Bereits auf dem Weg nach Kleinweisach waren die Auswirkungen des schweren Hagelsturms unübersehbar. Überall lagen Blätter und abgebrochene Äste auf den Straßen – ein Vorgeschmack auf das Ausmaß der Schäden, die viele Landwirte im Landkreis getroffen haben.
Der Bayerische Bauernverband hatte zum Ernte-Pressegespräch 2026 auf den Betrieb von Landwirt und Unternehmer Alfred Winkler eingeladen. Geschäftsführer Christian Huber und Kreisobmann Robert Ort nutzten die Gelegenheit, gemeinsam mit Fachleuten und Politik einen Blick auf die diesjährige Ernte und die Herausforderungen der Landwirtschaft zu werfen.
Für Alfred Winkler war es ein besonders schwerer Tag. Sichtlich frustriert berichtete er von den dramatischen Folgen des Unwetters. „15 Minuten Hagel mit etwa kirschgroßen Hagelkörnern haben gereicht. Ich habe einen Schaden von 80 bis 90 Prozent.“ Zwar sei sein Betrieb gegen Hagelschäden versichert, dennoch könne eine Versicherung den Verlust der monatelangen Arbeit nicht ersetzen. „Es ist nicht der Sinn, das ganze Jahr über harte Arbeit zu investieren und am Ende verderben 15 Minuten die Früchte der Arbeit.“
Tankfüllung für 1000 Euro
Auch wirtschaftlich stehe die Landwirtschaft unter enormem Druck. Alle zwei Tage müsse der Mähdrescher betankt werden. Eine Tankfüllung koste rund 1000 Euro. Hinzu komme, dass auch Agrardiesel mit der CO₂-Bepreisung belastet werde. „Es gibt eben noch keine Traktoren und Mähdrescher mit E-Antrieb – und die wird es auch in 25 Jahren nicht geben.“
Winkler übernahm den elterlichen Betrieb und begann zunächst mit 40 Hühnern. Heute halten die Winklers rund 12.700 Legehennen. Die Eierproduktion entwickelte sich zum Sprungbrett für den gesamten Betrieb. Als Regionalvermarkter beliefert die Familie unter anderem drei große Bäckereien, darunter auch „Der Beck“.
„Eigentlich bin ich vom Herzen Pflanzenbauer. Aber davon allein könnten wir heute nicht wirtschaftlich arbeiten.“ Ein Blick auf die Maisfelder bestätigte das. „Nach dem Hagel stehen die Pflanzen da wie Bohnenstangen“, sagt Winkler.
Auch die Zukunft der Biogasanlage sieht er kritisch. „Die läuft noch drei bis vier Jahre, danach ist‘s rum.“ Hintergrund ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Viele Biogasanlagen erhalten eine garantierte Einspeisevergütung für 20 Jahre. Läuft diese Förderung aus, steht für zahlreiche Betriebe die Wirtschaftlichkeit auf dem Prüfstand. Zwar gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Möglichkeiten einer Anschlussförderung, viele Landwirte sehen das jedoch kritisch.
Seinen beiden Töchtern, die beide bereits im Familienbetrieb mitarbeiten, gibt er einen klaren Rat mit auf den Weg. „Am besten nicht in Projekte investieren, wo der Staat die Finger drin hat. Am Ende steht ihr alleine da.“
Die Familie betreibt in Baudenbach einen 24-Stunden-Selbstbedienungsladen. „Das war zunächst gar nicht vorgesehen, aber wir brauchen das außerlandwirtschaftliche Einkommen, zu dem auch das Maislabyrinth in Vestenbergsgreuth neben der Sommerrodelbahn gehört, das pünktlich zum Beginn der Sommerferien eröffnet.“
Seit 35 Jahren hoffe er darauf, dass sich die Situation für die Landwirtschaft verbessere. „Jahr für Jahr. Aber es wird nicht besser.“ Jedes Jahr verschwänden in Deutschland zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe.
Die Geflügelwirtschaft zählt in Bayern zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen. Sie sichert die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln wie Eiern sowie Hähnchen- und Putenfleisch und schafft Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
2025 wurden in Bayern mehr als 1,2 Milliarden Eier erzeugt. Dennoch liegt der Selbstversorgungsgrad lediglich bei rund 50 Prozent, sodass weiterhin Eier aus anderen Regionen Deutschlands und aus dem Ausland importiert werden müssen. Gleichzeitig investiert die Branche verstärkt in Tierwohl, moderne Stalltechnik und nachhaltige Produktionsverfahren.
Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim, Herbert Siedler, stellte die Ernteerwartungen vor. Bei der Wintergerste sei zwar keine Missernte zu erwarten, eine gute Ernte werde es jedoch auch nicht. Die Hitzewelle habe die Kornbildung beeinträchtigt, sodass lediglich durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Erträge erzielt würden. Beim Weizen auf schwächeren und mittleren Standorten führe dies zu sogenanntem Kümmerkorn und entsprechend geringeren Erträgen.
Qualität nicht absehbar
Wie hoch der Rohproteingehalt als wichtiges Qualitätsmerkmal ausfallen werde, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen. Aufgrund der stark gestiegenen Düngerpreise sei die Stickstoffdüngung vielerorts deutlich reduziert worden. Beim Raps führte der Hagel sogar zu Totalschäden von bis zu 100 Prozent. Beim Weizen liegen die Schäden zwischen 30 und 50 Prozent. Auch die Maisernte wird voraussichtlich deutlich unterdurchschnittlich ausfallen.
Auf die Frage nach seinen Erwartungen an die Politik antwortete Winkler, ohne zu zögern: „Planungssicherheit. Man weiß ja heute nicht, was die Politik sich morgen einfallen lässt.“ Ebenso wichtig sei der Bürokratieabbau. „Manche Vorgaben aus Brüssel sind einfach sinnbefreit.“ Außerdem wünsche er sich mehr Rückhalt für die heimische Landwirtschaft. Als Beispiel nannte er hormonbehandeltes Rindfleisch aus Nicht-EU-Staaten, das entdeckt wurde. „Die EU sagt, bis September muss geklärt sein, wie das passieren konnte. Würde bei uns etwas entdeckt werden, käme das Veterinäramt und der Betrieb wäre sofort dicht – nicht erst im September.“










