Wenn Menschen in der Region Forchheim vermisst werden, ist Näschen gefragt. Denn Rettungshunde können Menschen durch ihren Geruch aufspüren. Auch bei der jüngsten Vermisstensuche rund um Gößweinstein waren die Spürnasen in ihren Teams im Einsatz.
Wie die Arbeit einer Rettungshundestaffel aussieht, weiß Sabrina Effenberg, Vorsitzende der Rettungshundestaffel Forchheim im Bundesverband Rettungshunde (BRH), ganz genau. Ihr Team gibt es seit 2013 und es besteht aus etwa 30 Mitgliedern – davon sind elf Teams aus Mensch und Hund geprüft und dürfen an Einsätzen teilnehmen. Weitere 15 befinden sich in der Ausbildung.
Die BRH-Rettungshundestaffel Forchheim ist als dritter Zug der Feuerwehr Weilersbach integriert. Viele andere Rettungsstaffeln sind an Rettungsdienste wie das Rote Kreuz oder die Malteser angegliedert. So auch die Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) Fränkische Schweiz in Gräfenberg, die aktuell aus zehn Mensch-Hund-Teams besteht.
Die ASB-Rettungshundestaffel hat sich erst vor wenigen Jahren gegründet. Mitglied Ralf Chamberlain ist selbst erst seit zwei Jahren bei der Staffel des ASB dabei. Während die BRH-Staffel in diesem Jahr bereits 15 Einsätze verzeichnen kann, warten die Hund-Mensch-Teams des ASB noch auf ihre erste Alarmierung.
Chamberlain erklärt, dass sie drei geprüfte Hunde benötigen, um als Staffel an Einsätzen teilnehmen zu dürfen. Derzeit seien einige Hunde noch in der Ausbildung, aber ab Herbst könnte die Staffel bereit sein. Und die Ausbildung ist sowohl für Mensch als auch für Tier eine Frage der Ausdauer und der Zeit.
Ausbildung bis drei Jahre
Die Ausbildung dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Im Team trainieren beide Staffeln zweimal in der Woche. Und die Fahrtwege zu den Trainingsgeländen können lang sein. Denn für die Übungen, bei denen Menschen gefunden werden müssen, benötigt es viel Fläche und immer neue Orte. „Damit sich der Hund nicht daran gewöhnt, fahren wir immer wieder in andere Waldstücke“, erklärt Chamberlain. Hierfür nehmen die Mitglieder weite Fahrtstrecken auf sich.
Je nach Einsatzgebiet werden die Hunde spezifisch trainiert. Unterschieden wird in Flächen- und Trümmersuchhunde sowie Mantrailer. Flächensuchhunde suchen in einem ausgewiesenen Gebiet unspezifisch nach Personen. „Bei einem Einsatz kann die Fläche 80.000 Quadratmeter groß sein“, erklärt Effenberg vom BRH.
Geruchsspur aufnehmen
Grundsätzlich wird mit den Tieren Witterungsarbeit geleistet. „Dabei müssen sie lernen, wie sie an einer Geruchsspur bleiben und was sie tun müssen, um diese Spur wiederzuerlangen, wenn sie sie verlieren“, erklärt Effenberg. Wenn die Vierbeiner bei ihrer Suche im Gelände jemanden gefunden haben, zeigen sie das mit unterschiedlichen Methoden an.
Um die Trümmersuche zu trainieren, benötigt es ein entsprechendes Gelände. Effenberg erklärt, dass der BRH-Bundesverband drei Trainingsgelände hat, die sie nutzen können. Für die Rettungshunde des ASB wird das Team rund um Chamberlain erfinderisch. „Das ist gerade im Aufbau“, sagt er.
Während Flächen- und Trümmersuchhunde jeden Menschen im ausgewiesenen Gebiet anzeigen, werden Mantrailer trainiert, einem bestimmten Geruch zu folgen. „Die Hunde bekommen einen Geruchsartikel, der nur nach dieser spezifischen Person riecht“, erklärt Effenberg. Den Gegenstand riechen die Hunde an und können im Idealfall die Spur der vermissten Person an einer langen Leine verfolgen.
Doch auch die Menschen müssen entsprechend ausgebildet werden. Je nachdem, welcher Organisation die Rettungshundestaffel angehörig ist, kommt auf die Mitglieder eine entsprechende Grundausbildung zu. Während die Mitglieder der BRH-Rettungshundestaffel Forchheim als dritter Zug der Feuerwehr eine modulare Truppausbildung absolvieren müssen, werden die Mitglieder der ASB-Rettungshundestaffel mindestens als Sanitätshelfer ausgebildet.
Doch die Hundeführer müssen auch noch zusätzlich für die Sucheinsätze ausgebildet werden. Beim BRH wird diese Ausbildung laut Effenberg „Suchtrupphelfer“ genannt. Laut Chamberlain unterscheiden sich die Ausbildungsinhalte zwischen den einzelnen Organisationen jedoch nur marginal.
Hierzu zählen laut den beiden Rettungshundestaffeln unter anderem eine Sprechfunkausbildung, Wissen rund um den Hund, Erste Hilfe – an Mensch und Vierbeiner –, Einsatztaktiken sowie Orientierung mithilfe von GPS und Karten.
Vermisstensuche im Kreis
Ob und wann die Rettungshundestaffeln im Ernstfall ihren Einsatz bekommen, bestimmt allein die Polizei, wie Chamberlain vom ASB erklärt. „Die Vermisstensuche ist grundsätzlich Aufgabe der Polizei“, erklärt er. Zunächst würde diese all ihre eigenen Ressourcen ausschöpfen, bis sie auf die Rettungshundestaffeln zurückgreifen würde.
Diese werden dann über die Integrierte Leitstelle Bamberg-Forchheim alarmiert. Die meisten Einsätze finden auch im Gebiet der hiesigen Leitstelle statt, aber auch im Randgebiet der angrenzenden Gebiete. Sabrina Effenberg erklärt, dass sie eine entsprechende Alarmierungs-App auf ihren Smartphones haben. Mit der Polizei wird anschließend geklärt, welche Art von Suchhund – ob Mantrailer oder für die Fläche – benötigt wird. Schließlich bekommen die Teams ihr Suchgebiet zugeteilt. Und dann geht es in den Einsatz.
Ehrenamt aus Überzeugung
„Wenn man nach einer Suche heimkommt und die Person nicht gefunden hat, schläft man nicht gut“, sagt Ralf Chamberlain. Dennoch mache er dieses Ehrenamt aus Überzeugung. „Es ist die Arbeit mit dem Hund und ich kann dabei jemandem helfen“, sagt er über seine Beweggründe.
Dem schließt sich auch Sabrina Effenberg an. Wie man denn überhaupt dazu kommt? „Man sucht eine sinnvolle Beschäftigung für seinen Hund“, sagt sie, „und leistet etwas Sinnstiftendes für die Gesellschaft.“ Für Interessierte sind beide Rettungshundestaffeln offen.










