Egal ob Stadt oder Gemeinde: Das Aufstellen des aktuellen Haushalts bereitet nahezu jeder Kommune Kopfzerbrechen.
Auch im vergleichsweise wenig verschuldeten Weitramsdorf wird der Gestaltungsspielraum 2026 erneut geringer: „Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben geht immer weiter auseinander“, beklagte Bürgermeister Hans Steinfelder (CSU) in der Gemeinderatssitzung am Montag. Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen von Bund und Land, damit die Haushalte nicht weiter ausbluten: „Es kann nicht sein, dass den Städten und Gemeinden immer neue Aufgaben übertragen werden, gleichzeitig gesetzliche Standards steigen und die Finanzierung dafür nicht ausreichend sichergestellt wird.“
Kämmerer Christian Reuß sprach von einer „Mammutaufgabe“, die es zu bewältigen gelte, um die „immensen Investitionskosten zu schultern“.
19 Millionen
Das Gesamtvolumen des Etats steigt um gut 1,5 Millionen auf etwas über 19 Millionen Euro deutlich, was vor allem dem Anwachsen des Vermögenshaushalts auf 6,2 Millionen Euro zuzurechnen sei (2025: 4.9 Millionen). Dagegen blieb der Verwaltungshaushalt mit knapp 13 Millionen Euro relativ konstant (2025: 12,7 Millionen).
Die Kreisumlage ist gestiegen, die Schlüsselzuweisungen gesunken. Die Situation stelle sich zwar im Finanzplan in Folgejahren wieder besser dar, aber nicht ausreichend. Zu 65 Prozent wird der Vermögenshaushalt über Zuweisungen und Zuschüsse finanziert.
Wo geht das Geld hin? Überwiegend in Baumaßnahmen: Die größten Brocken sind die Sanierung der Weitramsdorfer Schulturnhalle mit zwei Millionen und die Aufstockung der Turnhalle für die Nachmittagsbetreuung mit einer Million Euro, Auch der Neubau des Kindergartens Weidach schlägt mit einer Million Euro zu Buche. Wie im Vorjahr werden die umfangreichen Investitionen durch einen Griff in die Rücklagen finanziert. Umfasst diese aktuell noch 3,8 Millionen Euro, werden dort Ende des Jahres nur noch gut 2,1 Millionen stehen. Der Schuldenstand beträgt rund 796.000 Euro, das sind 159,24 Euro pro Kopf, deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 894 Euro.
Ende in Sicht
Schon sei ein Drittel der Rücklagen aufgebraucht, rechnete Dominic Juck (SPD) vor: „Wenn wir noch ein Jahr und dann noch ein Jahr so weitermachen, dann ist es Ende.“ Er kritisierte den geplanten Erwerb des Albrechtsgebäudes: Dafür stünden 600.000 Euro im Investitionsplan, obwohl es noch keinen Beschluss gebe. Laut Kämmerer wird Weitramsdorf 2027 um eine Kreditaufnahme nicht herumkommen, damit werde der Haushalt genehmigungspflichtig. Schon jetzt dürfte nicht jedes Projekt umzusetzen sein.
Der Bürgermeister hatte in seiner Haushaltsrede angekündigt, auch zukünftig verantwortungsvoll zu wirtschaften und sorgsam mit den Steuergeldern umgehen zu wollen. Er warnte jedoch: „Gleichzeitig dürfen wir unsere Infrastruktur nicht kaputtsparen.“ Auch die Entwicklung der Ortsmitte brauche Mut und Konsequenz: „Wenn Projekte jahrelang diskutiert werden, hilft das niemandem.“ Der Abriss zweier Gebäude noch im Jahr 2025 soll „die Grundlage für eine attraktive Neugestaltung“ schaffen.
Jens Büschel-Girndt (Wir für Euch) vermisste einen Betrag für den Straßenerhalt. Reuß verwies auf 150.000 Euro im Verwaltungs- plus einem „großer Brocken“ im Vermögenshaushalt, für mehr müsse woanders gespart werden. Dazu erkundigte sich der neue Gemeinderat nach zu veräußerndem „Tafelsilber“ oder einsparbaren freiwilligen Leistungen. Der Kämmerer will eine Liste erstellen.
Um mehr Einnahmen zu erzielen, möchte Steinfelder „mit Nachdruck“ die Ansiedlung von Gewerbetreibenden fördern. Er verwies auch darauf, dass weder in Verwaltung noch Bauhof zusätzliche Stellen geschaffen wurden, was dem großen Engagement der Mitarbeitenden zu verdanken sei.
Vehement widersprach der Kämmerer der Bemerkung von Ulrich Kräußlich (FW), jahrelang sei „nichts gemacht“ worden. Reuß verwies auf Anbauten an Schule wie Kindergarten und Arbeiten im Untergrund, die keiner sehe. Weitere umfangreiche Investitionen stünden an. Notfalls müssten Maßnahmen gestrichen werden, nichts sei „in Stein gemeißelt“.
Haushalt verabschiedet
Der Haushalt wurde schließlich bei einer Gegenstimme verabschiedet. Gegen den Finanzplan bis 2029 stimmten zwei Räte, gegen das Investitionsprogramm bis 2029 vier Räte. Umfangreiche Arbeiten stehen auf der Kläranlage Tambachtal an. Maximilian Wahler und Benjamin Hückmann von MSRplan (Hofheim) stellten ihren Entwurf zur Erneuerung der Niederspannungshauptverteilung (NSHV) sowie Errichtung einer Freiland-Photovoltaik-Anlage und Notstromeinspeisung vor.
Der Austausch der NSHV sei dringend erforderlich, so Hückmann, da die Schaltschränke aus dem Jahr 1979 stammen, nicht mehr aktuellen Richtlinien wie Vorschriften entsprechen und die Betriebs- und Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet sei.
Den jetzigen Energiebedarf der Anlage bezifferten die Fachplaner Elektro für Umwelttechnik auf rund 200.000 kWh, was zu 85.000 Euro an jährlichen Stromkosten führe. Derzeit sind weder eine PV-Anlage zur Eigenstromerzeugung noch eine Notstromversorgung vorhanden, ein Stromausfall würde zum Stillstand der Kläranlage führen. Hückmann präsentierte die Planung: Nördlich entsteht eine geschotterte Zufahrtsstraße, um das Schneckenhebewerk besser zu erreichen. Eine Asphaltierung sei nicht notwendig, meinte Reuß auf Nachfrage von Marcel Bock (Wir für Euch). Neu eingerichtet werden ebenfalls eine Trafostation von der SÜC, eine Betonraumzelle für das NSHV, Notstromaggregat sowie Batteriespeicher und eine PV-Anlage (200 kWp). Die NSHV wird über eine Leistungs- sowie über eine Verteil- und Steuerungsschaltanlage verfügen.
Mehr Sicherheit
Die Gesamtkosten bezifferte Geschäftsführer Wahler auf circa 1,7 Millionen Euro brutto. Dafür bekäme die Gemeinde eine zukunftsfähige Anlage, die betriebssicher wie wirtschaftlich arbeiten und alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen werde. Die Arbeiten könnten im vierten Quartal mit Bau der Zufahrtsstraße und Lieferung der Trafostation beginnen. Mit Fertigstellung der Maßnahme rechnete er für das dritte Quartal 2027.









