Am vergangenen Sonntag feierte der Pfarrchor Aisch seinen 90. Geburtstag mit einem Festgottesdienst und anschließender Agape. Unter anderem erklang die rauschende Chorfuge aus dem Magnificat von Bach unter Leitung des neuen Chorleiters Johannes Först. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Chor“, erklärte er dieser Zeitung.
Im Gottesdienst erklang noch weiteres geistliches Liedgut wie ein Halleluja, das genauso wie das Magnificat mit seinem Exsultate die Freude der Choristen am Singen ausdrückte. Först stand am Pult und unterstützte seinen Chor am E-Piano. Wolfgang Först spielte E-Gitarre und begleitete die vom Volk gesungenen Lieder an der Orgel. Theodor Först beherrschte das Schlagzeug perfekt.
Pfarrer Thomas Ringer freute sich, dass die Vertreter der Vereine, Gemeinderäte und Bürgermeister Nico Kauper mitfeierten. „Unser Pfarrchor gibt dem Glauben eine Stimme“, sagte er.
Nach mündlicher Überlieferung wurde der Pfarrchor im Jahr 1936 vom damaligen Organisten und Chorleiter Johann Farlock gegründet – zwei Jahre nach der Erweiterung der alten Aischer Kirche. Die Gründung fiel in eine politisch und kirchlich schwierige Zeit. Trotz der Präsenz des Nationalsozialismus in Aisch fanden sich rund 13 Sängerinnen und Sänger zusammen, um auf Wunsch des damaligen Pfarrers Johann Maier die Hochfeste Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten feierlich zu gestalten. Geprobt wurde in der „guten Stube“ der Familie Farlock.
Bei der Renovierung des Pfarrhauses 2002 wurden Farlocks handschriftlichen Noten wiederentdeckt. Darüber hinaus fanden sich Partituren aus dem Jahr 1819, die belegen, dass Kirchenmusik in Aisch schon lange vor 1936 einen hohen Stellenwert hatte.
Als Farlock 1971 starb, war sein Sohn Otto Chorleiter, unterstützt von Adam Kästner und Adolf Eckert. Die Proben fanden im ehemaligen Schulhaus in der Alten Schulstraße statt. Ein Harmonium der Aischer Schwestern diente dem Chor, bis 1986 ein eigenes Klavier angeschafft wurde. Ende der 1970er Jahre übernahm Hans Farlock die Leitung. In den 1980er Jahren erfolgte die Umbenennung in Pfarrchor Aisch.
Mit Thomas Merz aus Hemhofen leitete Ende der 1980er Jahre erstmals ein Nicht-Aischer den Chor. Wöchentliche Proben wurden eingeführt und das Repertoire um weltliches Liedgut erweitert. Von 1992 bis 2003 stand Rotraud Haber am Pult. Neben kirchlichen Aufgaben gestaltete der Pfarrchor nun auch weltliche Vereinsfeiern und trat erstmals außerhalb der Kirche auf, unter anderem beim „Bayerischen Rundfunk auf Reisen“ in Adelsdorf. 1994 gab sich der Chor eine Chorordnung und ergänzte seinen Namen zu „Pfarrchor St. Laurentius Aisch“. Gemeinsame Reisen stärkten die Gemeinschaft.
Nach Abschluss der Kirchenrenovierung 1996 sammelte der Orgelbauförderkreis, getragen vor allem von Chormitgliedern, über 100.000 Mark für eine Rolf-Orgel. Eine neue Ära begann 2004 mit dem Kirchenmusikstudenten Claus Keller aus Kriegenbrunn, der frische musikalische Impulse setzte. Auch unter seiner Leitung blieb der Pfarrchor eine tragende Säule der Pfarrei, und so konnten Projekte wie die Renovierung der Mariengrotte realisiert werden. Die Liveübertragung eines musikalisch gestalteten Gottesdienstes im Deutschlandfunk am Ostersonntag 2025 krönte seine Amtszeit.
Mit Johannes Först startete der Chor im Januar ins Jubiläumsjahr. Der Bürgermeister überbrachte ein Kuvert und gratulierte den Sägerinnen und Sängern zum 90. Geburtstag.









