Armin Andres hat als Spieler, Trainer und als Funktionär viele Kapitel in der deutschen Basketball-Geschichte geschrieben. Dem Bamberger gebührt nach zwölf Jahren im DBB-Präsidium das Attribut „erfolgreichster DBB-Vizepräsident Leistungssport aller Zeiten“: EM-Bronze 2022, WM-Gold 2023, Olympia-Endrunde 2024 und EM-Gold 2025 fallen in seine außergewöhnliche Amtszeit. Auch als Aktiver stand er bei all den genannten Großevents auf internationalem Parkett und absolvierte von 1979 bis 1992 (Highlight Olympia Barcelona) 146 Länderspiele.
Dazu war er ein erfolgreicher Distanzschütze und Spielgestalter in der Bundesliga (1981 bis 1995) mit den Stationen Hagen, Gießen, Berlin und in seiner Heimatstadt Bamberg (1984 bis 1991 1. FC/TTL). Bis 2005 stand er auch in der Bundesliga (in Bamberg als TSK-Trainer 1999 bis 2001) und als Co-Trainer des DBB an der Seitenlinie. Nach alles andere als glorreichen Zeiten in der ersten Hälfte seiner DBB-Amtszeit (ab 2014) trugen die letzten vier Highlights-Jahre seine Handschrift. Andres, der nun von Mithat Demirel abgelöst wird, war im wahrsten Sinne des Wortes nah am Team, sein „Stammplatz“ war neben den Spielern direkt hinter der Bande.
Im FT-Interview blickt er auf die „schönste Zeit“ zurück, nimmt Stellung zu seinem Abschied und nennt die Faktoren, die den Basketballsport gepusht haben.
Herr Andres, was hat Sie bewogen, beim diesjährigen Bundestag nach zwölf ereignisreichen, ja historischen Jahren nicht mehr zu kandidieren?
Armin Andres: Nach zwölf Jahren Ehrenamt und einer sehr aufregenden Zeit, dachte ich mir, was kann noch kommen? In meiner Amtszeit haben wir alles erreicht und alle Titel gewonnen, was machbar war. Man soll zur schönsten Zeit aufhören, so habe ich das immer gehalten. Als Spieler, Trainer und Funktionär.
DBB-Präsident Ingo Weiss betonte vor zwei Jahren im Hallstadter Kulturboden: „Ohne Armin Andres wären wir nicht Weltmeister geworden!“ Auch wenn solche Lobeshymnen vom Betroffenen selbst nicht so leicht zu interpretieren sind, was meinte er wohl damit? Ihr intensiver Kontakt zu den NBA-Spielern?
Natürlich habe ich zu allen Spielern – nicht nur NBA – sehr guten Kontakt gehalten. Ausschlaggebend, glaube ich, war ein sehr wichtiger Punkt, dass die Spieler jetzt sehr gerne zur Nationalmannschaft kommen, dies war zu Beginn meiner Amtszeit nicht der Fall. Außerdem wollte ich natürlich in jedem Bereich des Leistungssports einbezogen sein und vor Ort alles miterleben, um dann an den richtigen Stellen gemeinsame Veränderungen vornehmen. Im Leistungssport ist es sehr wichtig, Kontinuität zu haben und ein Konzept, das langfristig angelegt ist. Wir haben es geschafft, eine Struktur aufzubauen, die uns in allen Bereichen, Herren, Damen, 3x3 und Nachwuchs in die Weltspitze katapultiert hat. Darauf bin ich natürlich sehr stolz, dies mit meinem Team geschafft zu haben.
Heim-EM-Bronze, Weltmeister, Olympia-Teilnahme und im Vorjahr Europameister: Mehr geht nicht, alle Veranstaltungen haben ihre Geschichte. Nichtsdestotrotz: Gibt es dennoch das ganz besondere Turnier?
Eigentlich nicht, jedes Turnier oder die Olympiaden waren für sich ganz was Besonderes. Aber die WM, der Titel aus dem Nichts hat uns in der Welt vom Mitläufer zum absoluten Mitfavoriten gemacht. Wir sind mit allen Mannschaften in der Weltspitze angekommen. Das ist eigentlich unglaublich. Der EM-Titel hat das auch nochmal bestätigt, denn viele dachten, das war etwas Glück, der Sieg bei der Weltmeisterschaft. Ich glaube, dass wir uns jetzt über die nächsten Jahre in der Weltspitze einen Platz erkämpft haben und dort auch bleiben.
Es gab ja in Ihrer Amtszeit aber auch ernüchternde Phasen bis zum ersten Highlight EM 2022 im eigenen Land. Was waren die entscheidenden Stellschrauben zur glorreichen Wende?
Ja, die erste Zeit war sehr ernüchternd. Es gab organisatorisch viele Probleme und der Leistungssport musste generell neu strukturiert werden. 2019 war so eine wichtige Wende, als wir den 18. Platz belegten mit der damaligen besten Mannschaft (Anm. d. Red.: sieben NBA-Spieler), die aber auf dem Platz nicht harmonierte. Dort haben wir uns entschieden, auch mal Spieler wegzulassen, die nicht mit Überzeugung dabei sind oder die sich überbewerteten. Auch war es wichtig, eine gute Mischung aus Jung und Alt auf die Beine zu stellen, die die nächsten Jahre das Gerüst waren. Commitment war das große Wort.
Ihr gesamtes bisheriges Leben war von Ihren frühen Anfängen in Rosenheim bis hin zum Vize-Präsidenten vom Basketballsport bestimmt. Wie schaut Ihre Rückkehr ins „normale, basketballlose“ Leben aus?
Basketballlos wird es ja doch nicht werden. Werde mir jetzt ganz in Ruhe alles anschauen, kann meinen Senf dazugeben, ohne Verantwortung zu haben. Das ist doch auch mal schön. Vor allem kann ich meine Zeit jetzt so planen wie ich und meine Frau das wollen. Vorher musste alles darum geplant werden, welche Sitzung oder Meisterschaft gerade ansteht.
Bleibt die lokale Frage: Worin sehen Sie die Gründe für die unerwartet erfolgreiche Baskets-Saison und haben Sie auch ein weinendes Auge ob des großen Umbruchs?
Ich war sehr positiv überrascht und hätte das überhaupt nicht erwartet. Natürlich beobachte ich den Bamberger Basketball genau und bin mehr als enttäuscht, wie die Struktur zusammengebrochen ist. Auch wenn es dieses Jahr eine sensationelle Saison war, wird es langfristig ohne gute Jugendarbeit sehr schwer, einen dauerhaften Erfolg zu haben. Mit der jüngsten Qualifikation zur NBBL ist ein erster Schritt in die richtige Richtung gelungen. Es wird unmöglich sein, immer so ein sensationelles Händchen zu haben wie dieses Jahr. Trotzdem hoffe ich wie alle in Bamberg, dass Basketball eine zentrale Stellung behalten wird.
Interview: Bertram Wagner









