Münnerstadt
Das Gotteshaus im Wandel
Pfarrer P. Markus Reis (links) dankte Paul Ziegler für seinen Vortrag zur Kirchenrenovierung.
Pfarrer P. Markus Reis (links) dankte Paul Ziegler für seinen Vortrag zur Kirchenrenovierung. // Heike Beudert
Münnerstadt

Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Paul Ziegler zur Renovierung der Stadtpfarrkirche. Die Pfarrgemeinde hat nach dem erfolgreichen Abschluss der Kirchenrenovierung die Reihe „Schatzkästlein St. Maria Magdalena“ ins Leben gerufen, um die Besonderheiten der Kirche hervorzuheben. Paul Ziegler machte mit seiner Dokumentation über den Ablauf der Bauarbeiten den Anfang.

Akribisch genau hat Paul Ziegler über sechs Jahre die Bauarbeiten begleitet. Er hatte nicht nur fotografiert, sondern die Zeit auch für Gespräche mit Handwerkern genutzt. Außerdem weckten manche Kunstwerke sein tieferes Interesse und er nahm sich Zeit, in Archiven nach mehr Informationen zu suchen, erfuhr das Publikum.

Als Beispiel dafür stellte Ziegler das historische und großformatige Noli-me-tangere-Bild vor, das im Chor der Stadtpfarrkirche hängt. Als Künstler ist hier Caspar Haas aus Bad Neustadt genannt, der das Bild 1650 gemalt hat. Tatsächlich hatte der Referent mit Unterstützung des Münnerstädter Pfarrarchivars Bernd Eckert in alten Dokumenten die Rechnung für das Kunstwerk samt Haas’ Namen gefunden. Beeindruckend war auch der Fotovergleich zwischen den Aufnahmen vor und nach der Bildrestaurierung. Die Patina vergangener Zeiten ist entfernt, das Kunstwerk ist dadurch viel detailreicher und heller geworden.

Zwei Dachstühle

Paul Ziegler stellte in seinem Vortrag die Abläufe der Sanierung vor, angefangen von der statischen Sicherung des nördlichen Seitenschiffes, wo ein neuer Dachstuhl der Kirchenmauer wieder mehr Stabilität gegeben hat. Diese Arbeit bildete 2019 den Auftakt der Maßnahme. Für die Zuhörer hatte Ziegler die komplizierten Sicherungsarbeiten verständlich und mit Bildern dargestellt. Anhand von Fotografien des alten Dachgebälks wurde deutlich, weshalb hier ein neuer Dachstuhl notwendig geworden war. Aus Denkmalschutzgründen gibt es nun zwei Dachstühle im Gebälk, denn der jahrhundertealte und jetzt nutzlos gewordene wurde nicht entfernt.

Ausführlich berichtete Ziegler über die Reinigung der historischen Glasfenster, die um 1420 entstanden sind und bis heute ihre Strahlkraft erhalten haben. Verschmutzungen hatten den Fenstern zugesetzt. Sie mussten deshalb in aufwendiger Feinarbeit konserviert werden.

Etappe für Etappe präsentierte Ziegler den Ablauf der Baumaßnahme. Besonders emotional erlebte er das Abnehmen und Wiederanbringen der Riemenschneiderfiguren am Altar. Das Gesprenge selbst war über die Jahre eingepackt worden – zum Schutz vor Staub und Baustellenschmutz.

Dass die Dokumentation so zeitaufwendig werden würde, hätte er anfangs nicht gedacht, erklärte er dem Publikum. Er berichtete über den Ausbau der Kirchenbänke und den Wiedereinbau. Jetzt gibt es wieder einen Mittelgang. Auf Bankreihen im südlichen und nördlichen Seitenschiff wurde verzichtet. Immer wieder belegte er anhand von Vorher- und Nachherbildern die Veränderungen.

Wasserschaden

Keine Baustelle ohne Probleme – auch diese wenig erfreuliche Erfahrung teilte Paul Ziegler mit dem Publikum. Beispielhaft dafür stellte er den Wasserschaden vor, der im Zuge von Arbeiten in der Kirche entstanden war. Durch poröses Gestein hatte sich bei Arbeiten zur Mauerwerkverbesserung eingesetztes Wasser seinen Weg gesucht und war über Teile der erst frisch sanierten Grisaillenmalereien und Wände gelaufen. Die Schäden habe man aber glücklicherweise schnell beseitigen können, so Ziegler.

Paul Ziegler zeigte auch auf, welcher finanzielle Aufwand hinter diesem Kirchenprojekt stand. Waren die Kosten 2019 auf rund 3,2 Millionen Euro geschätzt worden, stieg die Bausumme mittlerweile auf knapp 5,2 Millionen Euro. Er erinnerte daran, wie viele Besprechungen im Vorfeld der Sanierung und im Laufe der Arbeiten nötig geworden waren.

Zusatzarbeiten

Mehrkosten haben unerwartete Zusatzarbeiten wie ein Spannanker im Chor oder die Sanierung des Südflügeldaches verursacht. 2019 noch nicht eingeplant war auch der Marienort. Hinzu kam der deutlich gestiegene Preisindex. Die lange Sanierungsdauer hänge unter anderem mit Corona und auch mit dem Baumoratorium des Bistums zusammen, so Ziegler. Der Referent stellte die Zuschussgeber vor. Der Löwenanteil der Kosten werde von der Diözese getragen, doch sei der Eigenanteil, den die Kirchenstiftung leisten muss, dennoch hoch.

Der Vortrag endete mit einigen Bildern von der Wiedereinweihung der Kirche. Paul Ziegler machte nochmals deutlich, welche Kunstschätze das Münnerstädter Gotteshaus beherbergt. Eigentlich müsste der Titel der Vortragsreihe nicht „Schatzkästlein St. Maria Magdalena“ heißen, sondern Schatztruhe. Doch sollte man nicht vergessen, dass die Kirche trotz ihrer Kunstwerke vor allem auch ein Gotteshaus ist, so Ziegler.

Auch für diese Worte bedankte sich Pfarrer P. Markus Reis, dem es wichtig ist, dass St. Maria Magdalena das Haus für Gebet und Gottesdienst der Gemeinde ist. Er dankte Ziegler für den informativen Vortrag und seinen Einsatz bei der Dokumentation der Bauarbeiten. red

Ein Foto aus der Sanierungsphase zeigt, wie umfangreich die Arbeiten in der Stadtpfarrkirche waren.
Ein Foto aus der Sanierungsphase zeigt, wie umfangreich die Arbeiten in der Stadtpfarrkirche waren. // Hans Beudert
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