Bamberg
Strapazen und ein Rendezvous im Sandsturm
Ein Lauf der Extreme ist der „Track Mongolia“ durch die Wüste Gobi. Zu überwinden gilt es 520 Kilometer auf neun Etappen.
Ein Lauf der Extreme ist der „Track Mongolia“ durch die Wüste Gobi. Zu überwinden gilt es 520 Kilometer auf neun Etappen. // 
Bamberg

Und dann war da dieser Belgier, mitten im mongolischen Niemandsland. Eine Zufalls-Bekanntschaft der etwas anderen Art für Silke Leikheim, die sich mit dem „Track Mongolia“ mal wieder auf ein exquisites Abenteuer eingelassen hatte. Das alles über stolze 520 Kilometer in neun Etappen durch die faszinierende Gobi. Mit dem Genießen hatte die Bambergerin freilich so ihre Schwierigkeiten – was in der Natur der Sache liegt bei einem der längsten Etappenläufe durch die Wüste mit insgesamt 4800 Höhenmetern. „Die Gobi ist extrem. Das war unendliche Weite mit ganz viel Wind“, erinnert sich die 44-Jährige.

„Täglich haben wir etwa 50 Kilometer ins jeweils nächste Camp zurückgelegt, die letzte Etappe ging sogar über 120 Kilometer.“

Silke Leikheim

Ultraläuferin

Zum Bilderbuch-Ambiente gehörten die Begegnungen mit Nomaden samt deren Pferden, Yaks und Kamelen. „Vor allem die Kinder haben uns mit großen Augen angeschaut, als wir gewunken haben“, sagt Silke Leikheim. Die Kehrseite der Medaille waren Temperaturen, die tagsüber auf bis zu 40 Grad kletterten und in der Nacht in Richtung Gefrierpunkt sanken. Dazu Sandstürme und Unwetter mit Monsunregen.

Nach einem achtstündigen Direktflug von Frankfurt nach Ulan Bator blieben in der Hauptstadt zwei Tage zum Sightseeing, ehe die 37 Teilnehmer, darunter zehn Frauen, mit Bussen zum Startpunkt im Süden der Mongolei gebracht wurden. „Zwölf Stunden hat die Fahrt gedauert zu einer Lodge mit Jurten, in denen man auch Urlaub machen kann“, berichtet die Marktzeulnerin.

Laufen für die gute Sache

Tags darauf folgten der medizinische Check sowie die Überprüfung der Pflichtausrüstung, nach einer weiteren Nacht wurde die Komfortzone endgültig verlassen. „Täglich haben wir etwa 50 Kilometer ins jeweils nächste Camp zurückgelegt, die letzte Etappe ging sogar über 120 Kilometer“, berichtet die Ausdauer-Spezialistin, die einmal mehr auf diesem Weg Spenden sammelte. Dieses Mal für ein fünfjähriges Mädchen aus Wasserlosen (Landkreis Schweinfurt). „Hailey muss mit einem seltenen Gendefekt leben und hat dadurch eine verkürzte Lebenserwartung. Es kann immer noch gespendet werden“, sagt Leikheim.

Etwa elf Kilogramm wog die Ausrüstung, die die Bambergerin im Rucksack mit sich führte. Zum Equipment gehörten unter anderem Schlafsack, Isomatte und die individuell zusammengestellten Essens-Rationen für fünf Tage. „Danach bekamen wir unseren nächsten Essensbeutel“, so die Architektin, die ihre sportliche Expertise auch als Lauftrainerin weitergibt.

Als zusätzliche Herausforderung sollte sich in den eineinhalb Wochen das Wasser-Management erweisen. „An jedem Checkpoint nach 15 bis 20 Kilometern gab es zwei Liter Wasser, was in Ordnung war. Aber abends im Camp gab es bis zum nächsten Tag ebenfalls nur zwei Liter, mit denen ich auch mein Heißwasser fürs Essen mit dem Esbitkocher herstellen musste. Das war hart, hat aber die Gemeinschaft gestärkt“, nahm es Leikheim mit Humor.

Körper-Hygiene blieb rudimentär. „Ich hatte zehn Tage die gleichen Laufklamotten an“, so die Oberfränkin, die zumindest in der Nacht gut zur Ruhe fand, „obwohl der Wind immer wieder an den Zelten gezerrt hat. Wind kann auch laut sein.“ Physisch belastend war in der Steppenlandschaft, 1500 bis 2000 Meter über Meereshöhe, nicht nur der stete Gegenwind, sondern auch der wellige Untergrund - mit mehr Schotter als Sand. „Dafür war die Strecke gut markiert. Ich hatte mich nur einmal um wenige Kilometer verlaufen.“

Sieg in der Frauenwertung

Auf den ersten beiden Etappen fand Silke Leikheim erst am Abend im Camp Gesellschaft. „Am dritten Tag kam ich in einen Sandsturm, was extrem Kraft gekostet hat. Gesehen habe ich kaum etwas. Auf einmal bin ich auf einen erfahrenen Etappenläufer aus Brügge aufgelaufen“, schildert die Bambergerin ihr besonderes Wüsten-Rendezvous mit Kurt Dhont. „Wir hatten in etwa die gleiche Pace, konnten uns Windschatten geben, gegenseitig pushen und sind daher fortan gemeinsam gelaufen. Das war großes Glück.“ Nach 66 Stunden und zwei Minuten erreichte das oberfränkisch-belgische Gespann das Ziel. Schneller als Silke Leikheim war keine andere Frau.

Im Sandsturm zum Team geworden: die Bamberger Ultraläuferin Silke Leikheim und der Belgier Kurt Dhont. canalaventure/sporty-shots
Im Sandsturm zum Team geworden: die Bamberger Ultraläuferin Silke Leikheim und der Belgier Kurt Dhont. canalaventure/sporty-shots // 
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