Bad Brückenau Glaubt man den Spielleitern der Theatergruppe Kompass, Jan Vogel und Anika Heimrich, dann war etwas Achtsamkeit noch bei der Generalprobe für die Produktion des Schuljahres 2025/26 überlebensnotwendig. Umso überzeugender war dann die Premiere am 12. März in der Aula des Franz-Miltenberger-Gymnasiums (FMG), ganz so, wie es der alte Theater(aber)glaube will: Die Spielfreude und Spielfähigkeiten der Gruppe waren überwältigend, das kurzweilige Stück entfaltete sich ohne Längen und Brüche, das Premierenpublikum spendete immer wieder Szenen- und langanhaltenden Schlussapplaus.
Doch der Reihe nach – das Stück „Achtsam morden“ nach dem Roman von Karsten Dusse in der Bühnenfassung von Bernd Schmidt ist nicht nur ein Renner auf dem Buchmarkt und Netflix, sondern auch in der Theaterlandschaft: Nicht weniger als 14 Premieren stehen momentan für 2026 noch in der Bundesrepublik an. Der überarbeitete Anwalt Björn Diemel wird von seiner Gattin zu einem Achtsamkeitsseminar genötigt, mit Erfolg: Durch die Beratung der Achtsamkeitstrainerin bewältigt er nicht nur einen Bandenkrieg zweier verfeindeter Verbrechersyndikate und führt die Kriminalpolizei an der Nase herum, er macht sich zudem noch beruflich und finanziell unabhängig und rettet seine Ehe, indem er das größte aller Probleme auch noch löst: Er ergattert den ersehnten Kindergartenplatz für seine Tochter, für den alleine sich das eine oder andere kleine Verbrechen schon lohnt.
Achterbahn der Gefühle
Schwarzer Humor also, durchaus achtsam gespielt von 14 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 13: Artur Dering als Anwalt Björn Diemel bewältigte nicht nur die ungeheure Textmenge und Bühnenzeit lässig, sondern auch schauspielerisch die Achterbahn der Gefühle der Figur und das Spiel mit dem Publikum.
Ebenfalls ständig präsent seine Achtsamkeitstrainerin, souverän gegeben von Lina-Josefa Mott, als fester Teil des Bühnenbildes auf dem Beratersessel und auch auf der Hauptbühne. Die Bosse der Syndikate Aenna Küntzel als Draga und Ferdinand Diegelmann als Boris überzeugen durch Präsenz und Bedrohlichkeit, Ferdinand Diegelmann vor allem durch spannungsgeladenes Spiel bis in die Fingerspitzen – Chapeau!
Auch die Mitarbeiter der Chefs, Valentin Hohmann, Maximilian Kramlich, Charlotte Reith, Ida Queck, Jay Herold und David Schneider, geben die Klischee-Gangster überragend. David Schneider sticht dabei noch etwas heraus: Seine Rolle ist so gespickt mit Gags, dass man manchmal sechs- bis siebenmal hinschauen muss, um alles zu erfassen. Doch auch die vermeintlichen Nebenrollen werden von ihren Darstellerinnen und Darstellern mit besonderem Leben gefüllt: Tialda Hauke als Ehegattin von Diemel, die die ganze Sache in Schwung bringt, Maria-Ioana Baciu zuckersüß als dessen Tochter Emily, William Greenberg als Hipster-Geschäftsführer und Lea Hohmann als coole Kriminalpolizistin. Da das Stück 22 Rollen vorsieht, spielen viele eine zweite oder sogar dritte Rolle. Was bei allem Einzellob neben dem Bühnenbild (Manuel Guarascio undTechnikteam) und den zahlreichen Regieeinfällen jedoch besonders beeindruckt, ist die Teamleistung der Gruppe. Sie ist es, die den besonderen Zauber des Abends ausmacht – Schultheater auf ganz hohem Niveau!











