Eschenau ist sein Zuhause, der Steigerwald sein Atelier. Der international anerkannte Künstler Herman de Vries feierte am Samstag seinen 95. Geburtstag. Landrat Michael Ziegler und der Bürgermeister der Gemeinde Knetzgau, Stefan Seubert, kamen gemeinsam mit der Kulturbeauftragten der Gemeinde, Melanie Lutz und der Ortssprecherin Sabrina Krieger zum Gratulieren.
Horst Hofmann, Vorsitzender des Kulturforum Haßfurt, war ebenfalls unter den Gratulanten. Bei bester Laune, mit einem Glas Champagner in der Hand, begrüßte der Jubilar zur Mittagszeit die Gäste in seinem Zuhause.
Er erzählte ihnen die Geschichte, wie es kam, dass er, in den Niederlanden geboren, sich vor 56 Jahren in Eschenau niederließ: Er habe Freunde im Forsthaus Neuhaus besucht. Von der Gegend fasziniert, fragte er auf der Weiterfahrt durch den Ort spontan eine Bäuerin, Hedwig Herterich, ob hier eine Wohnung zu mieten sei. Dem war so, im Pfarrhaus gegenüber, und de Vries blieb.
Augenzwinkernd hatte ihn vor 20 Jahren der damalige Landrat Rudolf Handwerker verwundert gefragt, warum sich so ein großer Künstler wie er in solch einem „Kaff“ niederlässt. Doch de Vries betont stets, für ihn gebe es keinen schöneren Wohnort.
Den Ortsnamen trägt er in die Welt: Er veröffentlicht seit 1974 Künstlerbücher mit dem Titel „the eschenau summerpress“, 1989 erschien ein Buch namens „natural relations“, in welchem er Pflanzen aus Marokko, Dehli, Senegal und Eschenau wissenschaftlich beschreibt.
Glücksfall für den Landkreis
Ein umfangreiches Werk namens „eschenau journal“ aus dem Jahr 2002 fand Einzug in das renommierte Kröller-Müller Museum in den Niederlanden.
Ziegler meinte, „wir können sehr stolz sein, so einen großartigen Künstler in unseren Reihen zu haben mit seiner einzigartigen Kunst: Wir hoffen, dass er noch lange da ist, weil er nicht nur Eschenau, sondern den ganzen Landkreis in der ganzen Welt repräsentiert, und zwar sehr gut.“ Ein Glücksfall.
De Vries plauderte mit den Gästen über seine zahlreiche Ehrungen: 2015 vertrat er in der Biennale in Venedig die Niederlande. 2017 wurde ihm der Gerhard-Altenbourg-Preis verliehen, und 2025 erhielt er den Titel „Ritter im Orden des Niederländischen Löwen“. Regional hielt sich seine Anerkennung in Grenzen: Der Plan für ein Museum in Haßfurt wurde verworfen, ebenso der Gedanke, im ehemaligen Rathaus von Eschenau eines einzurichten.
Doch ein weiteres für de Vries bedeutendes lokales Projekt scheint auf der Zielgeraden: Er widmet sich der künstlerischen Gestaltung von zwei neuen Kirchenfenstern in der Dreifaltigkeitskirche in Eschenau.
Voller Arbeitseifer
Der Künstler verzichtet auf ein Honorar, die Kirchengemeinde gab grünes Licht, allein die Finanzierung muss noch ermöglicht werden. Hofmann treibt das Projekt schon seit Längerem voran, auch Seubert hat sich nun der Sache angenommen. „Wir möchten, dass möglichst kurzfristig etwas passiert!“ Er setzt dabei auf Spenden und Sponsorengelder durch lokale Firmen, „weil der Künstler lokal arbeitet und da sollte man auch lokal Unterstützung generieren,“ meint er.
Die Gäste konnten sich ein Bild davon machen, wie sehr der Arbeitseifer des Künstlers anhält: Auf seinem Arbeitstisch warten Objekte und Ausreibungen aus Erde und Asche darauf, gerahmt zu werden, ein Kurator ist zu Besuch zum Besprechen eines neuen Buches, und eine Ausstellung im September in Groningen, Niederlande, ist in der Feinplanung.
Und wenn es möglich ist, begibt er sich in seinen geliebten Steigerwald, läuft einige Meter oder genießt mit seiner Frau Susanne Jacob de Vries ein Picknick.










