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, aber der Beginn seines Lebens ist spektakulär. Leider verschwindet dieser Schmetterlings-Draufgänger zusehends, so dass er europaweit geschützt wird. In Mitwitz soll ein Mähkonzept jetzt für weiteren Artenschutz sorgen.

Ob er nun wirklich mutig, besonders geschickt, oder einfach nur dreist ist, wird man wohl so schnell nicht herausfinden. Aber sich ins Lager seines Fressfeindes, der Ameise, schleppen zu lassen, um sich dort von deren Larven zu ernähren, das kommt schon fast einem Geniestreich gleich. Enttarnt werden dürfen sie allerdings nicht, denn dann verstehen die Ameisen keinen Spaß.

In Mitwitz ist der dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der auch als schwarzblauer Moorbläuling bezeichnet wird, noch anzutreffen. Zu seinem und zum Schutz anderer Tier- und Pflanzenarten hat der Markt Mitwitz ein Mähkonzept entwickelt. Bestimmte Flächen werden nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht, das Mähgut wird gleich weggebracht, damit die Wiesen abmagern können. „Das ist enorm wichtig, um die Artenvielfalt zu gewährleisten“, weiß Bürgermeister Oliver Plewa. Mittlerweile bewirtschafte man schon fast 25 000 Quadratmeter Fläche auf diese Art und Weise.

Die Gemeinde stützt sich dabei auf eine Zusammenarbeit mit Anna Bergmann, Gebietsbetreuerin des Naturparks Frankenwald. Derzeit befindet man sich Plewa zufolge in einem Prozess des Lernens und der Akzeptanz. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns, müssen erst noch entsprechende Erfahrungen sammeln.“

Die Mitarbeiter des Bauhofs jedenfalls seien hoch motiviert. „Wir haben gezielte Schulungen durchgeführt, um die Akzeptanz zu fördern. Ich kann nur schützen, was ich verstehe“, so Bergmann. Plewa freut sich über die Zusammenarbeit mit den Landwirten oder dem Landesbund für Vogelschutz (LBV). „In Mitwitz gibt es einige Akteure, denen etwas am Schutz der Natur liegt.“ Anna Bergmann zum Beispiel unterstütze mit ihrem Know-How und liefere Pflegekonzepte. Und sie wisse vor allem, warum so wenig gemäht werden soll: „Die Pflanze muss so lange stehen, bis sie ihren Samen ausbringen kann, deshalb muss man ein Mähkonzept an den Lebenszyklus der Pflanzen anpassen.“

Auch Ulrich Münch, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Kronach und Umweltbeauftragter des Marktes Mitwitz, setzt sich für den Erhalt der unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten ein. „Wir beschäftigen uns schon länger mit Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Deshalb rücken wir am ehemaligen Bahndamm zwischen Horb und Leutendorf mit der Sense aus, um möglichst schonend zu mähen. Und wir konnten damit schon Erfolge erzielen, auch wenn die nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sind. Das Insektenvorkommen hat zugenommen, so viel kann man schon sagen.“

Erfreuliche Nachrichten also auch für den dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, dessen Weibchen ihre Eier zwischen die Einzelblüten des Wiesenknopfes legen. Die Falter selbst sieht man dann von Ende Juni bis Ende August fliegen – und das soll so bleiben.