Es sind nur wenige Minuten, die das Leben einer Familie in Nassach verändern. Mitten in der Nacht schlagen die Rauchmelder im Haus der Familie Geuß/Holzheid Alarm. Nur der 20-jährige Lukas Murk, der älteste Sohn von Madeleine Geuß, ist noch wach. In seinem Zimmer gerät ein mobiles Klimagerät in Brand.
Wenige Minuten später stehen Madeleine Geuß, ihr Lebensgefährte Thomas Holzheid, Lukas Murk, Emma (13), Ben (10), Josefine (6) sowie Hauseigentümer Ekkehard Holzheid vor dem Haus. Dank der Rauchmelder können sie sich rechtzeitig ins Freie retten. Ihr Zuhause ist seitdem unbewohnbar.
Zum Schlauch gegriffen
Noch bevor die Feuerwehr eintrifft, greift Thomas Holzheid zum Gartenschlauch und versucht, die Flammen durch das Fenster des brennenden Zimmers einzudämmen. Ein Nachbar eilt mit einem zweiten Gartenschlauch herbei und unterstützt ihn.
Wenig später übernehmen rund 70 Einsatzkräfte mehrerer Feuerwehren die Löscharbeiten. Für Thomas Holzheid und Lukas Murk endet die Nacht im Krankenhaus. Beide erleiden leichte Rauchgasvergiftungen. Die beiden Jack Russell Terrier der Familie, Max und Maja, sowie die beiden Katzen überstehen den Brand unverletzt.
Besonders schwer getroffen hat das Feuer Lukas Murks Zimmer, in dem es ausbrach, sowie das darunterliegende Wohnzimmer, das durch das Löschwasser erheblich beschädigt wurde. Der älteste Teil des Hauses stammt aus dem Jahr 1841. Nach erster Einschätzung eines Dachdeckers hat der Dachstuhl den Brand überstanden.
Die Schäden sind dennoch erheblich. Hinzu kommen hohe Kosten für die Entsorgung des Brandschutts, der als Sondermüll behandelt werden muss. Für die Familie beginnt damit eine ungewisse Zeit. Besonders bitter: Für das Wohnhaus bestand weder eine Gebäude- noch eine Hausratversicherung.
Bürgermeister hat eine Idee
Eigentümer ist Thomas Holzheids Vater Ekkehard Holzheid. Der 67-Jährige leidet unter Demenz und weiteren gesundheitlichen Einschränkungen. Wie der Wiederaufbau finanziert werden soll, weiß zunächst niemand.
Als Aidhausens neuer Bürgermeister Thomas Wagenhäuser das ausgebrannte Haus am Sonntag besucht, lässt ihn der Anblick nicht los. Er kennt die Familie persönlich. Sein Sohn geht mit einem der Kinder der Familie zur Schule. Deshalb weiß er, dass sie die Schäden nicht allein stemmen kann.
Aus diesem Grund startet er auf der Spendenplattform GoFundMe eine Hilfsaktion. „Mir war sofort klar, dass wir helfen müssen“, sagt Wagenhäuser. Bis Redaktionsschluss sind bereits mehr als 10.000 Euro eingegangen. Das Spendenziel liegt bei 16.000 Euro. Die Gemeinde Aidhausen verwaltet die Spendengelder treuhänderisch. Mit dem Geld begleicht die Gemeinde notwendige Rechnungen, etwa für Handwerker oder Sanierungsarbeiten. So ist für alle Spender transparent nachvollziehbar, wofür das Geld verwendet wird.
Die Spendenaktion ist jedoch nur ein Ausdruck der Hilfsbereitschaft, die in Nassach nach dem Brand einsetzt. Zweiter Bürgermeister Harald Schneider organisiert noch in der Brandnacht Feldbetten und Matratzen.
Übergangsquartier
Die Kinder kommen zunächst bei Verwandten unter. Inzwischen hat die Familie eine Übergangswohnung gefunden. Thomas Holzheids Firma, Fensterbau Albert, stellt ihn für rund zwei Wochen bei voller Bezahlung frei, damit er sich kümmern kann. „Dafür bin ich unheimlich dankbar“, sagt Holzheid.
Nach Angaben der Familie hat die Kriminalpolizei inzwischen das mobile Klimagerät als Brandursache bestätigt. Das Gerät sei erst vor kurzer Zeit angeschafft worden und sei vor dem Brand höchstens eine Stunde in Betrieb gewesen. Eine Verwandte der Familie, die Rechtsanwältin ist, prüft nun Ansprüche gegen Hersteller oder Verkäufer.
Von der Hilfsbereitschaft ist Madeleine Geuß tief bewegt. „Ich bin dankbar für jede gute Nachricht. Den Kopf in den Sand stecken bringt ja nix“, sagt sie.
Weitere Informationen zur Spendenaktion:
gofundme.com/f/gemeinsam-helfen-zimmerbrand-in-nassach











