Interview
15-jährige Violinistin belegt einen Meisterkurs im Haus Marteau
Estelle Presler
Estelle Presler // VHS
Forchheim

Einmal im Jahr geht das Haus Marteau auf Reisen. Junge Künstler, die in der Internationalen Musikbegegnungsstätte in Lichtenberg einen Meisterkurs besuchen, zeigten ihr Können – unter anderem auch in Forchheim.

In diesem Jahr ist eine der Nachwuchskünstlerinnen die erst 15-jährige Violinistin Estelle Presler aus Bönigen im Berner Oberland. Sie wird angeleitet von Prof. Philip A. Draganov aus Bern, der auch das Konzert moderierte. Wir haben der Musikerin aus der Schweiz einige Fragen stellen können.

Frau Presler, wie sind Sie denn überhaupt zur Musik gekommen?

Estelle Presler: Soweit ich mich erinnern kann, besuchte ich einmal ein Geigenbauatelier. Als ich dort zum ersten Mal die Klänge einer Violine hörte, wusste ich sofort, dass dies das Instrument ist, das ich spielen werde. Die Entscheidung zugunsten der Violine fiel, weil mich ihre außergewöhnliche Klangvielfalt von Anfang an inspirierte. Ich selbst spiele eine Violine aus Italien von 1734, weil mich ihr warmer, ausdrucksstarker Klang und ihre historische Ausstrahlung faszinieren.

Welche Geiger zählen zu Ihren Vorbildern?

An Itzhak Perlman bewundere ich seine Lockerheit, seine hohe Virtuosität, seinen musikalischen Ausdruck, seine technische Meisterschaft und die Reife seiner Interpretationen. David Oistrach beeindruckt mich durch seine musikalische Autorität, seine vorbildliche Haltung und die Kraft, Tiefe und den Ernst, den jede seiner Phrasen trägt.

Wer hat denn Ihr Talent entdeckt und gefördert?

Mein Talent wurde von meiner Mutter von Beginn an begleitet und gefördert. In den letzten zehn Jahren hatte ich die Möglichkeit, regelmäßig an unterschiedlichen Masterclasses teilzunehmen und bei zahlreichen Professoren Unterricht zu erhalten.

Wie sieht es mit der Konzertlaufbahn aus: Wo konnte man Sie bislang hören?

Ich hatte das Glück, bereits in mehreren europäischen Ländern aufzutreten, und nehme regelmäßig an internationalen Wettbewerben teil. Mein erstes Solo-Debüt mit Orchester gab ich bereits mit sechs Jahren. Durch die Teilnahme an internationalen Meisterkursen ergeben sich immer wieder neue Konzertmöglichkeiten, wie auch hier.

Haben Sie bereits Preise oder Wettbewerbe gewonnen?

Ich hatte die letzten zwei Jahre den Fokus auf die Schule, davor waren wir regelmäßig unterwegs. Unter anderem konnte ich den Schweizer Jugend-Musikwettbewerb (2018, 2022), den Jaroslav-Kocian-Wettbewerb in Usti nad Orlici (2019), den Arthur-Grumiaux-Wettbewerb in Brüssel (2020), die Odin-Online-Competition (2021) und den Förderpreis Klassik der Musikschule Konservatorium Zürich (2023) gewinnen.

Wie läuft so ein Meisterkurs wie im Haus Marteau ab?

Ein Meisterkurs ist sehr intensiv: Ich übe mehrere Stunden täglich, präsentiere vorbereitete Stücke im Unterricht und danach feilen wir gemeinsam an jedem Detail, um Klang, Technik und Ausdruck zu perfektionieren.

Interview: Udo Güldner Die VHS bietet einen Besuch im Haus Marteau am 20. Mai an. Anmeldung ist ab dem 3. Februar bei der VHS möglich. red

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