Die Firma Friedrich Motorsport hat ihren Betrieb eingestellt. Mitte Juli 2025 geriet sie in die Schlagzeilen, weil die Geschäftsräume in der Bamberger Straße in Lichtenfels einer Razzia unterzogen wurden. „Betrug“, so lautete der Vorwurf, mit dem Verdacht auf Urkundenfälschung. Im Juli wurden erneut mehrere Anwesen im Raum Lichtenfels durchsucht, bestätigt nun Oberstaatsanwalt Michael Koch von der Staatsanwaltschaft Coburg.
Die Betriebseinstellung habe aber die Staatsanwaltschaft nicht veranlasst, betont Koch. Die Vorwürfe, wegen derer ermittelt wird: Es sollen Teile von Auspuffanlagen ohne gültige Teilegutachten verkauft worden sein. Werden diese Teile in Autos verbaut, „erlischt aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Betriebsgenehmigung für das Fahrzeug“, sagt Koch.
Ermittlungen bei Kunden
Es werde wegen banden- und erwerbsmäßigem Betrug ermittelt, bestätigt der Oberstaatsanwalt. Die Fallzahl liege im dreistelligen Bereich, und es sei auch zu Ermittlungen bei Kunden gekommen. Die gelten als Zeugen.
Ins Rollen kamen die Ermittlungen, weil einem Prüfer in Rheinland-Pfalz auffiel, „dass da ein Gutachten von einem Mitarbeiter der Firma etwas eigenmächtig ergänzt war“, sagt Koch. Der Tatzeitraum, über den ermittelt werde, habe im Jahr 2020 begonnen.
In der vergangenen Woche sorgte folgende Mitteilung im Internet für ein gewisses Aufsehen: „Die Firma Friedrich Motorsport hat ihre Produktion mit sofortiger Wirkung eingestellt. Wir fertigen und liefern ab sofort keine Abgassysteme oder Ersatzteile mehr.“ Dringende Anliegen bezüglich Gewährleistungsansprüchen würden noch bearbeitet, aber nur eingeschränkt. Diese Meldung war offenbar auf der Website friedrich-motorsport.de zu finden und wurde auch in Foren fürs Auto-Tunen geteilt. Inzwischen ist die Website „wegen Wartungsarbeiten nicht verfügbar“.
In einschlägigen Onlineforen werden die Ermittlungen und die Betriebsschließung ebenfalls diskutiert. „Bestandteil [der Ermittlungen] sind auch diesmal Downpipes, in denen nicht zulassungsfähige Kats aus dem Ostblock verbaut wurden. Weiterhin wurden Gutachten für Abgasanlagen mit falschen Verwendungsbereich ausgegeben, also Fahrzeuge aufgeführt, in denen die Verwendung nicht zulässig ist“, schreibt der User „VW-Ford“ im Forum golf1.info in Bezug auf die Ermittlungen.
In den Foren der Tuner-Szene ist auch von Erfahrungen mit Teilen aus Lichtenfels und den Ermittlungen die Rede. Ein Händler berichtet, dass er Anlagen von Friedrich Motorsport auf Anweisung der Polizei habe ausbauen müssen. Ein anderer teilt mit, dass die Zulassungsnummer seiner Downpipe von Friedrich bei der Dekra nicht zu finden war, als er sein Fahrzeug dort vorgestellt habe. Ein weiterer User schreibt, dass Friedrich in die Downpipes andere Katalysatoren und Bauteile eingesetzt habe, als in den Genehmigungsdokumenten stand. Problem für die Käufer ist, dass dann die Betriebserlaubnis fürs Auto erlöschen kann.
Das sagt der Anwalt
Firmeninhaber Dirk Friedrich selbst will zu alldem nichts sagen und verweist auf seinen Anwalt Thomas Mönius in Forchheim. Der bestätigt im Grundsatz die Ermittlungen: Es gehe um manipulierte Teilegutachten und darum, dass andere – „wir meinen: höherwertige“ – Katalysatoren in Downpipes verbaut waren als im Teilegutachten stand. Mönius betont: „Die Kunden hatten kein Sicherheitsrisiko, sie haben ein grundsätzlich funktionsfähiges Bauteil erhalten, das bei der Hauptuntersuchung auch nicht aufgefallen ist.“ Die Kunden hätten mit Friedrichs Bauteilen den Sound ihrer Motoren verbessern wollen.
Im Übrigen habe Dirk Friedrich unabhängig von den Ermittlungen schon vor längerer Zeit überlegt, den deutschen Teilemarkt ganz aufzugeben. Deshalb nun auch die Mitteilung, dass die Produktion eingestellt werde. Berechtigte Gewährleistungsansprüche seiner Kunden habe Friedrich bislang erfüllt und werde sie weiterhin erfüllen, versichert Mönius. Aber: „Unter dem Namen Friedrich Motorsport werden keine Downpipes und ähnliches für den inländischen Markt mehr produziert.“
Weiterhin im Netz zu finden ist die Homepage der Friedrich Performance Manufaktur, die ebenfalls Dirk Friedrich als Inhaber ausweist. Im Online-Shop dort finden Porsche-Besitzer Carbonteile und Spoiler zum Verbessern der Karosserie sowie Teile für Auspuffanlagen und Downpipes.
Doch bei allen Downpipes findet sich in der Produktbeschreibung der Zusatz: „Dieser Artikel ist nicht für die Nutzung im öffentlichen Straßenverkehr zulässig. Nur für den Rennsport und den Export.“ Dafür, sagt Mönius, gebe es einen Markt: „Es gibt ganz viele Menschen, die einen nicht zugelassenen Porsche haben und sich einmal im Jahr für eine Stunde den Rennkurs in Hockenheim mieten, um den Porsche dort zu fahren.“










